Kultur: Vorfreude auf das neue Theater Trier (Video)

Kultur : Vorfreude auf das neue Theater Trier (Video)

Das Theater Trier wird saniert. Doch was bedeutet das im Detail? Wir blicken hinter die Kulissen.

Wäre die Diskussion um die Sanierung des Stadttheaters nicht so anstrengend, hätte Triers Kulturdezernent allen Grund zum Jubel. „Wir haben fast bei jeder Vorstellung volles Haus. 78 500 verkaufte Tickets. Das ist schon jetzt mehr als in der gesamten vergangenen Spielzeit.“ Auch die wirtschaftlichen Zahlen signalisieren – nach dem finanziellen Desaster unter dem ehemaligen Intendanten Karl Sibelius – den Aufschwung: „Wir liegen bereits jetzt 400 000 Euro unter dem Kostenansatz. Wenn alles so gut weiterläuft, steuern wir eine Rekordspielzeit an.“

Auf der Bühne läuft es also. Doch wer einen Blick hinter die Kulissen wagt, muss daran zweifeln, ob es noch lange so sein wird. Schimmel, Wasserschäden, marode Elektrik können jederzeit das Ende bedeuten.

Einblicke in die aktuelle Bausubstanz des Stadttheaters. Foto: Leila Abdalla, Theater Trier

Wenn in voraussichtlich zwei Jahren die Sanierung des Theatergebäudes beginnt, müssen allein mehr als elf Millionen Euro in die Erneuerung der Bühnentechnik investiert werden. Für die weiteren technischen Maßnahmen wie den Austausch der Elektrik, der Motoren für die Belüftung oder die Wasser- und Abwasserleitungen werden mehr als zehn Millionen Euro verbaut. Insgesamt, so die aktuellen Kostenschätzungen, wird die Kernsanierung des Gebäudes mindestens 49 Millionen Euro kosten. Das ist viel Geld, aber noch immer deutlich günstiger als der Abriss und Neubau für  65 Millionen Euro.

60 Prozent der Sanierungskosten, so hofft auch Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe, sollen mit einem Zuschuss aus Mainz gedeckt werden. Diese Förderhöhe erwartet er auch für den neuen Saalbau neben dem Kulturzentrum Tufa, der etwa 6,9 Millionen Euro kosten soll. Das 1300 Quadratmeter große Gebäude wird in der dreijährigen Bauphase als Interimsspielstätte genutzt und danach der Tufa  zur Verfügung stehen. Konzerte und Opern sollen während der Sanierungsphase in der Europahalle zu hören sein.

Einblicke in die Bausubstanz des Theaters. Foto: Leila Abdalla, Theater Trier

Insgesamt kostet die Sanierung also 55 Millionen Euro. „Das ist ein riesiger Betrag“, sagt Oberbügermeister Wolfram Leibe. „Aber einen Eigenanteil von 22 Millionen, aufgeteilt auf sechs Jahre, kann auch eine verschuldete Stadt wie Trier stemmen, ohne andere wichtige Bereiche zu vernachlässigen.“

Ob der oberste Stadtkämmerer richtig kalkuliert, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Denn nach dem mit großer Mehrheit gefassten Grundsatzbeschluss  im Stadtrat kann nun auch offiziell die Abstimmung mit dem Land beginnen. Danach folgen der Architektenwettbewerb, die genaue Kostenberechnung und ein Baubeschluss. Wenn alles gut läuft,  kann Mitte 2021 mit der Sanierung begonnen werden. Die Hülle des in den 1960er Jahren entstandenen Theaterbaus ist stabil und frei von Schadstoffen. Das haben die Voruntersuchungen ergeben. 13 Millionen Euro sind allein für deren Instandsetzung vorgesehen. In dieser Summe enthalten ist ein „Risikozuschlag Altbausanierung“ von 15 Prozent. So sollen Kostenüberschreitungen im Rahmen gehalten werden.  „Wir haben ehrlich gerechnet“, versichert Kulturdezernent Schmitt. und listet weitere Positionen auf: Sechs Millionen Euro für die energetische Sanierung, mehr als eine Millionen für den neuen Lastenaufzug, 1,6 Millionen Euro für akustische Verbesserungen im Theatersaal. Der notwendige Abriss und Neubau des Foyers wird mit drei Millionen Euro veranschlagt.  

Einblicke in die aktuelle Bausubstanz des Stadttheaters. Foto: Leila Abdalla, Theater Trier

Intendant Manfred Langner ist von dem Projekt begeistert, auch wenn es als Minimallösung gilt. Denn das „neue Theater“ wird mit 7500 Quadratmetern kaum mehr Fläche bieten als die beengte aktuelle Spielstätte. „Wir wollen gutes Theater für die Menschen in und um Trier machen“, sagt Langner. „Ich bin angetreten, um es besser zu machen. Es ist ein Theater in der Region, für die Region und mit der Region.“

Als wenig optimal gelten die verteilten Standorte des Theaters (siehe Karte). Die 3800 Quadratmeter gemietete Fläche sollen deshalb möglichst aufgegeben werden. Die unterschiedlichen Nutzungen könnten im Norden der Stadt zusammengeführt werden. Ob das auch für einen Probesaal für das Orchester gilt, ist eine Frage, die im Rahmen des Architektenwettbewerbs geprüft wird. Deren Bau, so lauten die aktuellen Schätzungen, würde zusätzliche 2,4 Millionen Euro kosten.

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