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Vorsichtiger Optimismus und viele Fragen – Trierer Gastronomen und Hoteliers bereiten sich auf die Wiedereröffnung vor

Kostenpflichtiger Inhalt: Wirtschaft : Vorsichtiger Optimismus und viele Fragen – Gastronomen und Hoteliers bereiten sich auf die Wiedereröffnung vor

Restaurants, Cafés, Biergärten und Hotels bereiten sich auf die Wiedereröffnung vor. Besonders den kleineren Betrieben machen die Vorgaben zu schaffen.

Bereits am Mittwochabend hat das große Stühlerücken begonnen. Nicht nur im Biergarten von Blesius Garten in Trier-Olewig wurde sofort nach dem Bekanntwerden der wichtigsten Regeln für die Neueröffnung von Restaurants und Hotels ausprobiert, wie Tische und Stühle gestellt werden müssen, damit die Gäste ab dem 13. Mai 1,50 Meter Abstand halten.

„Natürlich werden wir dann sofort öffnen“, sagt Inhaber und Geschäftsführer Klaus Tonkaboni. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir eine große Außengastronomie haben. Da lassen sich die Tische auseinander stellen. Sobald die detaillierten Bestimmungen am Freitag bekannt sind, entwickeln wir ein Konzept, wie sich der Betrieb stemmen lässt.“

210 Plätze in den Gaststätten, 240 im Außenbereich, 61 Zimmer mit 110 Betten, 65 Festangestellte und 60 Aushilfskräfte. Das sind die Rahmendaten für den auch wegen seiner Hausbrauerei beliebten Hotel- und Gaststättenbetrieb in normalen Zeiten. „Wenn wir nun die Hälfte der Plätze behalten können, wären wir froh. Aber das heißt dann ja noch lange nicht, dass auch die Gäste kommen.“ Gutes Wetter, so die Hoffnung von Tonkaboni, könnte dazu beitragen.

Für Jockel Ternes spielt das Wetter mit Blick auf den 13. Mai keine große Rolle. „Über den so schnellen Öffnungstermin bin ich erstaunt“, sagt der Inhaber der Szenekneipe Luckys Luke und des kleinen Cafés Chrome in Trier. „Ich hatten nicht vor Juli damit gerechnet.“ Natürlich werde er öffnen. „Viele unserer Stammkunden haben ihre sozialen Kontakte fast ausschließlich über die Kneipe. Die sind hungrig darauf, dass es wieder losgeht. Ob wir aber angesichts der Beschränkungen nicht noch mehr Verlust machen als jetzt, muss sich zeigen.“

Seine sieben Festangestellten werde er aus der Kurzarbeit zurückholen. „Unsere 24 Aushilfen werden aber leider vorerst nicht dabei sein können.“ Ternes hofft, dass die Sperrstunde nicht um 22 Uhr sein wird. „Der Rahmen 6 bis 22 Uhr ist eindeutig für die Essensgastronomie gemacht. Und Reservierungen für Kneipen. Das ist eine ganz neue Sache.“

Solche und weitere offene Fragen beschäftigen auch Elisabeth Schug und ihre Projektgruppe im Hotel Park Plaza. Mehrere Stunden diskutierte die Direktorin am Donnerstag mit den Mitarbeitern darüber, was für die Wiedereröffnung zu tun ist. „Es gibt immer neue Details, die zu klären sind“, sagt sie dem Trierischen Volksfreund. Bis auf die Auszubildenden seien alle 120 Beschäftigten des Hotels in Kurzarbeit gewesen. „Unsere Azubis sind toll, die können alles“, schwärmt Schug. „Ich habe das Haus in den vergangenen Wochen mit denen alleine geführt.“ Obwohl das sehr gut geklappt habe, sei kaum etwas los gewesen. Ein Trauerspiel für das Haus mit 300 Betten, Restaurant, Bar und großem Tagungsbereich. Doch das soll sich so schnell wie möglich ändern, auch wenn Skepsis bleibt. Kommen die Gäste überhaupt? Und sind sie bereit, für eine Tasse Café im Innenhof vorher zu reservieren?

Kein Thema ist das im Sterne-Restaurant von Alexander Oos in Trittenheim. Im Wein- und Tafelhaus steht bei Daniela Oos das Telefon nicht mehr still. „Darüber freuen wir uns sehr“, sagt die Frau des Inhabers des kleinen Familienbetriebs. „Wir wollen die Auflagen nun alle richtig umsetzen und warten deshalb erst einmal ab.“

Für Sternekoch Harald Rüssel in Naurath/Wald kommt keine Reduzierung der Speisekarte infrage. „Ich muss meiner Leistung treu bleiben, das erwarten meine Gäste“, verdeutlicht der Chef von Rüssels Landhaus. „Ich bin wirklich froh, dass wir mit einem vernünftigen Bedienungskonzept bald wieder öffnen dürfen.“ Das gelte auch für die 15 Zimmer des Hotels. „Das ist ein kleiner Schritt in die Normalität.“

Alle 15 Beschäftigen hat Rüssel inzwischen aus der Kurzarbeit zurückbeordert. Die Aushilfen würden aber zunächst nicht gebraucht. „Wir haben uns mit dem To-go-Geschäft in den vergangenen Wochen zumindest etwas Umsatz gesichert. Ich wäre nun froh, wenn wir bald zumindest 50 Prozent unseres normalen Geschäfts erreichen könnten.“

Doch wie behält ein solcher Restaurantbesuch trotz Auflagen seinen Charme? „Mit Baumwollhandschuhen und Mundschutz zu bedienen, kann ich mir schon vorstellen – schlimm fände ich aber, wenn wir die Gäste mit Plastikhandschuhen bedienen müssten, denn das würde das schöne Erlebnis für den Gast stark mindern“, sagt Monika Fuchs vom Hotel Grefen in Schweich. Sie hofft, dass die Auflagen machbar bleiben. Sie stellt es sich auch schwierig vor, zu kontrollieren, ob in einer Gruppe wirklich nur die Bewohner zweier Hausstände sitzen.

Hygiene ist auch im Hotel Park Plaza Trumpf. Lena Joswig (rechts) und Chefin Elisabeth Schug zeigen am Empfang, was für alle Gäste Pflicht sein wird. Foto: Rainer Neubert

Die Gastronomen hoffen, dass das Gesundheitsamt baldmöglichst genaue Schritte bekannt gibt, wie sie nun zu arbeiten haben. Denn noch ist unklar, wie in Zukunft gedeckt, serviert, gezahlt, gespült, desinfiziert und kontrolliert werden muss. Eigene Ideen und Konzepte dazu haben viele schon durchdacht.