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Weinstadt Trier
Von Abschied ist keine Rede mehr

 Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit geehrt: Olewiger Winzervereinschef Peter Terges (mit Urkunde und Orden). Außerdem auf dem Foto (von links): Roswitha und Peter Pries, OB Wolfram Leibe und Gattin Claudia Terges.
Zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit geehrt: Olewiger Winzervereinschef Peter Terges (mit Urkunde und Orden). Außerdem auf dem Foto (von links): Roswitha und Peter Pries, OB Wolfram Leibe und Gattin Claudia Terges. FOTO: Roland Morgen
Trier-Olewig. Winzervereins-Chef Peter Terges will vorerst Hauptverantwortlicher des Trierer Weinfestes im Stadtteil Olewig bleiben. Von Roland Morgen
Roland Morgen

Das dürfte Peter Terges runtergegangen sein wie eine Trockenbeerenauslese. Bei der Präsentation seiner 2018er Weine am Wochenende zählte auch Peter Pries (75) zu den Gästen. Der Präsident des Karnevalisten-Landesverbandes Rhein-Mosel-Lahn (RLM) nutze die Gelegenheit, Terges vor großem Publikum mit einem Sonderorden auszuzeichnen. Eine Ehrung der ganz raren Sorte für, wie der Narrenchef betonte, „großartige Unterstützung der Brauchtumspflege“. Ob bei der jährlichen Gala der Arbeitsgemeinschaft Trierer Karneval (ATK) mit Verleihung des Kaiser-Augustus-Ordens (die Pries einst als ATK-Präsident eingeführt hatte) oder bei besonderen Anlässen in Berlin, Bonn oder Leipzig: Seit Jahrzehnten stifte Terges Spitzenwein und trage so auf seine Weise dazu bei, dass der Trierer Karneval sich auf nationaler Ebene sehen – und schmecken – lasse könne.

Eine gleichsam überraschende („Ich habe weder etwas gewusst noch geahnt“) wie bestätigende Ehrung: Terges predigt stets die Bedeutung von Ehrenamt und Brauchtum und geht beispielhaft voran. Er ist Vorsitzender der Vereinigung Trier-Olewiger Winzer und des Sportvereins Olewig; außerdem kommunalpolitisch aktiv (Vize-Ortsvorsteher von Olewig) und überall dort zu finden, wo öffentlich über die Gegenwart und Zukunft Triers diskutiert wird. Weil er ein uneigennütziger Hans-Dampf-in allen-Gassen sei und dabei kein Blatt vor den Mund nehme, hat ihm die KG Wieweler im Februar den Orden gegen den trierischen Ernst umgehängt, eine der begehrtesten Auszeichnungen des lokalen Karnevals. Es war die für Terges „erste Ehrung überhaupt“ – und jetzt gleich noch ein Orden. Das mache ihn „froh und stolz zugleich. Es tut mir sehr gut zu sehen, dass mein Engagement fürs Brauchtum Anerkennung findet“.

Am 23. Juni wird Terges, der immer noch aktiv Fußball spielt (mit der 3. Mannschaft des SV Olewig in der D-Klasse), 66. Eigentlich Rentenalter, aber von Rückzug keine Spur. Von der Ankündigung, sich nach dem nächsten Trierer Weinfest (2. bis 5. August) aus der Verantwortung für die dann 70 Jahre alte Traditionsveranstaltung zurückzuziehen, ist nun keine Rede mehr. Im Gegenteil: „Wenn ich gesund bleibe, hänge ich noch ein paar Jahre dran.“ Das gelte auch für den eigenen Betrieb (sechs Hektar Rebfläche), den niemand aus der Familie übernehmen wolle.

2020, wenn wieder Vorstandswahlen im Winzerverein anstehen, wolle er sich erneut um den Vorsitz bewerben – „dem Brauchtum und dem Weinfest zuliebe, das vom Ehrenamt lebt“. Tatsächlich spart das tatkräftige und unentgeltliche Anpacken etwa beim Auf- und Abbau viel Geld, während andererseits wegen immer höherer Auflagen die Kosten davonlaufen: Terges nennt ein Beispiel: „Vor 20 Jahren haben vier Tage Sanitätsdienst 1500 Mark gekostet, jetzt sind es schon knapp 5000 Euro“.

Gleichwohl sieht der Winzerchef und Weinfest-Hauptverantwortliche, „dass ich natürlich nicht ewig machen kann. Es wäre schön, wenn mittelfristig jüngere Kollegen übernehmen können. Einer von Terges’ Top-Favoriten ist Sebastian Oberbillig (38), Juniorchef des Weingutes Deutschherrenhof, vor 20 Jahren Mitgründer und immer noch einer der führenden Köpfe der Jungwinzer-Vereinigung Moseljünger – aber nicht Mitglied der zuletzt auf drei Betriebe geschrumpfte Winzervereinigung seines Heimatstadtteils Olewig. Auf TV-Anfrage bestätigt Oberbillig, dass er durchaus Interesse hat, sich aktiv einzubringen. Aber: „Ich stehe dafür, das Fest auf ein breiteres Fundament zu stellen. Die Hauptakteure dürfen nicht mehr nur allein aus der Winzerschaft kommen. Auch die ortsansässige Gastronomie muss Mitwirkungsrecht erhalten.“