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Vorstellung Corona Studie Gesundheitsamt Trier und Universität Long Covid häufiger als gedacht

Virus&Folgen : „Relativ einzigartig auf dem Forschungsmarkt“: Das sind die Ergebnisse der Trierer Corona-Studie von Gesundheitsamt und Universität

Die Universität Trier und das Gesundheitsamt der Stadt Trier und des Kreises Trier-Saarburg stellen ihre Corona-Studie vor – mit einigen Überraschungen.

Noch immer basieren viele Entscheidungen zu Corona auf Vermutungen. Mit dem am Dienstag veröffentlichten Abschlussbericht zu einer groß angelegten Befragung von 1503 positiv auf Corona getesteten Menschen aus Trier und dem Kreis Trier-Saarburg tragen Forscher aus der Region nun neue Erkenntnisse über Symptome, Verläufe, Langzeitschäden und Auswirkungen von Quarantänezeiten bei.

Eine Erkenntnis: Während des Untersuchungszeitraums, der sich von März 2020 bis Mai 2021 erstreckt, hatten zwar rund 87 Prozent der Studienteilnehmer Symptome. Mehr als drei Viertel sind aber nicht zum Arzt gegangen. Rund 50 Prozent klagen aber über Langzeitfolgen wie Müdigkeit und Erschöpfung nach der Infektion. Professor Rüdiger Jacob vom Fachbereich Soziologie der Uni Trier hat die Studie gemeinsam mit Studierenden und mit Hilfe des Gesundheitsamt ausgearbeitet. Bei der Vorstellung der Ergebnisse sagte er am Dienstag: „Das, was wir heute präsentieren, ist relativ einzigartig auf dem Forschungsmarkt.“

Studie: Erkenntnisse beziehen sich auf Zeitraum ohne flächendeckende Impfungen

Nicht systematische Berichte deuteten zwar auf ein heterogenes Krankheitsbild bei Covid hin. Dieses müsse man aber – wie in der vorliegenden Studie – genauer untersuchen. Das geschehe bisher zu selten. Für den Bereich des Gesundheitsamts Trier, das für die Stadt und den Kreis Trier-Saarburg zuständig ist, zeigt die Studie nun, wie sich die ersten Infektionswellen auf die Betroffenen ausgewirkt haben.

Die Erkenntnisse beziehen sich dementsprechend auf einen Zeitraum ohne flächendeckende Impfmöglichkeiten, in denen vor allem die Wildvariante und die Alpha-Variante des Coronavirus verbreitet waren. Und es ist ein Zeitraum, in dem die Politik beispielsweise zum Lockdown von Gastronomie, Einzelhandel, Schulen und Kindergärten gegriffen hat, um die Verbreitung des Virus zu verhindern.

Aus der Sicht der Macher der Studie sind Lockdowns die falsche Wahl – besonders, weil sich die Befragten meistens im privaten Bereich und eben nicht im Einzelhandel oder der Gastronomie angesteckt haben.

Jacob sagt bei der Vorstellung der Ergebnisse: „Ich bin sicher, dass die wirtschaftlichen Schäden, die die Maßnahmen verursacht haben, diejenigen, die die Krankheit verursacht haben, deutlich übertreffen.“ Gesundheitsamtsleiter Harald Michels sagt aus medizinischer Perspektive: „Für mich war der Lockdown in Gastronomie und Einzelhandel der falsche Weg.“ In Bezug auf die Schulen und Kindergärten sagt er, dass mit Blick auf die Infektionsdynamik im Winter 2021/22 Quarantänemaßnahmen in diesem Bereich durchaus sinnvoll sein könnten.