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Votum über Leitung des Theaters Trier verschoben

Votum über Leitung des Theaters Trier verschoben

Noch ist die Entscheidung über eine Doppelspitze für das Trierer Theater nicht gefallen. Der Kulturausschuss hat am Donnerstagabend keinen Beschluss gefasst, erlebte aber einen leidenschaftlichen Appell des Intendanten Karl Sibelius.

Es ist der erste öffentliche Auftritt des Intendanten Karl Sibelius abseits einer Bühne, seit Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) verkündet hat, ihm die kaufmännische Leitung des Theaters entziehen zu wollen . Sibelius sitzt den Mitgliedern des Kulturausschusses gegenüber, die am Donnerstagabend eine Vorentscheidung treffen sollen. Tragen sie Leibes Pläne mit und entmachten damit den Generalintendanten - oder stellen sie sich hinter Sibelius und erteilen Leibe eine Abfuhr?

Der Künstler aus Österreich trägt weiße Turnschuhe, einen grauen Anzug, ein brustfreies Shirt und grellgelbe Kopfhörer um den Hals. Die benutzt er allerdings nicht, sondern hört der Debatte im Ausschuss konzentriert zu, bis er nach mehr als zwei Stunden an der Reihe ist. "Menschlich ist es im Moment der Wahnsinn", sagt Sibelius. Druck und Kritik von allen Seiten, die drohende Entmachtung, das Millionendefizit am Theater. Dennoch vertritt er seinen Standpunkt aufrecht und eloquent. "Die Stadt sucht einen Zauberer", sagt er und meint damit die neue Stelle eines Verwaltungsdirektors, mit dem er sich die Leitung teilen soll. Wenn die Ratsfraktionen mitspielen. "Was wir aber wirklich brauchen, ist ein knallharter Controller, ein Buchhaltungsexperte mit hohem Sachbearbeiterniveau. Einen Fachmann, dem auch der Oberbürgermeister total vertraut." Doch dieser Fachmann, daran lässt Sibelius keinen Zweifel, soll nicht auf Augenhöhe mit dem Intendanten, sondern unter diesem arbeiten. "Ich bin nicht unter der Voraussetzung einer Doppelspitze nach Trier gekommen."

Der Intendant appelliert an den Ausschuss: "Geben Sie mir und meinem Team noch eine Chance für eine Spielzeit." Ob er einen gleichberechtigten kaufmännischen Leiter neben sich akzeptieren würde, lässt er am Donnerstagabend offen. "Die Politik muss entscheiden", sagt er. "Ich muss sehen, wie ich mit dieser Entscheidung umgehe."

Der Kulturausschuss hätte am Donnerstagabend eine Vorentscheidung und damit eine konkrete Empfehlung für den Stadtrat, der das letzte Wort hat, abgeben können. Das hat er nicht getan. Nach dreistündiger Sitzung fiel gegen 21 Uhr die Entscheidung, die Beschlussvorlage zur Einstellung eines Verwaltungsdirektors "durchlaufen" zu lassen. Das heißt, dass sie ohne Abstimmung weiter in den übergeordneten Steuerungsausschuss wandert, bevor sie den Stadtrat zur endgültigen Abstimmung erreicht.

Hätte der Ausschuss abgestimmt, wäre es knapp geworden. Nur die SPD stellte sich klar hinter den OB-Plan und einen Verwaltungsdirektor. CDU und Grüne signalisierten starke Zweifel.