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Wachsende Probleme mit Wildschweinen

Wachsende Probleme mit Wildschweinen

Sie kommen in Rotten und meist nach Anbruch der Dunkelheit: Wildschweine verwüsten Privatgärten in Dörfern und an Stadträndern, toben sich in Weinbergen und in Pflanzungen aus. Die Schäden sind immens. Betroffen sind auch die Orte in den Verbandsgemeinden (VG) Schweich, Trier-Land und Ruwer.

Fell/Schweich/Waldrach/Trier. Wildschweine haben den Garten von Robert Kreusch aus Fell-Fastrau umgegraben, große Löcher in den Rasen geschaufelt. "Alles ist verwüstet", schimpft der 80-Jährige. Niemand wird für seinen Schaden aufkommen, denn Wildschäden werden nur beglichen, wenn die Fläche landwirtschaftlich genutzt wird. Schäden auf Privatgrundstücken sorgen immer wieder für Ärger in der Bevölkerung (der TV berichtete).

Nach Auskunft der Unteren Jagdbehörde der Kreisverwaltung Trier-Saarburg besteht ein "Wildschwein-Problem". Es gebe zwar keine genauen Bestandszahlen, aber die Jagdbehörde geht von einem Anstieg der Schwarzwild-Population aus. Dies gelte zumindest für das vergangene Jahr. Für eine sichere Bewertung der Entwicklung in 2009 sei es noch zu früh, denn zunächst seien die Ergebnisse der großen Herbst-Treibjagden im November und im Dezember abzuwarten.

Auch ist die Anzahl der Wildschweine, die 2008 geschossen wurden, gegenüber dem Vorjahr um 25 Prozent gestiegen, sagt Fells Förster Rainer Müller. Dies könne ein Hinweis auf die Vermehrung sein. In den Verbandsgemeinden (VG) Trier-Land, Ruwer und Schweich wurden in diesem Jahr insgesamt 98 Wildschäden gemeldet. Diese Zahl sagt aber nichts über die tatsächlichen Schäden durch Schwarzwild aus.

"Viele Schäden werden von den Jagdpächtern direkt geregelt", sagt Folker Gardain von der VG-Verwaltung Trier-Land. 30 Wildschäden wurden dort in diesem Jahr bislang gemeldet. In der VG-Verwaltung Ruwer gingen in diesem Jahr zehn Meldungen ein. "In den Jahren 2005 bis 2008 waren es insgesamt 58 Meldungen", sagt Sachbearbeiter Martin Thiel. In der VG Schweich berichtet Josef Weins von 54 in 2009 registrierten Schwarzwildschäden.

Über die Gründe, warum die Wildschweine immer dreister werden, wird viel spekuliert. Karl Weinhold ist ein Jagdpächter in Fell. Auch er kann den Ärger verstehen. "Erst ab 200 Metern von der Ortsgrenze entfernt darf gejagt und geschossen werden", sagt Weinhold. Dies führe dazu, dass sich die Tiere in bebauten Gebieten immer sicherer fühlten und ihr Auftreten dort immer dreister werde. Da helfe es auch nicht, dass die Abschussverordnung für das Schwarzwild aufgehoben sei und die Tiere nun über das gesamte Jahr geschossen werden dürften. Als einzige Lösung empfiehlt Weinhold den Betroffenen, ihre Gärten mit stabilen Umzäunungen "wildschweinsicher" zu machen.

Meinung

Kein scheues Wildtier mehr

Mit der "Bevölkerungsexplosion" des Schwarzwildes ist im wörtlichen Sinne ein gewaltiges Problem "herangewachsen". Es wird sich eher noch verschärfen. Betroffen ist nicht allein diese Region - in ganz Mitteleuropa dringen die Schwarzkittel immer tiefer in menschliche Besiedlungsgebiete vor. Das gilt für den Alpenkurort ebenso wie für den Berliner Außenbezirk. Eine der Hauptursachen scheint das hervorragende Nahrungsangebot zu sein, das die Allesfresser in menschliche Siedlungsräume lockt. Es sind zudem Räume, die tabu sind für Schusswaffen. Die Tiere spüren dies und fühlen sich immer sicherer. Das einst scheue Wildtier ist zum sogenannten Kulturfolger geworden. Ein Patentrezept dagegen gibt es nicht. Sollte die Situation aber unerträglich werden, müsste von Politik und Gesetzgeber auch über unwaidmännische Gegenmittel nachgedacht werden. f.knopp@volksfreund.de

EXTRA Örtlich wird ein gehäuftes Auftreten der "Schwarzkittel" beobachtet: In Bonerath (VG Ruwer) wurde in den Jahren 2005 bis 2008 ein Spitzenwert erzielt. Von den 58 in diesem Zeitraum registrierten Wildschäden wurden 27 aus Bonerath gemeldet. Als Schwerpunkte in der VG Trier-Land, in denen Wildschäden gehäuft auftreten, werden die Jagdreviere Welschbillig und Butzweiler-Newel-Beßlich genannt. Schwerpunkt-Gebiete in der VG Schweich sind die Stadt Schweich selbst sowie die Gemeinden Mehring und Fell.