Wachstum des Luxemburger Flughafens macht sich auch über Trier bemerkbar

Wachstum des Luxemburger Flughafens macht sich auch über Trier bemerkbar

Der Aéroport de Luxembourg zählt zu den am stärksten wachsenden Flughäfen Europas, allein im ersten Quartal dieses Jahres legten die Passagierzahlen um mehr als 22 Prozent zu. Den Höhenflug des Findel bekommen auch die Menschen im Trierer Tal zu spüren, führt doch die Einflugschneise über Stadt und Region. Schon sorgen sich manche vor einer steigenden Lärmbelastung.

Trier. Als Hanns-Wilhelm Grobe kürzlich in der Trierer Innenstadt unterwegs war, hätte er gerne seine Kamera dabeigehabt. Er hätte dann eine Art Beweisfoto schießen können - auf das sich jeder ein Bild machen könne, wie tief "der dicke Brummer" über die City flog. Bei Grobes "Brummer" handelte es sich mutmaßlich um eine Boeing 747 im End anflug auf Luxemburg. Immer wieder passieren Jumbo-Jets den Trierer Luftraum, es sind vor allem Frachtmaschinen, die den Findel ansteuern.

Nicht nur Grobe glaubt, dass die Flugzeuge tiefer als früher über die Region fliegen; auch über seinem Zuhause in Eitelsbach beobachte er das immer wieder. Eine junge Frau aus dem Westen Triers, die nicht namentlich genannt werden will, klagt über spätabendlichen Lärm über ihrem Haus. Sie sei schon aus dem Schlaf gerissen worden, berichtet sie und ergänzt: "In den vergangenen Wochen war es aber ruhig." Fragt sich, ob die Belastung tatsächlich zugenommen hat?Mehr Nachtflüge

Fakt ist: Der Flughafen boomt (siehe Hintergrund), und auch die Zahl der Starts und Landungen zwischen 23 und 6 Uhr erklimmt immer neue Höhen: 1806 Nachtflüge registrierte Luxemburgs Luftfahrtbehörde 2015 - ein Anstieg um 16 Prozent im Vergleich zu 2014. Dabei gilt ein Nachtflugverbot. Ausnahmen, etwa für Regierungs- und Rettungsflüge, müssen vom Infrastrukturministerium genehmigt werden, erläutert dessen Sprecherin Dany Frank gegenüber dem TV und versichert auf Nachfrage: "Eine Lockerung des Nachtflugverbots steht überhaupt nicht zur Debatte. Im Gegenteil: Es ist der Wunsch des Ministers, die Ausnahmegenehmigungen für Starts um 5 Prozent zu senken." Erreicht werden soll das durch eine strengere Auslegung der Bestimmungen, was 2015 bereits zu einer Senkung der Ausnahmen um 23 Prozent geführt habe, so Frank.

Dennoch ließ sich das Rekordhoch bei Nachtflügen nicht verhindern, denn reguläre, aber verspätete Maschinen dürfen auch nach 23 Uhr landen und benötigen hierfür keine Sondergenehmigung. Eine um Mitternacht aus China eintreffende Boeing zu einem Flughafen ohne Nachtflugverbot wie Köln/Bonn umzuleiten, ist keine Option. Zumal sich die Zahl der Nachtflüge in Grenzen hält: So wurden im gesamten Februar 2016 zwischen 23 und 6 Uhr 32 Landungen und zwölf Starts gezählt. Zum Vergleich: Im selben Monat hoben zwischen 6 und 7 Uhr insgesamt 178 Maschinen ab; beim Überflug von Trier hatten diese bereits eine Flughöhe erreicht, die kaum mehr eine Lärmbelastung nach sich zog.

Windrichtung und -stärke bestimmen die Landerichtung, Flugzeuge landen gegen den Wind. Rund 70 Prozent der Landeanflüge auf den Luxemburger Flughafen erfolgen über den Raum Trier, auch über Schweich und Konz. Darüber, in welcher Höhe sie die Moselstadt überfliegen, gibt es unterschiedliche Angaben: Von mindestens 7000 Fuß, also 2100 Meter über Meeresniveau, spricht das Ministerium; Trier liegt zwischen 125 und 400 Meter über NN. Axel Raab von der Deutschen Flugsicherung beziffert die Flughöhe auf 1800 Meter und mehr.

"Nie und nimmer", sagt Grobe. Er ist sicher, dass die Flugzeuge niedriger unterwegs sind. Wer es für jeden Flug genau wissen will, kann dies übrigens im Internet ( www.flightradar24.com ) direkt mitverfolgen. DFS-Sprecher Raab verweist auf das Instrumenten-Landesystem (ILS): Das sieht vor, dass die Flugzeuge zwischen 18 und 36 Kilometer vor ihrem Ziel in den End anflug eintreten, Trier ist 28 Kilometer Luftlinie vom Findel entfernt.
Für die Wahrnehmung, dass im Dunkeln anfliegende Flugzeuge in niedrigerer Flughöhe unterwegs scheinen, seien die Scheinwerfer an den Maschinen und die fehlende Geräuschkulisse in der Nacht verantwortlich, sagt Raab; Letzteres führe dazu, dass der Fluglärm stärker wahrgenommen werde.

Und das "unangenehme Pfeifen", das man des Öfteren am Boden vernimmt, rühre von den ausgefahrenen Landeklappen her und sei oft lauter als die Triebwerke, so der DFS-Sprecher.Meinung

Die da oben, wir am Boden?
Der Findel ist auch der Flughafen der Trierer, viele Menschen hierzulande profitieren von seinem Angebot! Ob als Passagier, Konsument, Arbeitnehmer oder aufgrund der Bedeutung des Airports für die Erreichbarkeit der Region. Das alles hat seinen Preis, und dass das Wachstum des Flughafens einhergeht mit steigender Lärmbelastung, liegt auf der Hand. Allerdings hält sich diese im Moseltal noch sehr in Grenzen - nicht nur im Vergleich zum Rhein-Main-Gebiet, sondern auch zu früheren Zeiten, als Kampfjets tagtäglich auch über Trier donnerten und ohrenbetäubender Krach den Menschen einiges zumutete. Wer aus guten Gründen ein weiteres Wachstum des Luftverkehrs ablehnt, sollte zunächst sein eigenes Reiseverhalten überdenken. Klimaschutz predigen und mal eben zum Kurztrip jetten, passt nicht zusammen. Wie im Straßen- gilt auch für den Luftverkehr: Man ist oft selbst Teil des Problems, denn auch wir am Boden entscheiden, wie viel dort oben unterwegs ist. Und auch wer nur von Frankfurt aus fliegt, kann für sich nicht verlangen, in seiner Heimat unbehelligt von Fluglärm zu bleiben - schließlich nimmt er die Belastung der Menschen in Mainz, Wiesbaden und andernorts auch in Kauf. trier@volksfreund.deExtra

"Bekommt Trier einen Flughafen?", titelte am 1. Juli 1926 der TV und schrieb über die Forderung des Reichstagsabgeordneten Ludwig Kaas nach einem eigenen "Lufthafen". Daraus wurde die Idee für einen grenzüberschreitenden Airport, was kurz nach dem Ersten Weltkrieg visionär war. Sowohl Namen als auch Standort hatte man bereits: Der "Trilux"-Airport sollte bei Grevenmacher entstehen. Dann gab es Gegenwind aus Trier. Im Januar 1928 hieß es im TV: "Es kann sich jedenfalls in beiden Städten nur um wenige prominente Persönlichkeiten handeln, die vielleicht ab und zu die Flugmaschine benutzen." Weil man zudem am Eurener Flugplatz festhalten wollte, blieb das Projekt auf der Strecke. mstExtra

Der Aéroport de Luxembourg verzeichnete 2015 knapp 2,7 Millionen Passagiere - ein Zuwachs um eine Million Fluggäste innerhalb von nur fünf Jahren. Damit zählt er zu den am stärksten wachsenden Flughäfen Europas, bleibt im Vergleich zu anderen Airports aber überschaubar. In Deutschland läge er beispielweise aktuell nur auf Platz elf - hinter Nürnberg und vor Bremen. In puncto Luftfracht gehört der Findel jedoch zu den größten Flughäfen Europas. Hierzulande läge er nach Köln/Bonn auf Platz vier. Knapp 740 000 Tonnen Luftfracht verzeichnete der Findel 2015, das Gros entfiel auf Cargolux. Die Airline verfügt über 25 Boeing 747. mst