Wärmere Farben und weniger hell

Wärmere Farben und weniger hell

Die riesige Leuchtreklametafel am Stadion darf bleiben, die Helligkeit muss allerdings reduziert werden. Das hat das Oberverwaltungsgericht Koblenz entschieden. Gegen die Videowand geklagt hatte eine Triererin, die das grelle Licht stört.

Trier. Bevor Anna Ganz (Name geändert) ihren Anwalt einschaltete, war die Situation unerträglich: Gleißend hell leuchtete die vier mal fünf Meter hohe Videowand ihr Schlaf- und ihr Arbeitszimmer aus. Auch nachts liefen Werbefilme mit schnell wechselnden Bildern - und zuckenden Lichtreflexen in ihrer Wohnung im sechsten Stock gegenüber des Stadions an der Zurmaiener Straße. Das städtische Bauaufsichtsamt besuchte Anna Ganz zu Hause. Das Amt - das nur wenige Monate zuvor die Baugenehmigung für die sogenannte XXL Videowall erteilt hatte - war überrascht: "Unzumutbar" sei die Beeinträchtigung durch das "extrem helle Licht", stellten die städtischen Mitarbeiter fest. Ein Lichtgutachter - dessen Expertise offenbar vor der Genehmigung der Leuchttafel nicht gefragt war - wurde beauftragt. Der Ingenieur monierte ebenfalls, dass die Videowall zu hell ist, auch seien Videofilme zwischen 22 und 6 Uhr nicht zulässig.
Die Stadt ergänzte daraufhin ihre Baugenehmigung: Die Helligkeit müsse heruntergefahren werden, nachts dürften keine Filme mehr gezeigt werden und bei einem Bilderwechsel müsse die Überblendung sanft und langsam erfolgen.
Anna Ganz reichte das nicht: Die Vereinbarung mit dem Sportverein Eintracht Trier, der die Videowall über eine Werbeagentur betreibt, sei zu unbestimmt. Zum Beispiel sei nicht geklärt, was unter einem "langsamen Bildübergang" zu verstehen ist und wer überprüfen muss, dass die neuen Vorschriften auch eingehalten werden. Die Anwohnerin reichte Klage ein. Diese schmetterte das Trierer Verwaltungsgericht allerdings im Mai 2012 als unbegründet ab. Zusammen mit dem Trie rer Rechtsanwalt Alfred Bores ging Anna Ganz in Berufung. Tatsächlich sieht das Oberverwaltungsgericht in Kolben die Sache anders.
Zwar darf die Videowall bleiben, allerdings muss sie auf die Hälfte des Helligkeitswerts eingestellt werden, der technisch machbar wäre. Zwischen verschiedenen Leuchtbildern muss ein weicher Übergang von mindestens zwei Sekunden geschaltet werden. Außerdem müssen wärmere Lichttöne und möglichst dunkle Hintergrundfarben verwendet werden, entschied das Gericht. Die Stadt muss zudem zweimal jährlich überprüfen, ob diese Vorschriften von der Eintracht und ihrer Werbeagentur auch eingehalten werden.
Klägerin Ganz und die Stadt haben dem Vergleich des Oberverwaltungsgerichts kürzlich zugestimmt. Dazugelernt hat die Stadtverwaltung schon früher: Leuchtende Riesen-Werbetafeln wie am Stadion würden "durch ihre Größe, die Bewegung der Bilder sowie die Lichtspielungen einen erheblichen Eingriff in das Stadtbild darstellen", heißt es in einer Stellungnahme des Stadtplanungsamts vom November 2011. Der Bau neuer großflächiger Werbeanlagen an den Trierer Einfallstraßen soll künftig verboten sein.