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Wald im Kreis Trier-Sarburg Trockenheit Hitze Klimawandel Wetterextreme Vitalitätsverlust

Umwelt : Patient Wald braucht Hilfe

Dem Wald in der Region Trier haben drei trockene Sommer arg zugesetzt. Das kann auch die feuchte Witterung nicht ausgleichen. Was Helmut Lieser, Geschäftsführer des Kreiswaldbauvereins empfiehlt, um den Wald zu erhalten.

Angesichts des feuchten Sommers in diesem Jahr hat sich so mancher sicherlich schon die teils heißen, trockenen Sommer der vergangenen Jahre zurückgewünscht. Doch was für den Menschen großteils noch angenehm war, war für den Wald eine Strapaze.

Und es waren nicht nur Hitze und Wassermangel, die den Wald in den vergangenen Jahren gestresst haben. Laut Helmut Lieser, Geschäftsführer des Kreiswaldbauvereins Trier-Saarburg und Saarburger Forstamtsleiter, haben ihm außerdem Stürme, Waldbrände, Insekten, Spätfröste und auch Schneebruch zugesetzt. Lieser spricht von einem dramatischen Vitalitätsverlust in den Wäldern, der alle Baumarten betreffe. Lieser: „Wenn Wasser im Boden knapp wird, fängt der Baum an zu erschlaffen. Er beginnt innerlich zu vertrocknen. Die Bäume werden anfällig für Krankheiten und Schädlinge.“

Die Fichte ist von den Baumarten in der Region am stärksten betroffen. Sie ist ein Flachwurzler, der im ausgetrockneten Oberboden kein Wasser mehr findet. In der Folge werde die Fichte vom Borkenkäfer befallen und habe dem nichts mehr entgegenzusetzen, sagt Lieser. Von den Borkenkäferarten sei in der Region vor allem der Buchdrucker aktiv, der ausschließlich Fichten befalle.

Lieser schätzt den Anteil der Fichte am Wald im Kreis Trier-Saarburg auf etwa ein Viertel der Waldfläche.Für sein Forstamt stellt er fest: „Im Forstamt Saarburg beispielsweise schlage ich sonst 4000 bis 5000 Festmeter borkenkäferbefallenes Holz pro Jahr. 2020 waren es 100 000 Festmeter. Anderen Forstämtern ging es genauso.“ Auf den Flächen des Forstamts Trier, die sich in der Stadt Trier sowie in den Verbandsgemeinden Trier-Land und  Schweich sowie zu kleinen Teilen Ruwer und Wittlich-Land befinden, beträgt der Fichtenanteil lediglich zwölf Prozent. Entsprechend ist der Anteil des borkenkäferbefallenen Holzes laut dem Trierer Forstamtsleiter Gundolf Bartmann nicht so groß. 2020 umfasste er 16 000 Festmeter.

Die jetzigen Regenfälle helfen dem bestehenden Wald und auch den Neuanpflanzungen, sie können das Wassermanko der vergangenen Jahre aber nicht einfach ausgleichen. Lieser: „Gerade ältere Bäume, die in den vergangenen Jahren sehr stark angetrocknet sind, können auch jetzt noch absterben.“ Der Grundwasserspiegel steigt allerdings wieder, wovon der Wald auch profitiert. Laut Lieser war der Grundwasserspiegel in der Region durch die trockenen Sommer der drei vergangenen Jahre im Schnitt um ein Viertel abgesunken. In diesem Jahr sei er etwa um zehn Prozentpunkte wieder angestiegen.

Der Trierer Forstmann Gundolf Bartmann weist in diesem Zusammenhang auch auf Gefahren hin: „Besondere Risiken liegen in der zunehmenden Unwettergefahr mit Starkregen und Sturmböen. Neben dem Risiko umfallender Bäume ist der Zustand der Waldwege in Gefahr.“ Pflege und Instandhaltung der Wasserführungen dürften nicht vernachlässigt werden. Bartmann: „Ohne intakte, das Wasser rückhaltende Waldökosysteme wären die Hochwasser im Juli eine noch gravierendere Katastrophe geworden.“

Da der Klimawandel die Häufigkeit von Wetterextremen wie trockenen Sommern und auch sintflutartigen Regenfällen laut einer Reihe von Studien erhöht, ruft Lieser zum Klimaschutz auf. Er sagt: „Wir brauchen einen konsequenten Klimaschutz, damit der Wald eine Chance hat. Das ist Aufgabe der Gesellschaft.“