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Waldracher fürchten zu viele weiße Riesen

Waldracher fürchten zu viele weiße Riesen

Die Verbandsgemeinde Ruwer hat die Waldracher Bürger bei einer Versammlung im Rathaus darüber informiert, wo sich bald weitere Windräder drehen könnten. Zurzeit kommt dafür nur ein Areal an der B 52 infrage. Einige Bewohner aus Waldrach und Fell fürchteten, dass der dort bestehende Windpark auf ein nicht mehr tolerables Ausmaß wachsen könnte.

Die Verbandsgemeinde (VG) Ruwer will den Weg für neue Windkraftanlagen in ihrem Gebiet frei machen. Seit Monaten arbeiten Planer des Büros BKS in Trier an einem neuen Flächennutzungsplan (FNP). Damit kann die VG steuern, wo künftig Windräder möglich sind. Seit April 2013 ist klar: Nur ein Areal beidseits der Bundesstraße 52 bei Waldrach kommt derzeit infrage. Die Fläche umfasst große Teile des dort bestehenden Windparks mit zehn Anlagen, dehnt sich aber Richtung Osburg und Fell weiter aus.

Ihre Pläne hat die VG Ruwer öffentlich ausgelegt. Behörden, Naturschutzverbände und Privatleute konnten Einwände einreichen. Auch die Meinung der 20 Ortsgemeinden ist gefragt.
Der Waldracher Rat berät, laut Ortschef Heinfried Carduck, darüber am Montag, 20. Januar. Zuvor wurden die Bürger informiert. Zur Versammlung ins Waldracher Rathaus kamen etwa 40 Interessierte.
Das Thema Windkraft sei anfangs "wie Manna vom Himmel gefallen", sagte VG-Bürgermeister Bernhard Busch. Aufgrund rechtlicher Vorgaben sei nun aber der größte Teil des VG-Gebiets "verschlossen".
Planer Thomas Lang vom Büro BKS zeigte anhand von Karten, welche Faktoren die denkbaren Flächen immer weiter schrumpfen lassen: Natur- und Wasserschutzgebiete, Biotope, alte Laubwälder, die Naturpark-Kernzone und ein 5000-Meter-Puffer zur historischen Kulturlandschaft des Moseltals.

Besonders gravierend seien drei Quartierbäume der Mopsfledermaus im Osburger Hochwald, um die in Rheinland-Pfalz ein Fünf-Kilometer-Schutzradius gelte.

"Derzeit gibt es kaum Hoffnung, dass sich die Haltung des Landes ändert", sagte Lang. Auch deshalb könne die VG nicht mehr, wie anfangs geplant, "in die siedlungsfernen Gebiete gehen". Es bleibe nur das Areal an der B 52.
Bei den anwesenden Bürgern riefen diese Pläne Skepsis hervor. Ob auch zu den Nachbarorten Waldrachs ein 1000-Meter-Abstand eingehalten werde, wollte etwa eine Frau aus Fell wissen. Sie sei "grundsätzlich nicht gegen Windkraft. Aber man hört die Anlagen schon jetzt Tag und Nacht". In Fell kämpft ein Verein seit Anfang 2013 gegen zusätzliche Windräder bei Waldrach (siehe Extra). Ein Mann wollte wissen, ob es nicht auch bei Fell Quartiere der Mopsfledermaus gebe.

Ihm lägen dazu keine Daten vor, erklärte Planer Lang. Die Kreisverwaltung Trier-Saarburg müsse darauf in ihrer Stellungnahme hinweisen. Beunruhigt waren einige Bürger, weil nicht abzuschätzen sei, wie viele zusätzliche Anlagen in Waldrach gebaut würden. "Nur dieses Gebiet auszuweisen, ist keine Lösung. Das ist nur eine Aufstockung des jetzigen Windparks", kritisierte ein Anwohner. Der VG-Rat soll im März über die eingereichten Stellungnahmen beraten.

Muss die Planung nicht geändert werden und gibt es keine Lockerungen bei Wasser- oder Fledermausschutz, könnte der Plan laut Lang dieses Jahr beschlossen werden. cwebExtra

Verbandsgemeinde Schweich: Die Pläne für fünf ursprünglich bei Fell vorgesehene Windräder sind seit August 2013 vom Tisch - weil dort der schützenswerte Rotmilan nachgewiesen wurde. Windkraftgegner aus Fell, die Anfang 2013 den Verein "Gegenwind" gegründet haben, kämpfen seither vor allem gegen die Windkraft-Pläne ihrer Nachbarorte Riol und Waldrach. Im Herbst 2013 hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Fell Lärmmessungen zugesagt. Gegen die geplante Änderung des Flächennutzungsplans der VG Ruwer hat der Feller Verein bereits Widerspruch eingelegt. Verbandsgemeinde Trier-Land: Die Fortschreibung des Flächennutzungsplans, der Grundlage ist für die Ausweisung von künftigen Windrädern, ist noch nicht abgeschlossen. In den Gemeinden Ralingen, Igel, Zemmer und Franzenheim sind Windkraftanlagen geplant. cweb/alf