Waldracher Malteser wollen Neuanfang

Waldracher Malteser wollen Neuanfang

Gerüchte und Streitigkeiten bei der Suche nach einem neuen Leiter für die Waldracher Malteser halten die Helfer seit Monaten auf Trab. Etwa 40 Mitglieder haben den Verein verlassen. Jetzt wollen alle Beteiligten den Neustart: Am Montag, 28. Januar, soll in Waldrach ein neuer Ortsbeauftragter bestimmt werden.

Waldrach/Riveris. Der Malteser Hilfsdienst (MHD) ist in Waldrach fester Bestandteil der Ortsgemeinschaft. Die Helfer übernehmen Sanitätsdienste bei Festen und haben für Senioren jahrelang einen Mittagstisch im Malteser-Haus organisiert.

Unruhe in der Ortsgruppe: Seit einigen Monaten rumort es jedoch in der Ortsgruppe. Mehrere Dutzend Mitglieder sind ausgetreten. Der Mittagstisch wurde nach Riveris verlegt. Ursprung der Unruhe: das Ausscheiden des langjährigen Ortsbeauftragten Franz Diendorf. Er hatte den Posten nach Ablauf seiner Amtszeit Ende 2011 erneut kommissarisch übernommen, weil sich kein Nachfolger fand. Im Sommer 2012 legte er sein Amt endgültig nieder, nachdem die Diözesanleitung in Trier seine Führungsarbeit kritisiert hatte.

40 Mitglieder verloren: Seitdem gibt es in Waldrach keinen Ortsbeauftragten. Der Malteser-Beauftragte für den Kreis Trier-Saarburg, Hermann Hurth, sollte die Gruppe übergangsweise führen. Laut Satzung der Malteser wird ein neuer Ortsbeauftragter nicht von den Mitgliedern gewählt, sondern von der Diözesanleitung berufen (siehe Hintergrund). Die Waldracher schlugen ihrer Leitung allerdings einen Nachfolger vor, den Trier ablehnte. In der Folge kündigten etwa 40 Malteser ihre Mitgliedschaft.

Geplanter Neustart: Am Montag, 28. Januar, will die Ortsgruppe einen Neustart wagen. Um 18 Uhr soll im Malteser-Haus ein neuer Ortsbeauftragter benannt werden. "Wir schauen nach vorn", sagt der Kreisbeauftragte Hurth. Es seien "auf allen Seiten Fehler gemacht" worden. Ortsgruppe und Führung hätten "nicht mitein ander gesprochen". Der von den Waldrachern vorgeschlagene Helfer für die Nachfolge Diendorfs habe die "dafür erforderlichen Voraussetzungen leider nicht erfüllt", erklärt Hurth. Diese Begründung sei aber in Waldrach nicht angekommen. Stattdessen seien "Gerüchte" gestreut worden, etwa, dass die Waldracher langfristig von Hurths Wohnort Konz aus geleitet werden sollten. Solche Ängste seien entstanden, weil die Mitglieder jahrelang "keinen Einblick in aktuelle Vorgänge in ihrer Gruppe" erhalten hätten.

Reaktion der Helfer: Die etwa 40 Kündigungen liegen laut Hurth auf Eis - bis zur Versammlung. Für die ausgetretenen Helfer muss sich einiges ändern: "Das Ehrenamt muss wieder Spaß machen", fordert eine Sanitäterin, die anonym bleiben möchte. Sie hofft, "dass unsere Gruppe künftig über ihre Führung mitentscheiden darf". Denn ihr Kandidat sei damals "ohne jede Begründung" abgelehnt worden.
Ex-Malteser-Helferin ist auch Alberta Wahl, die seit zehn Jahren den Seniorenmittagstisch organisiert. "Es gab viele Gerüchte", klagt sie. Etwa über einen möglichen Verkauf des Waldracher Malteser-Hauses. "Aber mit uns hat niemand gesprochen." Sie habe Angst gehabt, die Senioren könnten von den Gerüchten abgeschreckt werden.

Neuer Verein: Mit 30 Mitgliedern hat Wahl deshalb den Verein Seniorenhilfe unteres Ruwertal gegründet. Er bietet jeden Mittwoch 25 Senioren aus dem unteren Ruwertal Mittagessen und Gesellschaft im Gemeindehaus Riveris. Und das soll langfristig so bleiben: "Die Leute fühlen sich dort wohl." Beim Transport der Gäste hilft das Rote Kreuz. Dass auch die Malteser künftig eingebunden werden könnten, schließt Wahl nicht aus - "wenn die Leitung ihre Ehrenamtlichen wirklich ernst nimmt".

Ziele: "Die Leute sollen sich wieder mitgenommen fühlen", verspricht Hermann Hurth. Die Gruppe werde sich auf ihre "Kernaufgabe" als kreisweit einzige schnelle Einsatzgruppe Verpflegung besinnen. Im Katastrophenfall können die Waldracher 500 Menschen versorgen. Auch beim Mittagstisch will Hurth die Malteser wieder einbinden. Der Grundstein dazu soll am Montag mit dem neuen Ortsbeauftragten gelegt werden. Dessen Name wird noch nicht preisgegeben. Markus Kaldunski, Ortsbürgermeister in Riveris, ist zuversichtlich: "Es ist ein Kandidat, hinter dem alle stehen." Die Führung habe "verinnerlicht, dass die Ehrenamtlichen ihr Kapital sind".
Meinung

Vertrauen neu aufbauen
Zwischen den Waldracher Maltesern und ihrer Führung in Trier ist einiges an Vertrauen verloren gegangen, das es nun wieder aufzubauen gilt. Denn nur mit gegenseitigem Vertrauen kann eine gute Zusammenarbeit gelingen und können die Mitglieder zur Rückkehr bewegt werden. Dazu müssen aber auf beiden Seiten die Voraussetzungen stimmen. Die Diözesanleitung sollte die Stimme ihrer Ehrenamtlichen künftig stärker hören. Sie sollte nun dringend einen Ortsbeauftragten benennen, der zwischen Ortsgruppe und Leitung vermitteln kann. Außerdem müssen Entscheidungen, welche die Arbeit der Waldracher betreffen, besser und schneller kommuniziert werden. Nur so werden Gerüchte im Keim erstickt. Aber auch die ehrenamtlichen Helfer sollten ihren Teil zum Neustart beitragen: die Strukturen ihrer Organisation akzeptieren und respektieren, dass wichtige Entscheidungen auch weiterhin in Trier getroffen werden müssen. c.weber@volksfreund.deExtra

Der Malteser Hilfsdienst (MHD) hat bundesweit mehr als eine Million Mitglieder und Förderer. Die katholische Hilfsorganisation ist als eingetragener Verein bundesweit an mehr als 500 Orten vertreten. Die Helfer übernehmen beispielsweise Aufgaben im Sanitätsdienst, im Katastrophenschutz und im ehrenamtlichen Sozialdienst. Der MHD ist wie die katholische Kirche in Diözesen gegliedert. Darunter gibt es Bezirks-, Kreis- und Ortsbeauftragte. Laut Malteser-Satzung werden die Ortsbeauftragten für vier Jahre vom Diözesanleiter berufen. Die Mitglieder wählen aber in der Ortsversammlung Helfervertreter, die bei wichtigen Entscheidungen beteiligt werden. Weitere Führungskräfte werden nach Abschluss der notwendigen Ausbildung vom Diözesanleiter ernannt. cwebExtra

Die Zukunft des Waldracher Malteser-Hauses in der Trierer Straße 27 ist ungewiss. Laut dem Malteser-Kreisbeauftragten Hermann Hurth sind drei Optionen im Gespräch - Renovierung, Verkauf und Neubau oder das Anmieten neuer Räume. Die Entscheidung sei wegen der Unruhe in der Ortsgruppe verschoben worden. Die Unterkunft ist laut Hurth stark sanierungsbedürftig. Für das Notlager samt Kleiderkammer, das wegen mangelnden Bedarfs geschlossen werde, gebe es Kaufinteressenten. Über einen Verkauf müsse aber neu diskutiert werden, sobald die Waldracher Gruppe wieder einen Ortsbeauftragten habe. cweb

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