Waldracher protestieren gegen neue Mauer

Waldracher protestieren gegen neue Mauer

"Graues Monstrum" nennen Anwohner aus Waldrach die neue Mauer in der Oberen Kirchstraße. Das Bauwerk ersetzt die wegen des Straßenausbaus abgerissene Klärenmauer. Neben der Gestaltung der Betonwand kritisieren die Anwohner auch die mangelnde Information durch die Ortsgemeinde. Der Bürgermeister weist die Vorwürfe zurück.

Skeptisch blicken Leonhard Thömmes, Jan Christoph Weber und Klaus Fuchs auf die etwa 3,50 Meter hohe hellgraue Betonmauer, die seit kurzem die Klärenmauer in der Oberen Kirchstraße in Waldrach ersetzt. Das alte Bauwerk, jahrzehntelanger Kommunikationspunkt im Ort, musste weichen. Denn Ortsgemeinde und Verbandsgemeindewerke bauen für 1,75 Millionen Euro den Abschnitt zwischen Trierer Straße und In der Lay aus, verlegen neue Kanal- und Wasserleitungen.

Kritik an Gestaltung

"Ein Monstrum" nennt Leonhard Thömmes, der direkt hinter der Mauer wohnt, die neue Wand. Weil sie die Bewohner der Kirchstraße vom restlichen Ort "abschotte", sei sie sogar schon scherzhaft mit der Berliner Mauer verglichen worden. Die alte Mauer sei zwar marode gewesen. Für ihren Ersatz hätte sich Klaus Fuchs aber zumindest eine "schöne Gestaltung" gewünscht, etwa "ein Geländer oder einen Handlauf". Ein weiterer Punkt stört die Männer: "Es gibt keine Mitgestaltungsmöglichkeit für uns", klagt Thömmes, der auch Ferienwohnungen vermietet. Seinen Gästen könne er "keinen Zeitplan, keine Information zum Baufortschritt" geben. Die Kommunikation mit den Anwohnern sei schlecht, kritisiert er. Den geplanten Gehweg etwa habe der Gemeinderat beschlossen, obwohl ihn eine Anwohner-Mehrheit abgelehnt habe.

Angst vor Zusatzkosten

Dass die Straße ausgebaut werde, stellt Thömmes klar, sei gut: "Uns ärgert, dass wir zwar zahlen, aber bei der Planung völlig außen vor bleiben." Die Ortsgemeinde teilt ihre Kosten (900 000 Euro) zur Hälfte mit den Anwohnern. Thömmes hat bereits 16 000 Euro bezahlt, Jan Christoph Weber 5700 Euro. Beide fürchten weitere Kosten, etwa durch Felsarbeiten wie oberhalb der Klärenmauer. "Informationen dazu gibt es aber nicht", kritisiert Weber.

Die Vorwürfe der Anwohner kann Waldrachs Ortsbürgermeister Heinfried Carduck nicht nachvollziehen. Der Abriss der Klärenmauer sei nötig gewesen. Laut Statikern wäre sie bei Kanalarbeiten "zusammengebrochen". Optisch bliebe es zwar beim "reinen Beton". Das Grau, sagt Carduck, werde aber "mit der Zeit dunkler und der alten Mauer ähnlicher". Ein Geländer hätten die Anwohner "ausdrücklich nicht gewünscht. Die Mauer sollte als Sitzmöglichkeit erhalten bleiben".

Die Position der Anwohner zum Gehweg sei nicht abgefragt worden. Die Planungshoheit liege "nun einmal bei der Gemeinde". Deren Rat habe sich am 20. September 2010 einstimmig für den Fußweg ausgesprochen: "Wir wollen die Straße, die Hauptverbindung zur Schule ist, sicherer machen." Die Arbeiten am Felsen in der Oberen Kirchstraße seien bereits bei den Kosten berücksichtigt, sagt der Ortschef. Geringe Zusatzkosten seien durch notwendige Entwässerungsrohre entstanden.

Dass bei der Ortsgemeinde keine Kommunikationsbereitschaft bestehe, bezeichnet Carduck als "absoluten Quatsch". Er sei jederzeit ansprechbar. Zudem stehe der Jour fixe, bei dem sich jeden Dienstag um 8.30 Uhr Bauleitung und Gemeindevertreter auf der Baustelle besprechen, auch den Anwohnern offen. In der unteren Kirchstraße habe der Austausch gut funktioniert: "Es hat zwar auch gefunkt. Aber wir haben immer Lösungen gefunden."