Wanderbares Trier

Frischluftfanatiker und Wanderexperte: Peter Michels-Malat hat zwei Jobs - zum einen ist er systemischer Berater und Coach und zum anderen führt er Wandergruppen durch mediterrane Gefilde und an der Mosel entlang. Warum Trier ein Paradies für Menschen, die sich gerne gehend fortbewegen, und sein Zuhause ist, davon berichtet der 59-Jährige in unserer Serie.

Zu Fuß unterwegs zu sein, ist eine Kraftquelle: Seit dreißig Jahren gehe ich täglich zweimal mit Lonzo, unserem Irish Setter, durch den Tiergarten - meinem Lieblingsplatz. Ich lebe mit meiner Frau Maria in Heiligkreuz und es sind nur ein paar Schritte bis ins Grüne. Hier beginnt mein Tag, und hier endet mein Tag. Morgens macht das Gehen mich munter und aktiv, abends gestatte ich mir, mich so aus dem Tag zu schleichen.
Mehrmals im Jahr führe ich Wandergruppen auf den unterschiedlichsten Routen entlang: auf Kreta, auf Mallorca und an der Ardèche ebenso wie auf Moselhöhenwegen. Ich wandere sowohl mit psychisch erkrankten Menschen als auch mit demenzkranken Senioren und mit Menschen, die eine Behinderung haben. Und auch Berufstätigen, die sich vom Arbeitsalltag wandernd erholen wollen, zeige ich Wege durch die Schönheit der Landschaften.
Eigentümlicher Reiz


Allen Mitwanderern ist gemeinsam, dass sie sich hinterher vor allem körperlich besser fühlen: Unruhige Geister schlafen besser, sie essen besser und mancher Blutdruck hat sich auf diese Weise schon reguliert.
Die mediterranen Gebiete unterscheiden sich sehr stark von unserer Landschaft hier: Dort finden sie das Meer und eine vielfältige mediterrane Pflanzenwelt mit ihren intensiven Gerüchen - von stark duftendem Weihrauch bis hin zu wohlriechendem Rosmarin.
Aber gehen wir wieder ein paar Hundert Kilometer zurück, zu den wunderbaren Wegen direkt vor meiner Haustür. Denn die Landschaft rund um Trier hat ebenso ihren eigentümlichen Reiz: Spaziergänge durch den Tiergarten werden von Vogelgezwitscher begleitet, man kommt vorbei an Weinbergen, weitläufigen Wiesen, geht durch Wälder und man kann auch schon mal auf einer Bank pausieren und einer Kuh beim genüsslichen Grasen zusehen. Rührend fand ich, als Lonzo ein Rehkitz aufgespürt hatte und schützend davor stand. Denn normalerweise zeigen Irish Setter den Jägern, wo das Wild ist. Solche Erlebnisse und auch die Begegnungen machen den Weg noch einzigartiger.
Einige Menschen trifft man immer wieder: andere Hundebesitzer, Wanderer, welche die schöne Strecke bis zum Brubacher Hof oder noch weiter bis ins Konzer Tälchen und nach Saarburg gehen, Jogger und auch einen Hobby-Ornithologen. Der nette Senior animiert mich manchmal noch bewusster wahrzunehmen: "Hören sie es, das ist ein Buchfink. Der ist gerade ganz kräftig am Werben", meinte er neulich. Oder er berichtet, dass er einen Eisvogel gesichtet hat.
Ein Platz der Generationen


Diese Spontantreffen sind so herrlich wie die mit jedem Spaziergang gewachsene Vertrautheit des Weges. Aber es gibt auch ständig etwas Neues zu entdecken. Ich mag sehr an Trier, dass man schnell im Grünen ist, aber auch die Innenstadt ist reizvoll. Trier-Mitte ist für mich mein Einkaufszentrum mit schönen Plätzen. Äußerst gelungen ist der Kornmarkt. Er hat sich zu einem Platz der Generationen entwickelt: Kleinkinder poolen im Wasser, Eltern und Großeltern sitzen und stehen drumherum, Menschen mit Einkaufstüten eilen vorbei, andere plaudern in Cafés. Der Platz lebt!
Charmant finde ich, dass Trier einem die Illusion gibt, in einer Stadt zu leben, dabei ist Trier ein größeres Dorf mit einer überschaubaren Gemeinschaft. Wenn man durch die Stadt schlendert, trifft man immer jemanden, den man kennt.
In den vergangenen Jahren fällt mir verstärkt auf, dass ich, je öfter ich auf Wanderreisen bin, umso lieber wieder nach Hause kehre. Mein Zuhause, das ist Trier. Allerdings ist es nicht meine Heimat. Ich bin zwar hier geboren, aber bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr habe ich mit meiner Familie am Niederrhein gelebt. Das ist meine Heimat, es hat für mich mit Prägung zu tun.
Zuhause hat für mich mit Zugehörigkeit, dem Ort, wo man sich aufhalten möchte, zu tun. Dort, wo man alt werden möchte - das möchte ich in Trier.
Aufgezeichnet von Katja Bernardy.

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