Warenhauskette Globus plant Warenhaus in Trier (Update)

Warenhauskette Globus plant Warenhaus in Trier (Update)

Für 40 Millionen Euro will die Globus-Kette in Trier-Euren ein neues Warenhaus bauen. Um das zu ermöglichen, muss die Stadt Trier die Regeln ändern, die sie sich selbst gegeben hat.

Es ist eine gute Nachricht aus dem Saarland - zumindest auf den ersten Blick. Die Globus Holding GmbH & Co. KG aus St. Wendel will für 40 Millionen Euro ein neues Warenhaus in Trier bauen und damit 350 Arbeitsplätze vor Ort schaffen.

Auf einer Fläche von 10?000 Quadratmetern will Globus in Trier einen modernen Markt nach dem Vorbild ihrer jüngsten Projekte in Koblenz und Rüsselsheim eröffnen. Allerdings nicht in der Innenstadt, sondern im Industriegebiet Euren. "Der Konzern hat bereits entsprechende Flächen in der Niederkircher Straße erworben", sagt Michael Schmitz, Sprecher der Stadt Trier.

Es gibt da nur ein Problem: Der Stadtrat hat 2015 das im Jahr 2005 aufgelegte Einzelhandelskonzept der Stadt Trier in der Fassung 2025+ mit großer Mehrheit bestätigt und fortgeschrieben. Im Kapitel "Ziele und Maßnahmen" heißt es hier: "Die Etablierung von großflächigem Einzelhandel mit zentrenrelevantem Sortiment ist nur innerhalb des Alleenrings möglich." Der Schutz des Innenstadthandels ist ein zentrales Thema dieses Konzepts.

Doch keine Stadt schlägt einem Investor wie Globus die Tür vor der Nase zu und winkt dabei drohend mit einem Konzept. Stadt-Sprecher Schmitz klingt deshalb definitiv nicht ablehnend: "Grundsätzlich begrüßt die Stadt nachdrücklich, dass Trier offenbar nach wie vor ein interessanter und attraktiver Einzelhandels-Standort zu sein scheint."

Danach folgt ein großes Aber. "Vor einer notwendigen Entscheidung des Stadtrates zur Ansiedlung wird die Verwaltung nun eingehend prüfen, ob die Investition hinsichtlich der Verkaufsfläche, der Sortimente, der Innenstadtrelevanz und der potenziellen Verdrängungswettbewerbe für Trier verträglich ist und damit Planrecht geschaffen werden kann."

Denn zurzeit, auch das bestätigt Schmitz, ist auf der Fläche in der Niederkircher Straße kein Einzelhandel in dieser Größenordnung möglich. Die am geplanten Standort zulässige Grenze liege bei 800 Quadratmetern Verkaufsfläche, Globus plant aber mit 10?000 Quadratmetern.

Fazit: Das 2015 bestätigte Konzept muss geändert werden, wenn Globus in Trier bauen will. Offenbar soll genau das geschehen. "In einem ersten Schritt wird nun das 2015 verabschiedete Einzelhandelskonzept 2025+ fortgeschrieben", sagt Michael Schmitz. "Pro- und Contra-Argumente einer Globus-Ansiedlung sollen dem Stadtrat durch diese ergebnisoffene Untersuchung bis zum dritten Quartal 2018 vorgelegt werden."

Stefan Ewerling, Leiter Expansion und Standortplanung bei Globus, bestätigt auf Anfrage des TV: "Wir haben ein Grundstück in Trier-Euren an der Niederkircher Straße erworben. Es handelt sich dabei um eine Gewerbefläche, von der derzeit eine Teilfläche von verschiedenen Betrieben genutzt wird, ein anderer Teil ist ungenutzt." Globus plane, dort ein SB-Warenhaus mit Schwerpunkt auf Frische und Eigenproduktion zu errichten. "Aktuell befinden wir uns jedoch noch ganz am Anfang unserer Planungen, einen genauen Zeitplan können wir daher noch nicht nennen."

Benno Skubsch, der zweite Vorsitzende der City-Initiative Trier, äußert sich vorsichtig. "Wir werden uns dieses Projekt natürlich sehr genau ansehen", sagt Skubsch. "Wir brauchen eine fundierte Marktanalyse, um die Lage beurteilen zu können." Der Globus-Markt widerspreche zwar dem Einzelhandelskonzept, "aber ein solches Konzept darf nicht starr sein, sondern brauche auch Flexibilität."

Das sieht Alfred Thielen, der Geschäftsführer des Handelsverbands Region Trier, ganz anders. "Das Einzelhandelskonzept wurde vom Stadtrat beschlossen und in großer Runde in Trier begrüßt und unterstützt", sagt Thielen. "Wir können das alles jetzt nicht einfach in Frage stellen, nur weil Globus an die Tür klopft."

Matthias Schmitt, Chefvolkswirt der Industrie- und Handelskammer (IHK) Trier, sagt: "Grundsätzlich begrüßen, wir, dass sich die Stadt um Ansiedlungen neuer Unternehmen bemüht." Eine Ansiedlung dieser Größenordnung im Einzelhandel sei aber eine große Herausforderung, "zumal sie den Vorgaben des aktuellen, gemeinsamen erarbeiteten Einzelhandelskonzepts nicht entspricht". Die Innenstadt dürfe keinesfalls in Mitleidenschaft gezogen werden, betont Schmitt.

Die Globus-Kette umfasst 46 Warenhäuser, 88 Baumärkte sowie sechs Elektrofachmärkte und 27 Vollsortimenter in Tschechien und Russland. Auch in Luxemburg hat Globus zwei Baumärkte. Die Globus-Gruppe machte 2016 einen Umsatz von mehr als sieben Milliarden Euro.Meinung

Es geht um Luxemburg

Es hat überhaupt keinen Sinn, sich hier etwas vorzumachen: Globus will mit diesem Standort ran an die Kunden aus Luxemburg. Viele dieser Kunden werden nach einem Einkauf in der Luxemburger Straße auf einen Besuch der Innenstadt verzichten und wieder nach Hause fahren. Genau diese Entwicklung soll das Einzelhandelskonzept verhindern. Wer Globus in Trier begrüßen möchte, der muss die Konsequenz besitzen, den Innenstadthändlern gegenüberzutreten und zu sagen: Diese Konkurrenz müsst ihr aushalten. j.pistorius@volksfreund.de

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