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Warmlaufen für ein Mandat in Mainz

Warmlaufen für ein Mandat in Mainz

Gleich zwei Kandidaten können sich vorstellen, für die Trierer CDU bei den Landtagswahlen 2016 ins Mainzer Parlament einzuziehen. Die eine - Jutta Albrecht - rückt zunächst wohl noch in den Trierer Stadtrat nach. Der andere - Udo Köhler - wird erst mal noch ein richtiger Trierer.

Trier. Offiziell hat Udo Köhler - seit 2009 Mitglied des Trierer Stadtrats - seinen Hauptwohnsitz seit Jahren in Trier gemeldet. Dass seine Wohnung in dem Mietshaus über den Geschäftsräumen der Firma Hess in der Karl-Marx-Straße allerdings nicht sein wirkliches Zuhause ist, ist ein offenes Geheimnis. Tatsächlich hat Köhler nicht nur sein Architekturbüro im Haus seiner Eltern in Igel, sondern wohnt mit seiner Frau auch hauptsächlich dort.
Im neuen Trierer Jahrbuch gibt Ehefrau und Autorin Anette Köhler ebenfalls Igel als Wohnadresse an. "Wenn ich abends in Trier bin und zum Beispiel mal was getrunken habe, übernachte ich allerdings durchaus in der Karl-Marx-Straße", betont Köhler. "Und daraus, dass ich zwei Wohnungen habe, habe ich auch nie einen Hehl gemacht."
Laut Kommunalwahlgesetz müssen Stadtratsmitglieder im jeweiligen Wahlbezirk ihren Hauptwohnsitz gemeldet haben. "Unzweifelhaft hat Udo Köhler auch seinen Lebensmittelpunkt in Trier - er ist Mitglied im Verein Trierisch, bei der Karnevalsgesellschaft Heuschreck, gehörte lange dem Ortsbeirat Mitte an und ist ein verdienter Trierer Bürger!", betont Parteichef Bernhard Kaster.
Trotzdem will Köhler demnächst "komplett" nach Trier ziehen. Nach TV-Informationen hat er ein Haus in der City gekauft.
Die CDU schließt damit eine offene Flanke. Denn Udo Köhler gilt seit längerem als wahrscheinlicher Trierer CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2016. "Ja, ich habe Interesse an einer Landtagskandidatur", bestätigt der 51-Jährige dann auch auf TV-Nachfrage.
Anders als für eine Stadtratskandidatur ist der Wohnsitz für die Wählbarkeit eines Landtagskandidaten nicht entscheidend. Auch der vorige Trierer CDU-Landtagskandidat Bertrand Adams wohnt in Trier-Ehrang, das zum Wahlkreis Schweich und nicht zum Wahlkreis Trier gehört.
Für einen erfolgreichen Wahlkampf würde die CDU es allerdings lieber sehen, wenn ihr Kandidat statt im Landkreis zu wohnen denn auch wirklich ein echter Trierer ist, verlautet es aus Parteikreisen.
Zumal Udo Köhler nicht einziger Interessent an einer Kandidatur ist: Auch Jutta Albrecht kann sich den Einzug in den Landtag vorstellen.
Die Ehefrau von CDU-Stadtrat Thomas Albrecht hatte sich zunächst lange auf das Familienleben konzentriert, aber in den vergangenen Jahren nicht nur ihren Uniabschluss nachgeholt, sondern auch das Referendariat für den Schuldienst absolviert. Ein neuerliches Vertragsangebot des Bistums als Vertretungslehrerin im Bischöflichen Privatgymnasium Saarbrücken für das neue Schuljahr hat die 53-Jährige allerdings abgelehnt. "Ich will mich auf meine Doktorarbeit konzentrieren und diese möglichst bis 2016 abschließen - eine volle Stelle inklusive Fahrzeit nach Saarbrücken ist mit diesem Vorhaben nicht zu vereinen", sagt die Mariahoferin.
Für eine reduzierte Stelle in Trier stehe sie dem Arbeitsmarkt allerdings zur Verfügung. Jetzt erhält sie erst mal staatliche Arbeitslosenunterstützung, "wie es mir auch zusteht".
Nicht ganz in ihre Lebensplanung passt, dass sie voraussichtlich schon 2015 für Christoph Lentes, der aus Trier wegzieht (der TV berichtete), in den Trie rer Stadtrat nachrücken wird. "Ich wusste zwar, dass der nächste freiwerdende Platz im Rat mir gehört. Damit, dass es so schnell gehen würde, hatte ich allerdings nicht gerechnet", sagt Albrecht.
Seit Monaten läuft sich die bislang in der CDU-Parteipolitik nicht besonders aufgefallene Historikerin warm: Kürzlich hat sie sich zur Vorsitzenden der Trierer Frauen-Union wählen lassen. Nahezu kein Tag vergeht, ohne dass Jutta Albrecht auf Facebook alltägliches Parteigeschehen kommentiert oder den Wahlkampf der parteilosen CDU-Kandidatin Hiltrud Zock, die Trierer Oberbürgermeisterin werden will, unterstützt.
Und sogar mit Parteichef Bernhard Kaster - den Ehemann Thomas 2011 auf einem Parteitag schwer kritisiert hatte - scheinen sich die Albrechts ausgesöhnt zu haben.
"Ich finde, dass meine Schwerpunktthemen Schule und Bildung von der aktuellen Landesregierung nur sehr schlecht vorangebracht werden. Wenn die Trie rer CDU da auf meinen Sachverstand zurückgreifen will, dann würde ich mich gerne einbringen", kommentiert Jutta Albrecht denn auch die Frage nach einer möglichen Landtagskandidatur.
Für Konkurrent Udo Köhler ist das kein Problem: "Dass wir beide Interesse an einer Kandidatur haben, ist doch Zeichen einer lebendigen Demokratie."
Parteichef Bernhard Kaster gibt sich zugeknöpfter: "Die Landtagswahl ist für die CDU noch überhaupt kein Thema. Wer als Kandidat infrage kommt, werden wir nächstes Jahr schauen - selbstverständlich in einem ganz transparenten Verfahren."