Warum das in Trier ausgesetzte Mädchen großes Glück hatte

Warum das in Trier ausgesetzte Mädchen großes Glück hatte

Ein Lebensmittelmarkt, ein Fachgeschäft für Wasserbetten, die Kraftfahrzeug-Zulassungsstelle der Stadt Trier: Die Telefonzelle im Trierer Norden, in der Unbekannte in der Nacht zum Montag ein neugeborenes Baby ausgesetzt haben, steht in einer abgelegenen und nachts verlassenen Ecke.

In dieser Tasche wurde das Neugeborene in der Nacht zum Montag ausgesetzt. Foto: Polizei

Der Stadtteil Trier-Nord ist an seinem südlichen Ende in der Paulinstraße noch sehr belebt, wird aber nach Norden hin einsamer. Die Telefonzelle, in der Unbekannte das erst wenige Stunden alte Mädchen ausgesetzt haben, steht an der Kreuzung der Herzogenbuscher Straße und der Tyrsusstraße - eine nachts sehr einsame Ecke.

"Die Eltern wollten wohl einfach nicht entdeckt werden", sagt ein Anwohner der Tyrsusstraße. "Deshalb haben sie eine derart abgelegene Stelle gewählt. Es ist doch klar, dass hier nachts niemand vorbeikommt."

Ein näherer Blick auf den Ort des Geschehens bestätigt die Ansicht des Anwohners, der nicht genannt werden will. "Ich will keinen Ärger", sagt er. In direkter Nähe der Telefonzelle liegen die Kampfsportschule Dragon und die Wing Tsun Akademie Trier. Beide sind nachts geschlossen.

Wing-Tsun-Betreiber Constantin Mock erfährt vom TV, dass quasi vor seiner Haustür ein Baby ausgesetzt worden ist. "Unfassbar", sagt er. "Was für ein Glück, dass es dem Kind gut geht."
Nur ein paar Meter von der Telefonzelle entfernt steht die Gaststätte Postillion. Mitarbeiterin Gertrud Hector hatte am Sonntagabend Dienst. Auch sie ist sichtbar erschüttert. "Wir haben hier gegen halb zwölf geschlossen", sagt sie im Gespräch mit dem TV. Das Kind wurde um 2.15 Uhr gefunden. Kein Mitarbeiter des Postillion habe etwas Verdächtiges gehört oder gesehen.

Studierturm in Steinwurfweite

Auch das weitere direkte Umfeld der Telefonzelle ist nachts verlassen: der Lebensmittelmarkt ebenso wie das Fachgeschäft für Wasserbetten, das Kfz-Zulassungsamt der Stadt Trier und die Geschäfte, die Nummernschilder drucken, und auch der Hauptfriedhof in der Herzogenbuscher Straße. Leben, auch nächtliches, regt sich lediglich im Studierturm, der in Steinwurfweite zur Telefonzelle liegt. Die achtstöckige Wohnanlage bietet 200 Mietern Platz, die meisten sind Studenten.

Doch noch hat sich die Hoffnung der Kripo, von einem Bewohner des Studierturms einen entscheidenden Hinweis zu erhalten, nicht erfüllt. Die Ermittlungen laufen weiter. Das Aussetzen eines Kindes wird mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem und zehn Jahren geahndet.

Die im hinteren Teil der Tyrsusstraße lebenden Anwohner reagieren mit Betroffenheit und Empörung. "Ich fürchte, dass dieser Fall das alte Vorurteil, Trier-Nord sei ein sozialer Brennpunkt, wieder schüren wird", sagt ein Anwohner, der ebenfalls darum bittet, seinen Namen nicht zu nennen. "Doch es ist meiner Ansicht nach nicht sicher, dass die Mutter aus der Herzogenbuscher- oder Tyrsusstraße kommt. Ich lebe schon lange in dieser Ecke und kenne wirklich niemanden, der so etwas tun würde."

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