Warum das Ordnungsamt Trier Knöllchen mit 0 Euro verteilt.

Kostenpflichtiger Inhalt: Verkehr : Warum das Trierer Ordnungsamt 0-Euro-Knöllchen verteilt

Stell dir vor, es hängt ein Strafzettel am Auto, und da steht: 0 Euro. In Trier schnellt das Ordnungsamt deshalb gerade auf der Beliebtheitsskala nach oben.

Meistens kündigt sich das Unglück ja schon aus weiter Ferne an – in Form eines weißen Zettels an der Windschutzscheibe. Im Halteverbot geparkt, kein Parkticket gezogen, den Bürgersteig blockiert: Wenn die Mitarbeiter des Ordnungsamts das sehen, gibt’s die entsprechende Zahlungsaufforderung.

Gastronom Ralf Laux, der auf dem Domfreihof die Restaurants Astoria und Walderdorffs sowie den Club Toni betreibt, schwant also Böses, als er kürzlich zu seinem Wagen im Schatten des Doms kommt, nachdem er etwas ausgeladen hat, so wie es mit entsprechender offizieller und zuvor beantragter Erlaubnis möglich ist. „Vielleicht hatte ich aber schon einen Tick zu lange dort gestanden“, das gibt Laux gerne zu. Auf dem Knöllchen an seinem Wagen findet er jedoch keinen Betrag, den es zu zahlen gilt, sondern ein freundliches „Glück gehabt!“, in großen Buchstaben, mit Ausrufezeichen. Weiter heißt es auf dem offiziellen Papier der Stadt Trier: „Sie haben Ihr Fahrzeug nicht entsprechend den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung (StVO) abgestellt. Wir hoffen, dass Sie zukünftig die Regelungen der StVO einhalten und damit ein Verwarnungsgeld vermeiden.“ Und dann, wieder in größerer Schrift: „Verwarnungsgeld: 0,00 Euro“.

Nanu? Eine Imagekampagne des Ordnungsamts? Ein besonders gut gelaunter städtischer Mitarbeiter? Eine Fälschung? Oder doch pures Mitleid, weil am gleichen Tag die Gewerbesteuer abgebucht wurde, wie Ralf Laux mit einem Augenzwinkern vermutet? Nein, ganz normales Vorgehen, weder neu noch ungewöhnlich, teilt das Presseamt der Stadt Trier auf TV-Nachfrage mit. Sprecher Ernst Mettlach: „Die sogenannten Verwarnungen ohne Verwarngeld werden so von uns ausgestellt.“ Und – wie das in Deutschland so ist – gibt’s dafür natürlich eine Rechtsgrundlage: § 56 Abs. 1 Satz 2 des Ordnungswidrigkeitengesetzes. Mettlach erklärt weiter: „Die Verwarnungen sind als bürgerfreundlicher Hinweis auf die Regelung und die formell erfüllte Ordnungswidrigkeit zu sehen. Sie werden insbesondere ausgestellt, wenn sich kürzlich eine Verkehrsregelung oder -situation geändert hat oder es sich im Einzelfall um eine sehr geringe Ordnungswidrigkeit bzw. Vorwerfbarkeit handelt.“

Gastronom Laux freut sich über die freundliche Verwarnung und teilte sein Glück auch gleich bei Facebook, was viele begeisterte Reaktionen hervorrief. Offenbar ist auch die pädagogische Wirkung der Verwarnungen ohne Verwarngeld nicht zu unterschätzen, wie ein Kommentator bei Facebook zugibt, der in Luxemburg Ähnliches erlebt hatte: „Super! Hatte ich mal an Heiligabend in Findel am Flughafen mit zwei Mon Chérie. Habe dort niemals mehr falsch geparkt.“

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