Warum Fußgänger schnell Rot sehen

Warum Fußgänger schnell Rot sehen

Die Schaltung der Ampel Zuckerbergstraße/City-Parkhaus benachteilige Fußgänger nicht. Deren Sicherheit werde ausreichend Rechnung getragen, meint Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani.

Trier. Die Reaktion kommt spät, aber sie kommt immerhin: Gut zwei Wochen nach Erscheinen des Beitrags "Fußgänger als Freiwild" (23. Januar) über die Verkehrssituation am Nikolaus-Koch-Platz äußert sich die Stadtverwaltung zu der im Trierischen Volksfreund kritisierten Schaltung der Ampel am Fußgängerüberweg Zuckerbergstraße/City Parkhaus.Tenor der "Richtigstellung" der zuständigen Dezernentin Simone Kaes-Torchiani: Fußgänger hätten ausreichend Zeit, die Straße zu überqueren.

Dass, wie im TV-Beitrag dargelegt, das Fußgänger-Signal bereits nach wenigen Augenblicken von Grün auf Rot wechsele, spiele keine Rolle. Das "Sperrsignal Rot" bedeute lediglich, dass Fußgänger den Überweg nicht mehr betreten dürften und nicht, dass sich kein Fußgänger mehr darauf befinden dürfe.

"Sicherheits-Aspekt wird Rechnung getragen"

Wer zu Fuß die Straße überquere, habe dazu ausreichend Zeit, ehe der Kraftfahrzeugverkehr grünes Ampel-Licht erhält.

Die Baudezernentin verweist auf die "Richtlinien für Lichtsignal-Anlagen" (Rilsa) und die darin vorgegebene "Räumzeit". In Trier sei "der unterste Zeitwert der Rilsa = 1,2 m/sec" gewählt worden. Dies bedeute, "dass bei einer Wegstrecke von zwölf Metern die Fußgänger nach dem Umspringen auf Rot noch weitere zehn Sekunden Zeit haben, den Restweg zu gehen. Dies reicht aus, um dem Sicherheits-Aspekt der Fußgänger Rechnung zu tragen", erklärt Simone Kaes-Torchiani.

Der TV-Beitrag "Fußgänger als Freiwild" behandelt die Ampelschaltung lediglich am Rande. Hauptthema sind Personenwagen, die verbotenerweise über die Busspur am Nikolaus-Koch-Platz/Justizstraße fahren. Dadurch kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. Dazu hat sich die Stadtverwaltung nicht geäußert.

Meinung

Falsches Signal

Rein rechtlich ist die Stadtverwaltung Trier mit der Ampelschaltung an der Zuckerbergstraße auf der sicheren Seite. Das ändert dennoch nichts daran, dass zahlreiche Fußgänger sich beim Überqueren der dreispurigen Straße wie Freiwild vorkommen. Eine Ampel, die bereits nach wenigen Augenblicken auf Rot springt, signalisiert alles andere als Sicherheit. Erst recht nicht für die vielen älteren und gehbehinderten Menschen, die tagtäglich den Fußgängerüberweg am City-Parkhaus nutzen. Wer mit Rollator mitten auf der Straße steht und plötzlich ein rotes Ampelmännchen erblickt, der denkt an alles andere als an "Räumzeiten" und "Restwege" und andere Fachbegriffe aus den Richtlinien für Lichtsignal-Anlagen. Der fühlt sich hilflos und gegängelt. Trier will doch auch eine seniorenfreundliche Stadt sein. Und warum ausgerechnet nicht an der Zuckerbergstraße? r.morgen@volksfreund.de

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