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Warum Maria Welter nicht auf Gabriele eifersüchtig ist

EUREN. Eine neuzeitliche Pilgerstätte in Euren? Die gibt es tatsächlich - im Haus Reulandstraße 35. Dort wohnt Heimatforscher Adolf Welter, und sein Privatarchiv zieht inzwischen Historiker-Kollegen und Journalisten auch aus dem Ausland magisch an. ARRAY(0x1285f508)

Vor Weihnachten herrschte mal wieder Hochbetrieb im Hause Welter. Medien-Leute gaben sich die Klinke in die Hand und ließen sich berichten, wie es war im Advent 1944, als die britische Luftwaffe mit drei massiven Angriffen Trier in Schutt und Asche bombte und mehr als 420 Menschen tötete. Zu Jubiläen wie dem 60. Jahrestag der tragischen Geschehnisse ist Adolf Welter besonders gefragt. Denn kaum jemand verfügt über so viele Informationen und gesammelte Zeitzeugen-Berichte wie der Heimatforscher aus Euren. Der hätte im vergangenen Jahr auch persönliche Jubiläen begehen können. Zum einen wurde er am 31. Oktober 70, und zum anderen betreibt er seine akribischen Forschungen seit mittlerweile 40 Jahren. Tatsächlich gefeiert wurde nicht. Zum Geburtstag zog er es vor, sich mit Gattin Maria in Urlaub "abzusetzen". Und Dienstjubiläen, die gebe es im beruflichen Bereich, aber nicht für ihn: "Ich arbeite ehrenamtlich. Grundsätzlich." Als Privatmann in der Öffentlichkeit zu stehen, liegt dem ehemaligen RWE-Mitarbeiter überhaupt nicht. Eher schon, wenn es um die Resultate seiner Recherchen geht. Und wenn mit der historischen Wahrheit, der er sich verpflichtet fühlt, schludrig umgegangen wird, dann kann der ansonsten sehr friedliebende und zurückhaltende Welter sehr energisch werden.Nur Buch Nummer 9 ist noch nicht ausverkauft

Zum Beispiel Petrisberg: "Über die dortigen Kasernen, die Klangkuppel und das Kriegsgefangenenlager ist - teilweise auch von professionellen Historikern - so viel Unfug berichtet worden, dass ich mich wirklich geärgert habe." Aber Welter steht bereits in den Startlöchern, um der historischen Wahrheit zur Ehre zu verhelfen. Das "Kriegsgefangenenlager Trier-Petrisberg - STALAG XII (1939-1945)" ist Thema und Titel seines nächsten Buches, das 2006 erscheinen soll. Die Recherchen über das Lager, das zeitweilig bis zu 32 000 Gefangene beherbergte, laufen noch. Welter will auch mit Rudolf Kraus in Kontakt treten, dem in den USA lebenden letzten Lagerkommandanten. Es wird sein zehntes Buch sein und wie gehabt in eigener Regie auf den Markt kommen. Das macht den 70-Jährigen sehr stolz. Die ersten acht Bücher sind allesamt ausverkauft; nur "Welter 9", der im September 2004 erschienene Band "Der Flugplatz Trier-Euren - vom Exerzierfeld zum Industriegebiet" ist noch im Buchhandel zu haben. Auch über den Petrisberg hinaus sammelt Welter fleißig weiter: "Ich arbeite an zwei Dutzend Projekten. Jedes wäre ein eigenes Buch wert." Themen-Beispiele: Was wurde aus den Trierer Zigeunern? Die Rüstungsproduktion der Trierer Betriebe. Trier ab 10. Juli 1945 unter französischer Besatzung. In Welters Archiv, einer Fundgrube voller Bücher, Aktenordner, Fotos und anderen Dokumenten, lagert noch mancher ungehobene Schatz. Weiteres Material ersteht der Forscher in Archiven oder auf Flohmärkten - "von eigenem Geld". Manuskripte und Briefe tippt Welter auf seiner Triumph Gabriele 10 - "die ist mir seit 25 Jahren treu". Und sollte die Schreibmaschine doch mal den Geist aufgeben: Welter hat noch eine ungebrauchte "Gabriele" in petto. "Eifersucht" gibt es keine: "Im Gegenteil. Meine Frau trägt alles mit, was ich mache. Ohne sie ginge das alles gar nicht". Demnächst wird Maria Welter wieder viel Kaffee kochen. Die nächsten historischen Jahrestage stehen bevor und damit wieder die nächsten Journalisten-Besuche.