Was das Festival Fresko 18 in Trier so besonders gemacht hat

Festival in Trier : Was das Fresko 18 so besonders gemacht hat

Streetart, Streetfood, Skaten: Auf dem Festival Fresko 18 in der Kunstakademie und in der Stadt lockten mehr als 60 Künstler und Verkäufer aus ganz Europa mit ihrem Können.

Auf dem Urban-Art-Festival Fresko 2018 reihen sich Imbissstände und Foodtrucks aneinander, direkt neben Sprayern, die der Skatehalle einen neuen Anstrich geben. Als Besucher begibt man sich quasi auf eine Reise um die Welt. Doch lernt man die Speisen nicht im Restaurant kennen, und die Kunst nicht in den Museen, sondern wie ein Reisender auf der Straße.

Am Tisch sitzt Ali Haidar.

Er hat den Streetfood Market nach Trier gebracht und erklärt die Philosophie, die dahintersteht: „Die Speisen werden im Stehen verzehrt, auf der Straße, es ist schnelles Essen und kommunikativ. Am besten schmeckt es, wenn man es mit anderen teilt.“ Was als schlichte Erklärung beginnt, erweist sich als Hommage an die Gerichte, die Zutaten und an den Geschmack. Er ist gelernter Koch.

Er bringt eine Holzofenpizza an den Tisch und bietet sie den Gästen an. Der Boden ist dünn und knusprig, die Tomatensoße fruchtig und lecker. Belegt ist sie mit roten Gemüsezwiebeln, Champignons und knackigem Rucola. „Alles regional und fair gehandelt“, sagt er. Auch Tom Cartus vom Jugendzentrum auf der Höhe greift zu. Er ist einer der Organisatoren und scheinbar zufrieden mit der Organisation.

„Das hier war ein nie enden wollender Prozess“, sagt er mit einem breiten Grinsen im Gesicht. „Es ist Stück für Stück gewachsen. Der Streetfood Market, der Urban-Art-Walk, die Graffiti-Workshops und die Kooperation mit den Skatern. Die Ideen sprudelten und gingen nicht aus.“ Wichtig seien ihnen die Jugendkultur und die grenzüberschreitende Struktur gewesen. So haben sich auch schnell Unterstützer gefunden.

Über 60 Graffitikünstler aus der Region, aber auch aus Spanien, England, Italien und Slowenien sind angereist und versprühen Farbe und Charme. Youri Cansell, unter Sprayern bekannt als Mantra, kommt aus Frankreich und wird vermutlich das Glanzstück der Skatehalle fertigstellen. Sein Kunstwerk ist ein fotorealistisches, detailliertes Freihandgraffito. Die Dosen für die Sprayer wurden aus dem Marienburg Luxemburg Fonds bezahlt.

Neben den Angeboten auf dem Gelände der Europäischen Kunstakademie gibt es in der Stadt den „Urban-Art-Walk“. Vom Festivalgelände aus, über die Römerbrücke, durch die Karl-Marx-Straße, am Theater bis hin zur Neustraße führt ein Weg entlang von Kunstausstellungen und neu gestalteten Stromkästen.

Eine junge Frau steht mit prüfendem Blick vor einem Stromkasten in der Aachener Straße. „Der wird hoffentlich so schnell nicht gecrosst“, sagt sie zu ihrer männlichen Begleitung. Crossen – so nennt man das Zerstören oder übermalen eines anderen Graffitos. In der Szene gilt das als respektlos und als Beleidigung. Neben den jungen Leuten, die gerade vom Graffitiworkshop in die Skatehalle gehen, kurven jugendliche Skater herum. Während sie so herumrollen, überspringen sie mal eben das ein oder andere Hindernis.

Draußen sitzen Familien, viele Väter tragen Basecaps. Sie genießen das Fest, das Essen und bestaunen die Skatehalle, die sich im Laufe der zwei Tage zu einer Leinwand entwickelt hat. Bärte und Tätowierungen sind allgegenwärtig. Was in den 90ern noch als Jugendkultur galt, scheint heute verbreitet und anerkannt.

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