"Was drauf steht, ist drin"

Aufregung bei den Moselwinzern: Sie wehren sich gegen den Verdacht, dass sie ausländischen und damit möglicherweise gepanschten Wein zu Sekt verarbeiten. Wo Mosel-Sekt drauf stehe, sei auch Mosel-Wein drin, versichern sie. Nur für Markensekt der Großkellereien würden ausländische Weine verwendet.

Trier. Beim Thema gepanschter Wein sind die Winzer sensibel. Noch immer steckt ihnen der Skandal um mit Frostschutz versetzten Mosel-Wein Mitte der 80er Jahre in den Knochen. Ausgerechnet einer der Spitzenwinzer der Region gehörte damals zu den Panschern. Lange haben die Winzer an der Mosel gebraucht, um sich davon zu erholen, um den Moselwein wieder zu einem international anerkannten Rebensaft zu machen. Und Dank schärferer Weingesetze blieb die Branche seitdem von größeren Skandalen verschont. Kein Wunder also, dass jede auch nur im geringsten schlechte Nachricht über deutschen Wein gleich zum Aufschrei führt. Das war so bei angeblichen Rückständen von Pflanzenschutzmitteln in einigen Rieslingen. Und das ist jetzt nicht anders, nachdem Proben des Landesuntersuchungsamtes in Koblenz ergeben haben, dass möglicherweise gepanschter italienischer Wein auch an Großkellereien an der Mosel geliefert worden ist (der TV berichtete). Noch ist nichts bewiesen, noch gibt es nur vage Hinweise. Bei Proben wurde festgestellt, dass einige an Kellereien gelieferte Weine, die dort zu Sekt verarbeitet oder vertrieben werden sollten, dünn im Geschmack waren. Möglicherweise ein Hinweis, dass sie mit Wasser versetzt worden sind. Ob es sich allerdings um gefälschte Weine, etwa mit Säuren vermischter Traubenmost, gehandelt hat, müssen weitere Proben ergeben. Doch allein die Nachricht, dass eventuell gepanschter Wein aus Italien an die Mosel geliefert worden ist, reichte aus, um die Winzer in Aufregung zu versetzen. Zumal im TV-Bericht von Mosel-Sekt die Rede war. "In Mosel-Sekt kommt nur Wein von der Mosel", stellt Weinbaupräsident Adolf Schmitt klar. Kein Winzer an Mosel, Saar und Ruwer verarbeite ausländischen Wein. Wo deutscher Sekt drauf stehe, sei deutscher Wein drin, versichert Schmitt. Es sei gesetzlich gar nicht zulässig, italienische Weine in Mosel-Sekt zu mischen, sagt Knut Georg von der Sektkellerei Otto Treis in Zell (Cochem-Zell). Auch bei der Moselland Genossenschaft in Bernkastel-Kues wird versichert, dass nur Weine aus deutschen Anbaugebieten vermarktet und verarbeitet werden. Allenfalls die Groß-Kellereien, die Markensekte, die keine Herkunftsangaben haben, herstellen, verarbeiteten Weine aus dem Ausland, sagt Weinbaupräsident Schmitt. Er warnt allerdings vor einer Vorverurteilung. Noch sei nicht klar, ob tatsächlich gepanschter Wein aus Italien verwendet worden sei.