Was in Trier im Winter für Obdachlose getan wird

Kostenpflichtiger Inhalt: Obdachlos im Winter : „In Trier muss niemand erfrieren“ - Was im Winter für Obdachlose getan wird

Auf Anfrage der Linken sagt Bürgermeisterin Garbes im Stadtrat, was in Trier im Winter für Obdachlose getan wird. Ex-Streetworker Raimund Ackermann schlägt vor, neue Wege zu gehen.

Den 26. Dezember 2010 wird Raimund Ackermann (65) niemals vergessen: „An dem Tag erhielt ich eine Todesnachricht. Die Kripo rief an und teilte mir mit, dass ein Obdachloser erfroren ist.“

Für Ackermann, von 1996 bis 2016 Streetworker in Trier, eine doppelt bittere Nachricht an jenem zweiten Weihnachtstag. Er kannte den 51-jährigen Erfrorenen – und er hatte noch wenige Tage vorher versucht, ihn zum Verlassen seines provisorischen Quartiers unter der Laderampe eines Discounters in der Südstadt zu bewegen. Vergeblich.

„Leute von Gesundheitsamt und Caritas und ich haben damals mit Engelszungen auf ihn eingeredet. Aber er meinte, er habe ja zwei ,gute Schlafsäcke’ und zwei Wolldecken, dann könne ihm trotz der eisigen Kälte nichts passieren. Er ließ sich einfach nicht dazu bewegen, für ein paar Tage ins Benedikt-Labre-Haus zu ziehen. Es war einfach nichts zu machen.“

Der aus Kasachstan stammende Alexander Q. war einer von seinerzeit zehn Obdachlosen in Trier, die von Hilfseinrichtungen nichts wissen wollen. Neun Jahre später hat sich nicht viel verändert, wie Bürgermeisterin und Sozialdezernentin Elvira Garbes am Dienstagabend in der Stadtratssitzung erklärte. Die Grünen-Politikerin beantwortete eine Anfrage der Fraktion Die Linke zur Situation Obdachloser im Winter. Demnach halten sich derzeit rund 15 Menschen ohne festen Wohnsitz im Trierer Stadtgebiet auf. Angebote zur Übernachtung im Benedikt-Labre-Haus oder im Haltepunkt des Sozialdienstes Katholischer Frauen  „werden durch diesen Personenkreis nicht oder nur sporadisch angenommen“.

Die vorhandenen Angebote würden durch die Mitarbeiter der städtischen Straßensozialarbeit und deren Partner der freien Verbände aufgezeigt. Außerdem gebe es Informationsblätter in verschiedenen Sprachen (einige der Obdachlosen stammen aus Osteuropa) mit Wegbeschreibung und Telefonnummern für Notfälle.

Das Problem besteht laut Elvira Garbes nicht aus einem Mangel an Angeboten, sondern darin, dass sich die Betroffenen nicht zur Annahme der vorhandenen Möglichkeiten überzeugen ließen.

Und die seien beachtlich. Die Bürgermeisterin listete eine ganze Reihe von Institutionen auf, die sich um Obdachlose kümmern könnten – angefangen von Tagesbetreuungen und ambulanten Fachberatungen über Streetwork und Suchtberatung bis hin zu den großen Krankenhäusern. So halte das Brüderkrankenhaus eigens ein Gesundheitszimmer zur medizinischen Behandlung vor.

Für junge Menschen werde derzeit eine neue Hilfestruktur aufgebaut. Kern des Angebots sei die Herrichtung des ehemals städtischen Wohnhauses in der Trier-Wester Gneisenaustraße „als spezielle Wohnform für diesen Personenkreis“.

Elvira Garbes’ Fazit: „In Trier muss niemand auf der Straße leben und erfrieren.“

Ex-Streetworker Raimund Ackermann sieht dennoch ein großes Problem: „Viele der Obdachlosen sind alkoholkrank und lassen sich deshalb nicht auf Einrichtungen wie das Benedikt-Labre-Haus ein, denn dort herrscht striktes Alkoholverbot. Und auch damit, sich einer Heimordnung zu unterwerfen, kommen diese Menschen erfahrungsgemäß nicht klar.“

„Lassen wir sie doch im Winter selbst bestimmt leben!“, fordert  Ackermann und schlägt im Gespräch mit dem TV „niedrigschwellige Angebote“ vor. Etwa einen Wohncontainer, den man in der kalten Jahreszeit unter der Konrad-Adenauer-Brücke aufstellen könne. „Der stört dort niemanden und kann Leben retten.“

Tatsächlich scheint die Stadt grundsätzlich nicht abgeneigt, neue Strategien zu versuchen. Denn Elvira Garbes sagte in der Stadtratssitzung am Dienstagabend auch: Mit den Partnern der freien Verbände würden derzeit im Arbeitskreis Obdachlosigkeit „verschiedene Optionen für die Wintermonate konkret diskutiert“. Dazu gehörten „die Einrichtung eines Kältebusses und die Aufstellung eines Aufenthaltszeltes“.

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