Was ist fair?

Die SPD entdeckt mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz ihren Markenkern wieder. Und der frisch vereidigte amerikanische Präsident Donald Trump setzt die Interessen amerikanischer Arbeitnehmer an die erste Stelle.

Auf unterschiedliche Weise gerät das Thema soziale Gerechtigkeit wieder auf die öffentliche Tagesordnung. Dazu passt das Motto des diesjährigen Weltgebetstages, der am Freitag, 3. März, in vielen evangelischen und katholischen Gemeinden gefeiert wird.Was ist denn fair?, fragen Frauen von den Philippinen, die den ökumenischen Gottesdienst in diesem Jahr vorbereitet haben. Sie tun das vor einem ganz anderen Hintergrund als dem westlicher Wohlstandsländer wie Deutschland oder die USA. Denn trotz seines Reichtums an natürlichen Ressourcen und Bodenschätzen prägt den Inselstaat im westlichen Pazifik eine krasse soziale Ungleichheit.Den teils ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen setzen die Frauen von den Philippinen das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg aus dem Matthäusevangelium entgegen.Jesus erzählt eine Geschichte, die unsere Erwartungen von Gerechtigkeit und Fairness durchkreuzen und - ich würde sogar sagen - korrigieren. Ein Weinbergsbesitzer heuert Tagelöhner an. Die schuften für ihn; allerdings arbeiten die einen länger als die anderen, weil sie erst später angeworben werden. Am Ende des Tages bekommt dennoch jeder einen auskömmlichen Lohn - was vor allem die verwundert, die schon früh das Werk begonnen haben.Die Geschichte taugt nicht unbedingt als Modell für die Arbeitsgesellschaft, aber sie macht meiner Meinung nach zwei Dinge deutlich, wenn wir wieder über soziale Gerechtigkeit reden. Einmal, dass es überall auf der Welt hart arbeitende Menschen gibt und nicht nur bei uns. Und dass zum Gedanken der Gerechtigkeit im biblischen Sinne immer auch der Gedanke der Güte gehört. Kolumne Glaube im Alltag

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