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Was Trier von München lernen kann

Was Trier von München lernen kann

Viele Experten an einem Ort: Auf der ersten Trierer Bildungskonferenz wurde über Bildungsmanagement debattiert. Ein Ziel ist die verbesserte Kommunikation zwischen Schulen, Stadtteilen, Vereinen und Bildungsträgern. Ende des Jahres sollen die Ergebnisse in einem ersten Bildungsbericht veröffentlicht werden.

Trier. Zwei Schüler absolvieren einen Test nach Pisa-Richtlinien. Beide erhalten das gleiche Ergebnis. Dennoch wechselt nur einer der beiden später aufs Gymnasium und macht dort Abi. Nur ein Beispiel, aber es verdeutlicht ein Problem, das auch in Trier sichtbar wird: Unterschiede bei Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit.

Etwa 130 Teilnehmer, darunter Vertreter der Arbeitsagentur, der Uni, der Schulen und vieler freier Träger kamen in der Europäischen Richterakademie zur ersten Trierer Bildungskonferenz im Rahmen des Projekts "Lernen vor Ort" zusammen. Sie wollten über Ansätze für ein professionelles kommunales Bildungsmanagement in Trier beraten.

Ein Schwerpunkt ist dabei die Stärkung der Kommunikation unter Bildungseinrichtungen, damit Probleme frühzeitig erkannt werden. "Manche merken plötzlich, dass sich eine Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen lohnt - so profitieren auch die Kinder", berichtet Projektleiter Rudolf Fries.

Trier ist eines von bundesweit 40 Modellprojekten, die im Rahmen des Förderprogramms "Lernen vor Ort" Ideen und Konzepte für ein kommunales Bildungsmanagement entwickeln sollen. Weil in Trier Erfahrungen fehlen, hatte man als Referenten den Chef des seit Jahren erfolgreichen Münchener Bildungsmanagements, Peter Scheifele, eingeladen.

Scheifele zeichnete das Bild eines Bildungsmanagements aus einem Guss, an dem Schulen, Kitas, außerschulische Träger und Kommune gleichermaßen beteiligt sind. Mit umfassenden Angeboten für alle Bereiche hat man in der bayerischen Hauptstadt ein engmaschiges Netz geschaffen, das bei Übergängen zwischen verschiedenen Bildungsstufen hilft und dafür sorgt, dass möglichst wenige "durchs Rost" fallen.

Der Bewunderung der anschließenden Podiums-Runde mit Trierer Fachleuten war Scheifele sicher - einig war man sich aber auch in der Einsicht, dass Trier von diesem Status noch weit entfernt ist. Und dass es eines klaren politischen Willens bedarf, wenn Bildungsmanagement dieser Qualität in Trier verankert werden soll.

Organisiert wurde bereits das Fortbildungs-Projekt "Klasse(n) kiste" für Lehrer und Erzieher. Die Teilnehmer lernen, wie sich Themen anschaulicher vermitteln lassen und wie sie dem Forschungsdrang von Kindern entgegenkommen. "Die Klasse(n)kiste rückt Schulen in ein anderes Licht - die Eltern sehen, dass man sich engagiert und etwas tut", sagt Fries.

Was alles sonst schon läuft, wurde im Rahmen der Konferenz anschaulich anhand von "Bildungs-Inseln" gezeigt. Auch die Weiterbildungsforscher von der Uni Trier erhoffen sich bessere Erkenntnisse durch verstärkte Kommunikation.

Ende des Jahres werden die Ergebnisse der Bildungskonferenz, aber auch viele andere gewonnene Erkenntnisse in einem Bildungsbericht zusammengefasst, verspricht Rudolf Hahn, Leiter der Stabsstelle "Lernen vor Ort" beim Trierer Oberbürgermeister. Spätestens dann wird sich zeigen, wie ernst es den Trierern mit dem Bildungsmanagement ist. Extra Ziele des Projektes "Lernen vor Ort": Verbesserung der Bildungsangebote an Schulen und Kindergärten Besserer Austausch aller Bildungsträger Erleichterung von Bildungsübergängen Aufbau eines umfassenden Informationssystems über die örtlichen Bildungsangebote Stärkung der demokratischen Kultur Bildungs-Teilhabe für alle