Was wird aus der Trierer Wolfsberghalle?

Infrastruktur : Was wird aus der Trierer Wolfsberghalle?

Mit einem Zuschuss von 8,5 Millionen Euro hatte die Stadt Trier für den Neubau der Sporthalle bei Mariahof gerechnet – und sich dabei völlig verkalkuliert. Kommt die neue Halle trotzdem, aber ohne Tribünen? Oder ist vielleicht doch die Sanierung der alten Sportstätte möglich?

Diesmal wollte die Stadt alles richtig machen. Anders als bei der Planung der Sporthalle am Mäusheckerweg waren heuer die Sportvereine und -funktionäre mit im Boot. So eine Panne wie bei der Mäusheckerhalle – die Tribünen mussten komplett umgeplant werden, weil von den Sitzplätzen das Spielfeld nur sehr eingeschränkt sichtbar war – sollte schließlich nicht noch einmal passieren.

Die Vereine hatten sich damals beschwert, nicht in die Konzeption der Halle einbezogen gewesen zu sein und dass an ihren Bedürfnissen vorbeigeplant würde. Für den Neubau der Wolfsberghalle lud die Stadtverwaltung daher Vereine und Sportfunktionäre zu Workshops ein. Zentrale Forderung des Vereinssports dabei: 400 bis 600 Tribünenplätze, um Zuschauern bei Turnieren und Ligaspielen genug Platz bieten zu können. Dass die neue Halle eine Tribüne erhalten sollte, stand auch für die Stadt nicht zur Debatte. Lediglich, ob diese als mobile Ausziehtribüne oder feste Sitzstufen inklusive Galerie errichtet würde, war noch nicht entschieden.

Doch im Moment steht nicht nur die Tribüne, sondern der komplette Bau auf der Kippe. Denn die geplante Finanzierung des 9,5-Millionen-Euro-Vorhabens ist geplatzt. Die Stadt hatte einen Zuschuss von 8,5 Millionen Euro aus einem Schulbauförderprogramm des Bundes einkalkuliert. Dabei ist für Schulhallen ein maximaler Zuschuss von 3,37 Millionen Euro möglich (der TV berichtete).

Ob und wie die Halle nun stattdessen bezahlt werden kann, ist völlig unklar. „Wir sind noch mitten im Prozess“, erklärt Rathauspressesprecher Michael Schmitz auf die Frage, wie es weitergehen soll, nachdem das Mainzer Bildungsministerium klar gemacht hat, dass die Zuschussträume der Stadtverwaltung illusorisch sind. Bei der Finanzierungsfrage befinde man sich „noch im Status der Vorprüfungen“, sagt Schmitz.

Das verwundert. Denn laut der Beschlussvorlage inklusive Finanzierungsplan, die der Stadtvorstand im März 2018 dem Stadtrat vorgelegt hatte, war als Datum für den Baubeginn der Halle „Januar 2019“ angegeben. Stattdessen muss die Halle – und damit das Nutzungskonzept – möglicherweise komplett umgeplant werden.

Grundsätzlich gibt es mehrere Möglichkeiten:

Geld aus dem Schulbaufördertopf Die Stadt beantragt, wie geplant, eine Förderung aus dem Topf, den der Bund für Investitionen in Schulbauten reserviert hat. Statt der von der Stadt einkalkulierten 8,5 Millionen Euro ist daraus nach den Regeln des Mainzer Bildungsministeriums für Schulturnhallen allerdings nur ein maximaler Zuschuss von rund 3,37 Millionen Euro möglich. Die rund fünf Millionen Euro Differenz zum bislang einkalkulierten Zuschuss müsste die Stadt selber stemmen – also aus neuen Schulden finanzieren.

Geld vom Innenministerium Die Stadt beantragt einen Zuschuss vom für (Vereins-)Sporthallen zuständigen Mainzer Innenministerium. Grundsätzlich wäre aus diesem Sporttopf eine Förderung von bis zu 60 Prozent möglich. Bei einer Bausumme von 9,5 Millionen also etwa 5,7 Millionen Euro. In dieser Version blieben knapp vier Millionen übrig, die die Stadt über neue Schulden bezahlen müsste.

In beiden Fällen lauern allerdings Fallstricke. Denn Investitionen in Sporthallen zählen zu den sogenannten freiwilligen Leistungen einer Stadt. Und bei verschuldeten Städten sind diese „freiwilligen“ Ausgaben gedeckelt. Dass die kommunale Finanzaufsicht der Stadt Trier – immerhin deutschlandweit auf Platz fünf der am höchsten verschuldeten Städte – so viele Millionen für den Bau einer weiteren großen Sportstätte freigibt, scheint da zumindest fraglich. Immerhin baut die Stadt zurzeit an drei neuen Sportstätten: Die Mäusheckerhalle in Trier-Ehrang wird für rund 10,2 Millionen Euro neu gebaut (davon vier Millionen Euro Zuschuss von Bund und Land) und die beiden Bezirkssporthallen in Trier-West und Feyen ebenfalls (je rund 5,2 Millionen Euro Bausumme, davon je rund 2,25 Millionen Zuschuss vom Bund).

Dritte Möglichkeit: Die neue Wolfsberghalle wird als Dreifeld-Schulsporthalle neu gebaut – für wesentlich weniger Geld und ohne Tribünen.

Herbert Schuhmacher, Vizepräsident des Handballverbands Rheinland, hält alle drei Möglichkeiten für unsinnig. „Ich meine, der richtige Weg wäre, die bestehende Wolfsberghalle zu sanieren, statt dort einen riesigen neuen Sporttempel für 9,5 Millionen Euro hinzustellen.“ Dem Bauingenieur und Architekt war auch als Erstem die Fehlplanung der Tribünenanlage der neuen Mäusheckerhalle aufgefallen.

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