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Website erleichtert Homosexuellen das Coming-out

Website erleichtert Homosexuellen das Coming-out

Homophobie - der Begriff bezeichnet die Ablehnung homosexueller Mitmenschen. Ein soziales Phänomen, das ernsthafte gesundheitliche Folgen für die Betroffenen haben kann: psychisch, aber auch körperlich. Welche das sind und was dagegen getan werden kann, zeigt das Projekt "Just 4-u".

Trier. Lukas ist 18 Jahre alt, steht kurz vor dem Abitur. Seine Noten sind gut, in der Klasse ist er beliebt, ein bisschen zurückhaltend vielleicht. Lukas ist schwul. Das weiß nur keiner. Und er leidet darunter.
So geht es vielen jungen Männern. Damit das nicht so bleibt gibt es das Projekt "Just-4u" der Trierer Aids-Hilfe. "Unser Ziel ist es, junge schwule und bisexuelle Männer zu erreichen, die Probleme beim Coming Out haben", sagt Bernd Geller, der den Präventionsbereich der Trierer Aids-Hilfe leitet. Ihnen müsse frühzeitig Vertrauen zu sich selbst gegeben werden, damit sie Angst und Schamgefühl vor dem Arztbesuch überwinden können.
Im Rahmen seiner Tätigkeit hat Geller eine Beobachtung gemacht: "Im ländlichen Raum ist die Verheimlichung oder gar Verleugnung der eigenen Sexualität viel stärker ausgeprägt als in der Stadt." Eine Tatsache, die laut Geller auch von Studien bestätigt wird. Warum?
"In den Dörfern kennt jeder jeden, es wird getuschelt. Schwul sein ist auf dem Land oft noch unmoralisch, inakzeptabel, krank", sagt Psychologe Geller. Ein zentrales Problem, das daraus resultiert, ergibt sich aber erst auf den zweiten Blick: Lange standen nur die psychischen Schäden von Betroffenen im Fokus der Debatte, wie Depressionen oder eine höhere Selbstmordrate.
Jetzt wird klar: Auch der ganz normale Arztbesuch kann problematisch werden: "Gerade junge Schwule, die in einer kleinen Gemeinde auf dem Land leben und sich noch nicht geoutet haben, verschweigen dem Arzt ihre Homosexualität. Vielleicht gehen sie auch gar nicht erst hin, obwohl sie Beschwerden haben", erklärt Geller. Die Folge: Krankheiten werden falsch diagnostiziert oder überhaupt nicht erkannt. Das könnte fatale Konsequenzen haben. Das einjährige Modellprojekt setzt an dieser Problematik an. Damit vorerst Distanz gewahrt werden kann, gibt es für Betroffene und Interessierte eine Webseite. Dort kann man in Foren, Chats oder per Email die Mitarbeiter des Projekts, also der Aids-Hilfe, kontaktieren. "Das Internet dient dabei als Starthilfe für das Coming Out", sagt Geller. Die Betroffenen kommunizieren zuerst über das Internet, bauen Vertrauen auf und treffen sich dann eventuell persönlich. kne

Das einjährige Modellprojekt endet im Juni. Die Internetseite sowie das Hilfs- und Beratungsangebot bleiben bestehen. Infos und Kontakt unter www.just-4u.de; Telefon 0651/9704422 (Aids-Hilfe Trier).