Weg von alten Feindbildern

Zur Berichterstattung über Triers neue Partnerstadt Xiamen in China:

88 Kommunen in Deutschland unterhalten aktuell Beziehungen nach China, davon 44 Städte in Form einer Städtepartnerschaft. Hinzu kommen 18 Kooperationen zwischen einzelnen Regionen - so auch zwischen Rheinland-Pfalz und der Provinz Fujian. Und nun ist auch die Stadt Trier dabei - sollen wir das Rad wieder zurückdrehen?

Die Kritiker sollten nicht den Wunsch nach partnerschaftlichen Kontakten mit allerlei bürgerlichen und sozialpolitischen Forderungen überfrachten, mögen sie noch so berechtigt sein. So etwas kann eine Städtepartnerschaft am Beginn nicht leisten.

Wer so mit dem moralischen Zeigefinger auf andere zeigt, muss sich auch fragen lassen, warum allein seine Maßstäbe überall in der Welt gültig sein sollen. Hätte dann vor 40 Jahren der Stadtrat von Trier eine Partnerschaft mit Pula ablehnen sollen, nur weil es im sozialistischen Jugoslawien lag?

Und ebenso die Partnerschaft mit Weimar in der damaligen DDR? Sollen wir die Bürger unserer Partnerstadt Fort Worth dafür tadeln, dass in ihrem Bundesstaat Texas die meisten Todesurteile in den USA gefällt und vollstreckt werden? Und bleibt "aufgrund der Distanz ins Reich der Mitte" dann nicht auch die Partnerschaft mit Nagaoka "nur akademisch"?

Die Welt verändert sich. China hat sich geöffnet und verändert sich in einer atemberaubenden Weise. Es wird Zeit, dass alle dies zur Kenntnis nehmen und alte Vorurteile abbauen. Vielleicht hilft da auch eine Reise mit offenen Augen nach China.

Töricht derjenige, der nicht die Chancen des neuen, erst am Anfang stehenden Reisestroms vieler Chinesen nach Deutschland und gerade auch nach Trier zur Kenntnis nimmt. Zeigen wir Gastfreundschaft, die Chinesen werden das Signal erwidern und weitertragen.

Fazit: Ich wünsche mir eine offenere Berichterstattung in den Medien und keine Beschimpfung von China. Zum Wandel durch Annäherung gibt es keine Alternative.

Peter zur Nieden, Trier

STÄDTEPARTNERSCHAFT