1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Wegen Bauarbeiten von der Außenwelt abgeschnitten: Feller Bürger finden ungewöhnliche Lösung

Wegen Bauarbeiten von der Außenwelt abgeschnitten: Feller Bürger finden ungewöhnliche Lösung

Ein sechs Meter hohes Treppengerüst mit Steg sorgt dafür, dass Bürger aus Fell (Kreis Trier-Saarburg) bei Straßenbauarbeiten nicht komplett von der Außenwelt abgeschnitten sind. Dank der Vorrichtung kann die Ver- und Entsorgung über eine höher gelegene Parallelstraße erfolgen.

In wenigen Wochen wird die Neustraße in Fell eine Großbaustelle sein. Bagger werden den Asphalt aufreißen und Gräben für neue Leitungen ziehen. Für Autos wird die Straße komplett gesperrt. Notgedrungen werden die Bewohner ihre Fahrzeuge in Nachbarstraßen parken müssen, damit sie zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen fahren können. Das Problem der schlechten Erreichbarkeit ist in der Feller Neustraße besonders ausgeprägt. Die Straße schlängelt sich an einem Hang in Richtung Hochwald hoch. Auf rund 500 Metern gibt es keine einzige Querung, über die der Anwohnerverkehr zu- oder abfließen könnte. Auch zu Fuß kommt man nicht so einfach von der Neustraße weg. Bergseitig muss man hinter den Häusern durch steile Gärten kraxeln, um auf die Straße "Auf der Acht" zu gelangen. Wer talwärts zur Maximinstraße ausweichen möchte, darf seine Gummistiefel nicht vergessen. Denn es geht etwa 200 Meter weit durch Nachbars Gärten und durch den Feller Bach. Eine Brücke oder einen Steg über das Gewässer gibt es nicht.

Was also tun? Diese Frage hat sich auch Hermann Spanier gestellt. Er ist Anwohner der Neustraße - und Gerüstbauer. Der Geschäftsführer der Firma Spanier & Wiedemann hatte eine naheliegende Lösung für das Problem: Eine Bautreppe mit Steg als Zugang zur oberen Parallelstraße. Bei der Nachbarschaft sei er mit dieser Idee gleich auf offene Ohren gestoßen, sagt Spanier. Den Auftrag zum Bau erteilte er Sven Gutmann, einem Azubi im zweiten Lehrjahr. Spanier: "Ich habe die Zeichnung gemacht und die Statik berechnet. Und Sven durfte dann sein Lehrstück machen. Ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis."

Auch die Nachbarn sind angetan. "Das ist eine super Idee", findet Silvia Bohusch. Ihr Mann muss regelmäßig zum Arzt und zum Bewegungstraining. Ein Auto haben die Bohuschs bei Freunden abgestellt, das andere wollen sie nun an der "Acht" abstellen. Dank des neuen Stegs sind sie innerhalb weniger Minuten dort. Auch Anwohner Mario Tiné freut sich über die "Feller Treppe". Nicht nur, weil sie ihm und seiner Heizungs- und Sanitärfirma Vorteile bringt. Er denkt an die hilfsbedürftigen Nachbarn. "Einige werden regelmäßig von Pflegediensten besucht und brauchen Medikamente aus der Apotheke. Das kommt jetzt alles von oben."Strahler und Lastenaufzug


Damit Treppe und Steg auch bei Dunkelheit genutzt werden können, hat Anwohner Josef Krämer eine Beleuchtung angebracht. Vier LED-Strahler sorgen dafür, dass der ganze Zugangsbereich vier Minuten lang hell erstrahlt, sobald jemand einen der beiden Schalter an den Enden betätigt.

Da die Vorrichtung als Bauzufahrt gilt, muss sie nicht vom Tüv abgenommen werden. Hermann Spanier möchte aber noch mit Schildern darauf aufmerksam machen, dass das Betreten auf eigene Gefahr erfolgt. Außerdem will der Gerüstbauer noch einen Aufzug für Lasten bis zu 200 Kilogramm anbringen. "Dann können auch größere Gegenstände oder Pakete geliefert werden", sagt Spanier. Auch für die Entsorgung des Mülls könne der Lastenaufzug in Frage kommen.

Ob eine weitere Idee von Hermann Spanier zum Tragen kommt, wird sich am Donnerstag entscheiden. Dann sprechen Gemeinde und Landesbetrieb Mobilität (LBM) über die Verkehrsführung. Spanier hat angeregt, den schmalen Weg oberhalb der Neustraße zur Einbahnstraße zu erklären. Dort soll nur in Richtung L 150 gefahren werden können, damit der Begegnungsverkehr ausbleibt und die Autos der Neustraßen-Bewohner dort gefahrlos geparkt werden können. Der Verkehr aus Richtung L 150 soll über einen höher gelegenen Wirtschaftsweg Richtung Dorf geleitetet werden.Meinung

Einer für alle, alle für einen
Es ist bewunderswert, wie geduldig die Feller den Ausbau ihrer Straßen hinnehmen. Immerhin wird ihr Ort schon seit anderthalb Jahren regelrecht auf den Kopf gestellt. Bagger, Lastwagen und Rüttelmaschinen bestimmen das Ortsbild, es gibt Verkehrsbehinderungen, Lärm und Umsatzeinbußen für die Kaufleute. Und dennoch bleiben die Beschwerden weitestgehend aus, hat sich Fell mit dem Straßenausbau und seinen negativen Auswirkungen arrangiert. Auch die neue Bautreppe mit Steg passt ins Bild. Statt über die unbefriedigende Situation zu schimpfen, wird nach Lösungen gesucht, helfen sich die Bewohner gegenseitig. Natürlich ist es ein Glücksfall für die Neustraße, dass Hermann Spanier dort wohnt und die rettende Idee mit dem Baugerüst hatte. Aber selbstverständlich ist diese Art der ehrenamtlichen Nachbarschaftshilfe nicht. Das funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen. a.follmann@volksfreund.deExtra

Voraussichtlich bis zum Jahr 2018 werden in Fell Straßen und Gehwege erneuert, Leitungen verlegt und Plätze neu gestaltet. Der erste Bauabschnitt von der Kirchstraße bis in Höhe Ruwerer Straße ist fertiggestellt, ebenso der zweite Baubschnitt bis Höhe Brückenstraße/Neustraße. Dort werden derzeit Kanal- und Wasserleitungen verlegt. Bis Ende des Jahres soll die Neustraße bis zum Ortsausgang in Richtung Thalfang ausgebaut sein, teilt der LBM mit. Ab 2016 ist der Straßenabschnitt in entgegengesetzter Richtung (nach Fastrau) geplant. Vertreter der Baufirma Max Düpre und des LBM loben den Stegbau in Fell als "tolle Eigeninitiative". alf