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Wegen Corona: Trierer Ehepaar sitzt in Südafrika fest

Kostenpflichtiger Inhalt: Tourismus : Wegen Corona: Trierer Ehepaar sitzt in Südafrika fest

Daniela und Lothar Pelzer müssen nach ihrem Urlaub auf einen Rückflug warten und engagieren sich bei einem Hilfsprojekt für Bedürftige.

Drei Wochen Aufenthalt in Südafrika waren geplant, als Lothar Pelzer (59) und Ehefrau Daniela (55) am 9. März nach Kapstadt aufbrachen. „Was sich in den ersten beiden Wochen auch als sehr schöner Urlaub in einem sehr interessanten und teilweise traumhaften Land für uns dargestellt hat, wurde durch die Corona-Pandemie immer mehr zum Beinahe-Albtraum“, erzählt Lothar Pelzer.

Als Abonnenten des Volksfreund-E-Papers lesen die beiden jeden Morgen zum Frühstück auf dem Tablet das Neueste aus Trier und Umgebung. Anfangs mit Blick nach Deutschland eher harmlos hingenommen, befand sich Corona in Südafrika auf der Überholspur. In der zweiten Woche unternahmen die Pelzers noch in Eigenregie eine neuntägige Garden-Route-Tour mit traumhaften Eindrücke.

„Bereits dabei hatten wir großes Glück, dass wir den gebuchten Rückflug von Port Elizabeth zurück nach Kapstadt noch nehmen konnten. Es war der letzte Flugtag innerhalb des Landes. Danach ging nichts mehr. Ansonsten hätten wir die mit dem Auto zurückgelegte Strecke wieder zurückfahren müssen. Wir waren auf dem Hinweg insgesamt 1500 Kilometer gefahren mit Abstechern in die verschiedensten Orte auf der Garden-Route - auch ins Landesinnere und zu den fast täglich wechselnden Unterkünften. Der Weg führte zum Beispiel 40 Kilometer über eine regennasse ausgefahrene Schotterpiste zu unserer Unterkunft. Diesen Weg hätten wir natürlich nicht wieder zurückfahren wollen.“

In der letzten (geplanten) Urlaubswoche überschlugen sich die Ereignisse. Sämtliche Flüge sind gestrichen. Auf geplantem Weg (der Rückflug sollte am vergangenen Sonntag mit KLM über Amsterdam nach Luxemburg führen) kommen die Touristen aus Südafrika nicht mehr heraus. Sie müssen sich daher tagtäglich im sogenannten Rückholprogramm des Auswärtigen Amtes der Bundesregierung registrieren, um in Condor-Sondermaschinen irgendwann ausgeflogen zu werden.

Helfer füllen Desinfektionsmittel in Behälter ab, so dass Arztpraxen, Krankenhäuser und Geschäfte es nutzen oder weiterverkaufen können. Foto: Daniela Pelzer

Jeden Tag schickt der Deutsche Botschafter Martin Schäfer seinen „Landsleute-Brief“, in dem er die aktuelle Lage darstellt. Nicht ganz einfach gestalten sich offensichtlich die Verhandlungen mit der südafrikanischen Regierung um Präsident Cyril Ramaphosa. Vorige Woche flogen zwei Sondermaschinen deutsche Staatsbürger aus Kapstadt nach Frankfurt aus. Da seit Freitag aber eine totale Ausgangssperre herrscht, haben sich weitere Rückholaktionen erst einmal verschoben.

In den ersten Flugzeugen wurden denn auch ältere, eventuell kranke Menschen und Familien mit kleinen Kindern ausgeflogen. „Wann wir auf einer Liste stehen werden, bleibt offen. Es befinden sich offenbar noch sehr viele Deutsche in Südafrika“, sagt Lothar Pelzer. „Von großem Glück können wir sprechen, dass wir bei meiner Cousine untergebracht sind, die 2018 am Stadtrand von Kapstadt in einem privilegierten Stadtviertel ein sehr schönes, großes Haus mit Garten erworben hat. Sie verbringt seitdem in der Regel Südafrikas Frühjahr bis Anfang Herbst (September bis etwa Ende April) in Kapstadt und das deutsche Frühjahr bis Ende Sommer in ihrem Haus in Trier-Ruwer. Wir sind also erst einmal gut aufgehoben und gesund.“

Lothar Pelzer zeigt eine der Mundschutzmasken, die auch für ein Benefizprojekt verwendet werden. Foto: Daniela Pelzer

Die Regale der am Kap führenden Supermarktkette Pick ’n Pay sind weitgehend leergeräumt. Das Trierer Paar konnte sich noch mit dem Nötigsten versorgen und muss nun abwarten. Die Einhaltung der Ausgangssperre wird durch Polizei und Militär streng kontrolliert, jeglicher Ausgang ist verboten. Ausflüge und alle Unternehmungen, die für die dritte Urlaubswoche geplant waren, fallen demnach flach. Ab kommendem Wochenende sollen Rückholflüge der Bundesregierung aus Südafrika beginnen.

Daniela Pelzer: „Es käme einer nationalen Katastrophe gleich, wenn in den Townships rund um Kapstadt, in denen Tausende Menschen unter schwierigsten hygienischen Bedingungen auf engstem Raum zusammenleben, oder auch unter den vielen Obdachlosen, die am Straßenrand campieren, Corona um sich greifen würde.“

Dagegen kämpfen Menschen wie Lenny van den Berg (48) an. Die gebürtige Niederländerin ist die Nachbarin der Cousine, bei der die Pelzers derzeit untergebracht sind. Als Großhändlerin vertreibt sie normal Arbeitskleidung und Schuluniformen in Kapstadt und Umgebung. Da ihr Geschäft derzeit ruht, möchte sie helfen und ist spontan umgestiegen auf Desinfektionsmittel und Gesichtsmasken. Hierzu hat sie sich mit einem Fabrikanten zusammengetan. Auf dem öffentlichen Markt ist Desinfektionsmittel so gut wie ausverkauft. Der Fabrikant lieferte eine große Menge, die Lenny van den Berg mit Unterstützung des Ehepaars Pelzer und weiterer Helfer in mühsamer Handarbeit in kleinere Behältnisse umfüllen. Diese werden an Krankenhäuser, Arztpraxen und Geschäfte verkauft. Die Käufer werden um Spenden gebeten. So soll ein Netzwerk entstehen, das Bedürftige ebenfalls mit Desinfektionsmitteln versorgt.

Ähnlich verhält es sich mit Gesichtsmasken, die zu einem Preis von umgerechnet 0,45 Euro produziert und für 0,75 Euro an Schulen, Kirchen und weitere öffentliche Einrichtungen verkauft werden. Vom Gewinn werden weitere Tausende Masken hergestellt und in den Townships und an Obdachlose der Umgebung kostenlos verteilt, da diese Menschen sich weder eine Maske, geschweige denn Desinfektionsmittel leisten können.

Als Zeichen der Solidarität und Hilfe in einem armen Land tragen die Stoff-Masken die Flagge Südafrikas. „Das Land geht  sehr diszipliniert mit der Corona-Krise um“, sagt van den Berg. „Es sind kaum Menschen oder Autos auf Kapstadts Straßen. Trotz aller Schwierigkeiten, mit denen das Land bisher zu kämpfen hatte, schweißt die Situation die Menschen in einer Solidarität zusammen, die es hier lange nicht gegeben hat.“

Daniela und Lothar Pelzer zollen Respekt: „Menschen wie Lenny van den Berg, die unheimlich engagiert die Grundidee verfolgt, den Virus einzudämmen, und dabei auf ihren Profit verzichtet, braucht dieses Land. Eine wunderbare Erfahrung, diese bemerkenswerte Frau und ihr Engagement kennengelernt zu haben.“