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Wegen Fehlplanung: Sanierung der Trierer IGS dauert noch ein Jahr länger

Stadtentwicklung : Wegen Fehlplanung: Sanierung der Trierer IGS dauert noch ein Jahr länger

Elektriker und Heizungsinstallateur kommen sich in die Quere: Wo welches Gewerk Leitungen verlegen darf, wurde bei der Generalsanierung der Integrierten Gesamtschule offenbar nicht koordiniert.

Eigentlich sollten die Schüler der Integrierten Gesamtschule (IGS) am Trierer Wolfsberg Ende des Jahres in ihre frisch sanierten Klassenräume im Cusanus-Gebäude – kurz: C-Gebäude – umziehen. Doch daraus wird nichts: Die Generalsanierung verzögert sich – und zwar um rund 12 Monate. Das teilte die Stadtverwaltung am Montag auf TV-Nachfrage mit.

Grund für die Verzögerung ist, dass die Verlegearbeiten von Heizungsleitungen und Elektroleitungen vorab nicht koordiniert wurden. Beim so genannten „Kollisionsplan“ gebe es „Probleme“, räumte die Stadtverwaltung gestern Nachmittag in einer Pressemitteilung ein. In einem Kollisionsplan werden normalerweise sämtliche Fachplanungen der einzelnen Handwerksarbeiten in Bezug gesetzt. So soll sichergestellt werden, dass beispielsweise die Elektriker ihre Leitungen nicht an gleicher Stelle verlegen wie die Heizungsmonteure ihre Rohre. Bei der IGS-Planung ist diese Koordination und Absprache nicht erfolgt.

Das Rathaus hatte die Planung von Heizung und Elektrik im März 2018 an zwei Ingenieurbüros vergeben, die sich als Arbeitsgemeinschaft (Arge) auf die städtische Ausschreibung beworben hatten. „Wir sind fest davon ausgegangen, dass die beiden Fachbüros der Arge ihre Planungen aufeinander abstimmen – was sie offenbar aber nicht getan haben“, erklärt Triers Baudezernent Andreas Ludwig. Die Namen der beteiligten Ingenieurbüros nannte die Stadt auf TV-Nachfrage am Montag aus rechtlichen Gründen nicht.

Dass die Pläne nicht aufeinander abgestimmt waren, fiel offenbar den Bauarbeitern auf der Baustelle zuerst auf. Elektriker und Heizungsmonteure kamen sich in die Quere, als sie an gleicher Stelle Leitungen verlegen wollten. Die Arbeiten stehen derzeit still. „Die Liste der festgestellten Planungsmängel ist umfangreich“, teilt die Stadt dazu mit. Lehrer und Elternvertreter der IGS wurden in der vergangenen Woche über die Panne informiert.

Der Versuch, mit den beiden Ingenieurbüros, die laut Stadtverwaltung den Kollisionsplan erstellen sollten, einen umsetzbaren Plan aufzustellen, habe sich bislang „schwierig gestaltet“, erklärt Schmitz. Nun werde unter anderem erwogen, eine so genannte Montageplanung anzugehen – eine Umplanung durch eigenes Personal der Stadt in Zusammenarbeit mit den beteiligten Handwerkern während der laufenden Arbeiten.

Die Projektleitung – und damit Bauleitung – der Generalsanierung hat die Stadtverwaltung als Bauherr selbst übernommen. Dazu, inwiefern die Kontrolle, ob eine Kollisionsplanung korrekt vorliegt, zu den Aufgaben der Bauleitung gehört, wollte die Stadtverwaltung auf TV-Anfrage am Montag nicht konkret Stellung beziehen. Nach TV-Informationen will die Stadt gegen die beiden beteiligten Ingenieurbüros juristisch vorgehen.

Dass Heizungs- und Elektroleitungen offenbar an gleicher Stelle geplant wurden, ist dabei nicht das einzige Problem. Nach TV-Informationen soll die gesamte Heizungsanlage falsch geplant worden sein: Der in den Plänen vorgesehene so genannte KW-Wert – die Spitzenleistung der Heizanlage in Kilowatt – soll viel zu niedrig angesetzt worden sein. Erforderlich sei für das Gebäude eine Heizanlage mit einem dreimal so hohen KW-Wert, heißt es.

Welche Mehrkosten durch Umplanung, Verzögerung, größere Heizungsanlage und möglicherweise auch Schadensersatz für den Arbeitsausfall der beauftragten Handwerksunternehmen entstehen, sei bislang noch nicht zu beziffern, teilt die Stadt mit.