Wegen Überfüllung geschlossen - Tierheim Trier muss 100 vom Veterinäramt beschlagnahmte Haustiere aufnehmen

Wegen Überfüllung geschlossen - Tierheim Trier muss 100 vom Veterinäramt beschlagnahmte Haustiere aufnehmen

Das Tierheim Trier ist überfüllt und hat den Besucherbetrieb vorerst eingestellt. Innerhalb weniger Wochen mussten die Mitarbeiter 44 Hunde und 56 Kleintiere aufnehmen und versorgen. Das Veterinäramt und die Polizei hatten die Tiere beschlagnahmt. Das Sommerfest soll wie geplant am 27. und 28. August stattfinden.

Trier. Die Bande im Welpengehege weiß nichts von Notlage und Überbelegung. Als Tierheimchefin Inge Wanken ihr kleines Reich betritt, wuseln die kleinen Hunde um sie herum und freuen sich über die Zuwendung. Jeder will mal gestreichelt werden. Ein schönes Bild, doch der Hintergrund ist sehr ernst.

"Wir haben 28 Hunde aufgenommen, die alle von einem Halter stammen", erzählt Inge Wanken, die im Juli den Vorsitz des Tierschutzvereins Trier und Umgebung übernommen hat. Der Verein ist der Träger des Tierheims. "Das Alter der Tiere reicht von drei Monaten bis zu sechs Jahren. Der Halter ist ein Privatmann, der den Überblick verloren hat."

Schon vor drei Monaten habe das Tierheim acht Hunde von diesem Halter aufnehmen müssen. Jetzt waren es 28 - ausschließlich Border Collies. Das Veterinäramt hat die Tiere beschlagnahmt. "Wir als Tierschutzverein können das selbstverständlich nicht tun, wir haben keine rechtlichen Befugnisse", betont die gelernte Bankkauffrau und Hundetrainerin.

28 Hunde auf einen Schlag - doch das war nur der erste Streich. Der zweite wurde zum Horroreinsatz für Inge Wanken und die Mitarbeiter des Tierschutzvereins. In Kröv (Verbandsgemeinde Traben-Trarbach) öffnete die Polizei das Haus einer Frau, die schon als Tiersammlerin aufgefallen war. Das Animal Hoarding, so der englische Jargon, ist eine psychische Störung, die den Betroffenen dazu bringt, gegen jede Vernunft immer mehr Tiere zu sammeln.
"In diesem Haus boten sich uns sehr gruselige Zustände", sagt Inge Wanken. Kaninchen, Frettchen, Katzen, Degus, Chinchillas - 53 Kleintiere hatte die Frau gesammelt. "Der Geruch nach Urin war so stark, dass ich unter einer Verätzung der oberen Atemwege litt und krank wurde", erzählt die Tierheimchefin.

Und auch das war noch nicht alles. In einer Wohnung in Trier-Mariahof wurden 16 weitere kleine Hunde beschlagnahmt.
"Wir haben es im Handstandüberschlag geschafft, alle diese Tiere zu versorgen und unterzubringen", sagt Wanken. "Sofort begann eine wunderschöne Welle der Hilfsbereitschaft." Tierfreunde boten spontan Unterstützung an, Futtermittelhändler aus der Region spendeten komplette Paletten. Das Brüderkrankenhaus stellte ausgemusterte Bettwäsche zur Verfügung. "Allein über den Facebook-Messenger erhielten wir mehr als 200 Hilfsangebote", erzählt die Vorsitzende des Tierschutzvereins.

Doch die Ausnahmesituation hat auch negative Folgen. Das Tierheim musste den öffentlichen Publikumsbetrieb einstellen, alle Kräfte werden für die Versorgung der Tiere gebraucht.
"Wir werden am 1. September wieder öffnen", kündigt Inge Wanken an. Das Team des Tierheims wird ab dann zehn Mitarbeiter umfassen, zwei neue werden eingestellt. Das Sommerfest am kommenden Wochenende wird stattfinden.
Die Finanzen beruhen immer auf dem Prinzip Hoffnung. 90 Prozent des pro Jahr benötigten Budgets von 200 000 Euro stammen aus Spenden, Erbschaften und Mitgliedsbeiträgen. Die restlichen zehn Prozent trägt die öffentliche Hand für die Übernahme kommunaler Aufgaben wie die Versorgung von Fundtieren und die Aufnahme von Tieren, die aus schlechter Haltung stammen. Wanken: "Es ist immer eine belastende Situation, wenn man nicht wissen kann, ob die Mitarbeiter in zwei Jahren noch einen Job haben."Meinung

Foto: (h_st )
100 Tiere musste das Tierheim Trier innerhalb von ein paar Wochen aufnehmen: Degus, Katzen und Welpen (von oben nach unten) gehören dazu, ebenso weitere Kleintiere und Hunde. Inge Wanken (unten) und ihr Team arbeiten fast rund um die Uhr. TV-Fotos (3): Jörg Pistorius. Foto: (h_st )

Die Kommunen müssen ran
Das Tierheim Trier ist wesentlich mehr als eine private Versammlung engagierter Hobby-Tierfreunde. Die Einrichtung übernimmt eine enorm wichtige öffentliche und gesellschaftliche Aufgabe. Sie kümmert sich um Tiere, die ausgesetzt werden. Tiere, die in schlechter Haltung landen. Tiere, die von ihren Besitzern als Ware gesehen und auch so behandelt werden. Was die Kommunen der Region nicht leisten können, übernimmt das Tierheim. Doch Tierschutz hat in der Verteilung öffentlicher Mittel und Investitionen keine hohe Priorität. Die Mitarbeiter hoffen von Jahr zu Jahr, dass das Budget auch in Zukunft für ihren Job reichen wird. Das ist absurd und inakzeptabel. Entweder übernehmen die Kommunen die komplexe Aufage des Tierschutzes komplett - oder sie geben den Tierheimen und Tierschutzvereinen eine stabile finanzielle Basis. Das Hoffen auf Spenden und Erbschaften muss aufhören. j.pistorius@volksfreund.de