Wei gieht de Maathes onlein

TRIER. Moderne Kommunikationstechnologie und persönliches Engagement machen es möglich: Das Trierer Original "Fischers Maathes" erhält 127 Jahre nach seinem Tod eine eigene Internet-Homepage.

Was er wohl gesagt hätte, der knorrige Kolonialwarenhändler, angesichts seiner weltweiten Präsenz? Das dürfte eine der wenigen Fragen in Sachen Fischers Maathes sein, die Hanspeter Weiler nicht beantworten kann. Ansonsten hat der 57-jährige Marketingberater nahezu alles in die gestern freigeschaltete Homepage www.fischers-maathes.de hineingepackt, was man über den schalkhaften, aber auch politisch engagierten Kaufmann aus dem 19. Jahrhundert erzählen kann.Monatelange Suche in den Archiven

Gleich auf der ersten Seite grüßt das Objekt der Betrachtung höchstpersönlich, vom einzigen Original-Foto, das noch existiert. Neun Monate hat Weiler in den Archiven gesucht, um weitere Dokumente zusammenzutragen: Von der Geburtsurkunde über die (ausgesprochen rare) Original-Unterschrift von Mathias Joseph Fischer bis hin zur Todesnachricht in der Trierischen Landeszeitung vom 25. Februar 1879, die freilich nur lakonisch vermerkt, "jemand" habe "auf dem Breitenstein seinem Leben durch Erhängen ein Ende gemacht". Natürlich erzählen Weiler und sein Mitstreiter Helmut Haag die ganze Geschichte: Wie Maathes, noch im Tod ein Witzbold, bevor er sich in seinem Geschäft erhängte, ein Schild mit der Aufschrift "Wegen Todesfalls geschlossen" ins Fenster stellte. Aber auch Fischers Familien-Historie und sein Engagement im "demokratischen Verein" werden angesprochen. Doch der Reiz des Internet-Auftritts von fischers-maathes.de besteht nicht nur in der sorgfältig aufbereiteten Geschichte. Angelegt ist auch eine thematisch untergliederte Sammlung von bekannten Maathes-Witzen, die durch interaktive Mitwirkung der Nutzer zu einer umfassenden Witz- und Anekdoten-Dokumentation wachsen soll. Wer Lust hat, kann via Internet eigene Beiträge hinzufügen. Für ansprechendes Lokalkolorit sorgen Trierer Stadt-Bilder um die Jahrhundertwende. "Ganz bis zur Zeit von Maathes hat es nicht zurückgereicht", räumt Hanspeter Weiler ein, "aber wir vermitteln einen ganz guten Eindruck vom alten Trier". Für echte Maathes-Fans enthält der Internet-Auftritt sogar einen kleinen Shop mit Anstecknadeln und einer eigens kreierten Viez-Porz mit aufgedrucktem "Autogramm". Der Pflege der Trierer Viez-Kultur haben sich Weiler und Haag, der im Trierer Karneval bei er KG Heuschreck den "Maathes" verkörpert, besonders verschrieben. Übrigens ganz im Sinn des bekennenden Viez-Trinkers Mathias Fischer. Und weil es in der einheimischen Gastronomie heutzutage viel zu wenige der Porzellankrüge gibt, hat man eigens einen Set in verschiedenen Größen aufgelegt, der über die Homepage vertrieben wird. Geld, sagt Helmut Haag, lasse sich damit "sicher nicht verdienen", aber vielleicht schaffe man es, "den Viez vom Glas wieder in die Porz zu bringen, wo er hingehört". Und weil der Behälter alleine noch nicht das Vergnügen gewährleistet, enthält die Internet- Seite ein Register empfohlener Viez-Produzenten aus der Region und spezieller Produkte wie einem Viez-Likör. "Maathes-onlein" (Haag) ist ab sofort abrufbar. Schon in der Probephase seien erste neue Witze eingegangen, erzählt Hanspeter Weiler stolz. Zum Beispiel der von der Deutsch-Lehrerin, die den Maathes in der Schule fragt: "Was ist das für eine Form: ,Ich bin schön'?" Worauf der Bengel antwortet: "De Vergangenheitsform, Frau Lehrerin".

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