Weiher im Schlosspark Trier-Kürenz muss künstlich bewässert werden - mit Leitungswasser

Kostenpflichtiger Inhalt: Wassermangel : Weiher im Schlosspark Trier-Kürenz muss künstlich bewässert werden - mit Leitungswasser

Oase in Not: Weil der natürliche Zulauf des Teichs im Kürenzer Schlosspark unterbrochen ist, sprudelt Leitungswasser.

Von „Wasserstand“ war keine Rede mehr: „Wir haben es hier mit Wassernotstand zu tun“, sagt der Trier-Kürenzer Ortsvorsteher Ole Seidel (Grüne) angesichts des erbarmungswürdigen Anblicks, den der Teich im Schlosspark am Dienstag bietet. Der Spiegel des Gewässers war in den vergangenen Wochen so stark gesunken, dass nicht viel mehr als eine Lache übrig geblieben ist. Zeit zum Handeln.

StadtGrün (das frühere Grünflächenamt) macht am Dienstag gleich Nägel mit Köpfen. Noch während des Vor-Ort-Termins mit dem Ortsvorsteher beginnen Mitarbeiter damit, Schlamm aus dem Betonbecken zu schaufeln – eine Arbeit, die ohnehin bald wieder fällig gewesen wäre, weil der Schlamm das biologische Gleichgewicht stört und den Sauerstoffgehalt des Wassers reduziert. „Deshalb haben die Kollegen die Gelegenheit genutzt, um gewissermaßen ,klar Schiff’ zu machen“, erklärt Stadt-Pressesprecher Ernst Mettlach. An die 18 Kubikmeter seien aus dem Becken entfernt worden und zur Zwischenlagerung in einen abgesperrten Seitenbereich des Schlossparks transportiert worden.

Nach dem Ende dieser Entschlammungsprozedur am Mittwochvormittag heißt es: „Wasser marsch!“ Durch einen ans öffentliche Netz  angeschlossenen Schlauch führen die StadtGrün-Mitarbeiter dem Teich wieder kostbares Nass zu. Am Mittwochnachmittag hat der Pegel schließlich eine ansehnliche Höhe erreicht, bleibt aber deutlich unter dem theoretischen Maximalstand: Warum, erläutert der stellvertretende StadtGrün-Amtschef Michael Heimes: „Die Betonschale des Beckens ist zuletzt vor 20 Jahren erneuert worden. Nun weist der Randbereich Risse auf, die wir näher untersuchen wollen.“ Momentan wisse man noch nicht, ob es mit kleineren Abdichtungsarbeiten getan oder eine umfassendere Sanierung nötig ist.

Als Ersatzquelle dient das öffentliche Wassernetz. . Foto: Roland Morgen

Fest steht: Das Becken leckt. Das ist aber nicht der Hauptgrund für den rapiden Wasserverlust der vergangenen Wochen. Die eigentliche Ursache liegt gut 100 Meter entfernt am Fuße des Petrisbergs auf dem Gelände des Benediktinerinnenklosters Bethanien. Dort befindet sich eine aus Sandstein gemauerte Brunnenstube, in der sich das Wasser mehrerer Quellen sammelt. Das Wasser wird in erster Linie vom Kloster genutzt, der Überlauf der Brunnenstube speist den Teich im benachbarten Schlosspark. Nur: „Nach zwei extrem heißen und trockenen Sommern gibt es so gut wie keinen Überlauf mehr“, bedauert Heimes. Er vermutet, dass auch auf dem Weg von der Brunnenstube  zum Teich viel Flüssigkeit versickert.  Eine verbrieftes Recht auf das Brunnenwasser hat die Stadt nicht; gleichwohl wollen Heimes und Ortsvorsteher Seidel das Gespräch mit den Ordensfrauen suchen „und sehen, ob und wie wir die natürliche Wasserversorgung wieder in Gang bringen können“.

Dass der Teich dank Trinkwasser-Zufuhr  wieder seine Oasenfunktion im beliebten Schlosspark erfüllt, ist kein Novum. „Extremes Niedrigwasser hatten wir auch 2018“, berichtet der vormalige Ortsvorsteher Bernd Michels (CDU). „Da hat dankenswerterweise der Feuerwehr-Löschzug Kürenz geholfen und drei Mal das Becken gefüllt.“

Am Mittwoch wurden etwa 80 Kubikmeter Wasser eingelassen. Legt man den Stadtwerke-Wasserpreis von 1,74 Euro je Kubikmeter zugrunde, dürfte die Rechnung rund 140 Euro betragen.

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