WEINBAU

Zur Berichterstattung über die geplante Verpachtung der Staatlichen Weinbaudomäne Trier an das DRK-Sozialwerk Bernkastel-Wittlich:

Die Weine der Weinbaudomäne in Avelsbach sind nicht minderwertig, auch nicht schlecht, wie es in der Bernkasteler Ausgabe des TV als Überschrift stand. Als Kenner der Avelsbacher Domänenweine kann ich dies mit Fug und Recht herausstellen. Allerdings sind in Avelsbach nicht die Mittelmosel-Qualitäten zu erzeugen. Zweitens müssen Fassweine nicht zwangsweise von minderer Qualität sein, aus denen man Sekt herstellt. Korrekt ist, dass für die Sektherstellung besonders saubere, gut ausgebaute Weine benötigt werden. Drittens: Das wirtschaftliche Defizit hat zahlreiche Gründe, die von der Domäne nicht selbst verschuldet sind. An erster Stelle wäre hier die eingeschränkte Gestaltungsmöglichkeit zu nennen (im Gegensatz zum Privatbetrieb mit Schnellentscheidungen). Die niedrigen Erntemengen der Jahre 2012 bis 2014 sind auf die Änderung des Weinprofils, extremen Fäulnisbefall und die Umstellung auf Biobewirtschaftung zurückzuführen. Die Erhöhung der Qualität der Weine in Verbindung mit einer höheren Preiseinstufung kann nicht von heute auf morgen zum gewünschten Erfolg führen, auch nicht mit Vermarktungsinnovationen. Auf Anhieb kann auch nicht die Umstellung auf Biobewirtschaftung funktionieren. Dies bedarf einer mehrjährigen Einarbeitungszeit. Hinzu kommt, dass im Bioweinbau die Erntemenge witterungsbedingt unkalkulierbar ist. In der Domäne Avelsbach sind die Voraussetzungen aufgrund schwerer Böden und nicht optimaler Bewindung doppelt erschwert. Eine moderne Kellerei ist Bestandteil eines Qualitätsweinbaubetriebes und im Zusammenhang mit Bioweinbau unverzichtbar. Viele Betriebe fahren heute zweiklassig, um über die Runden zu kommen. Zum einen wird für hochpreisige Weine ein Qualitätsrebschnitt mit Blick auf 5000 bis 6000 Liter pro Hektar Wein praktiziert. Zum anderen zielt man mit einem Quantitätsrebschnitt für niedrigpreisige Weine auf eine Ernte von 9000 bis 10 000 Liter pro Hektar. Im Übrigen waren die Staatlichen Weinbaudomänen Ockfen, Serrig und Avelsbach als Landes-Versuchsbetriebe schon immer auf eine Bezuschussung durch Landesmittel angewiesen. Dr. Harald Schöffling, Trier