Weingenuss mitten im Ortskern

Kasel · Menschen sollen sich begegnen und dabei heimische Weine genießen: Mit der Einrichtung einer Vinothek in Kasel wollen Winzergenossenschaft und Ortsgemeinde die alte Dorfmitte wieder zum beliebten Treffpunkt machen - und den Weinabsatz aller Winzer im unteren Ruwertal fördern. Eröffnung soll noch in diesem Jahr sein.

Kasel. Die Fassade ist frisch verputzt, über der Eingangstür prangt schon der Schriftzug "Weinmanufaktur Kasel": Die Renovierungsarbeiten am alten Genossenschaftsanwesen in der Kaseler Schulstraße stehen vor dem Endspurt. Die Winzergenossenschaft Weinmanufaktur Kasel, der 18 Nebenerwerbswinzer angehören, will dort im zweigeschossigen Hauptgebäude ein Weinlokal mit Verkaufsraum, eine sogenannte Vinothek, einrichten. Der Umbau hat vor etwa einem Jahr begonnen.
"Das Haus war nicht mehr sehr ansehnlich", erinnert sich Gerhard Biewer, Vorsitzender der Weinmanufaktur. Zudem hätten die Winzer schon länger nach einer Möglichkeit gesucht, ihre Weine vor Ort verkaufen zu können. So sei die Idee der Vinothek geboren. Um das Projekt stemmen zu können, haben die Winzer die Ortsgemeinde mit ins Boot geholt. "Wir wollen damit den früheren Dorfmittelpunkt reaktivieren", erklärt Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald die Motive der Gemeinde. "Brauchtum" solle wieder "groß geschrieben" werden. Die Vinothek, die direkt mit dem neuen Dorfplatz verbunden sein wird, solle den Menschen nach der Messe wieder eine Begegnungsmöglichkeit bieten. Wichtig sei außerdem auch der Erhalt der Weinkulturlandschaft, sagt Ewald. Ein Beispiel dafür liege direkt hinter der künftigen Vinothek. "Von dem Weinberg wird jeder Meter genutzt", lobt der Ortschef. Die Unterstützung der Vinothek solle deshalb auch die Wertschätzung des Weinbaus zeigen.
Für den ingesamt 140 000 Euro teuren Umbau erhält die Gemeinde Kasel 37 000 Euro aus dem Dorferneuerungstopf des Landes. Für die Inneneinrichtung hat die Europäische Union über die lokale Aktionsgruppe Mosel knapp 9000 Euro zugesagt. Die Kosten teilen sich Ortsgemeinde und Genossenschaft etwa zur Hälfte. Die Gemeinde kümmert sich um Dach und Außenfassade. Die Weinmanufaktur übernimmt den kompletten Innenausbau samt Gestaltung des Innenhofs, der zwischen den vier Gehöftgebäuden liegt.
Die Vinothek zieht ins Erdgeschoss ein. Dort ist ein Schankraum samt Theke mit Eichenholzboden geplant. Im Lokal können nicht nur Winzer der Genossenschaft, sondern aus dem gesamten unteren Ruwertal, ihre Produkte präsentieren. Im Parterre gibt es auch eine Küche, in der kleinere Gerichte zubereitet werden können. "Wir wollen aber nicht in Konkurrenz treten zur Gastronomie im Ort", betont Biewer. Im Hof wird es eine Außenterrasse geben. Geöffnet wird laut Biewer an drei Tagen in der Woche, "auf jeden Fall am Sonntag". Die Gemeinde darf die Vinothek ebenfalls nutzen - etwa für Sitzungen oder Empfänge. Pro Jahr sind zehn Veranstaltungen vereinbart.
Ursprünglich sollte die Vinothek schon im August öffnen. "Das haben wir dann aber wegen der Bauarbeiten verschoben", sagt Biewer. Derzeit werden in der St. Irminenstraße die Wasseranschlüsse erneuert. "Bis Oktober sind wir aber im Bereich Vinothek fertig", verspricht Ortschef Ewald.
Den neuen Eröffnungstermin schätzt Biewer auf Ende November/Anfang Dezember, "vielleicht am Nikolaustag".

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