Weinhexe mit Passion

Sie liebt die Menschen und den hiesigen Wein. Beides hat Eleonore Ley zur Passion und zum Beruf gemacht. In ihrer Gaststätte in der Saarstraße hat die Weinhexe schon manchen Gast in einen Weinkenner verzaubert.

Trier-Süd. "Ich war sofort glücklich mit dem Namen." Lange habe sie überlegt, wie sie ihre "Schoppenstube - kurze Theke" in der Saarstraße in Trier-Süd nennen solle. "Es muss mit ,Wein' anfangen", stand für Eleonore Ley - genannt Lino - fest. Denn ihre Gaststätte, 2004 frisch renoviert, sollte einen neuen Namen erhalten.

"Bei Weinzauber hat man als Gast das Gefühl, da passiert jeden Abend etwas", sagt die 66-Jährige. "Und mit zunehmendem Alter konnte ich sie ja schlecht ,Weinfee' nennen." Dann kam der Geistesblitz: Weinhexe. Ein Name, der sich in Trier etabliert hat für die Weinkneipe mit Mobiliar und Kachelofen aus dem österreichischen Montafon. Ley hat sie 1980 übernommen.

In Trier sei damals wenig Wein getrunken worden. "Es ist auch heute noch schwer, den Trierern das Weintrinken beizubringen", sagt Ley. Dabei wolle sie nicht missionieren. "Häufig genieren sich gerade junge Gäste, eine Weinprobe zu machen." Ihnen sage sie: "Sie müssen keine Weinkenntnis haben. Merken Sie sich das, was Ihnen schmeckt, und bleiben sie dabei. Denn jede Zunge ist anders." Und für jede hat Ley einen Wein im Angebot, (fast) alle aus dem Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer. Wer partout nicht mag, dem zapft sie auch ein Bier. "Das muss miteinander gehen - und das funktioniert auch."

Oft experimentiere sie in der Küche und tische ihrer Familie neue Kreationen auf, die sich später manchmal auf der Speisekarte wiederfänden - wie etwa das Trierer Weinfondue. "Meine Familie ist gedanklich immer mit dabei." Die Familie, das sind ihre beiden Töchter und ihr Lebensgefährte, den sie "Schmuckstück" nennt - "Hausmeister, Gestalter und Mädchen für alles" - aber auch die Geschwister, die nebenan ihre Arzt-Praxis haben. Durch diese Räume führt der nächtliche Heimweg in den Garten der Weinhexe. Darauf, dass dort häufig gefeiert wird, weist die große Pergola hin.

Über die Terrasse geht es ins Wohnzimmer. Dort stechen Bilder von Trierer Künstlern ins Auge. Sie fanden in der Saarstraße eine neue Bleibe, nachdem sie in der Weinstube ausgestellt worden waren. "Alle, die in Trier Rang und Namen haben, hingen hier", sagt Ley. So auch Werke von Jakob Schwarzkopf und Karl Werner Bauer - die beiden duellierten sich eines Abends beim Wettzeichnen -, Erich Kraemer und Dieter Sommer, dessen Bilder zurzeit in der Weinkneipe zu sehen sind.

"Für mich muss ein Beruf in erster Linie mit Menschen zu tun haben", sagt Ley. "Manchmal komme ich mir wie ein Moderator vor, wenn ich Leute miteinander ins Gespräch bringe." Sie schlug von Anfang an die gastronomische Laufbahn ein. Zuerst im elterlichen Kurhotel in Nittel. Als das 1979 verkauft wurde, fand sie ihr neues Domizil in der Nachbarschaft des Elternhauses in der Saarstraße.

Wann sie in Rente geht? "Gar nicht! So lange ich Erfüllung im Beruf finde, mache ich weiter. Und wenn ich mit 80 Jahren über den Hauptmarkt gehe und die Kinder rufen ,Da kommt die Weinhexe', dann habe ich mein Ziel erreicht."

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