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Weiter im Schammat und für die Trierer da

Weiter im Schammat und für die Trierer da

Im Januar wird Malu Dreyer zur rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin gewählt. Die Trierer SPD muss sich dann eine neue Chefin suchen, denn Dreyer gibt den Vorsitz dann auf. Kein Problem für die Partei, sagt Dreyer im TV-Interview.

Trier. Zehn Fragen zur Sache und zehn Stichworte, die spontan beantwortet werden müssen. Der TV hat die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin in spe, Malu Dreyer, zum "10 plus 10-Interview" gebeten. Im Gespräch mit TV-Redakteur Michael Schmitz verrät sie unter anderem, wie sie weiter für die Trierer Bürger präsent bleiben will und wie man sie so richtig ärgern kann.

Die Landes-SPD hat einen neuen Vorsitzenden. Kurt Beck, bisheriger Vorsitzender, hat der Partei Roger Lewentz als Nachfolger vorgeschlagen. Auch die SPD Trier bekommt im Frühjahr einen neuen Vorsitzenden. Wen schlagen Sie denn vor?
Malu Dreyer: Wir haben uns darauf verständigt, dass - wenn ich denn als Ministerpräsidentin gewählt bin - sich der geschäftsführende Vorstand zusammensetzt und einen Vorschlag an den zuständigen Parteiausschuss macht. Auch die Ortsvereine können natürlich Vorschläge machen. Das wird ein ganz demokratisches Verfahren. Es gibt also im Moment keinen Anlass, dass ich mit einem Vorschlag nach vorne gehe.
Man muss aber kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass eigentlich nur einer Ihrer drei Stellvertreter - Begonja Hermann, Sven Teuber oder Markus Nöhl - dafür in Frage kommt, oder?
Dreyer: Wir haben in der SPD in Trier ein vergleichbares Luxusproblem wie auf der Landesebene: Es gibt mehrere geeignete Kandidaten. Und deshalb bin ich auch gar nicht bang, dass es in Trier gut weitergeht mit der SPD.
Kurt Beck hat die SPD im Land zu Wahlergebnissen geführt, die zuvor niemand für möglich gehalten hätte, sogar für eine Alleinregierung reichte es. Für Sie und die SPD in Trier gilt das in ähnlicher Weise: Starke Kommunalwahlergebnisse und ein SPD-Oberbürgermeister stehen zu Buche. Dabei haben Sie meist im Hintergrund die Fäden gezogen. Bleibt das künftig so, egal wer Vorsitzender ist?
Dreyer: (lacht) Naja, ich halte das dann so ähnlich wie Kurt Beck auf der Landesebene. Ich bin natürlich auch in Zukunft Trierer Bürgerin, ich wohne hier und bin mit der SPD stark verbunden. Wenn mich die neue Riege künftig um meinen Rat bittet, werde ich ihn auch geben, das ist ja selbstverständlich.
Kurt Beck war als Ministerpräsident omnipräsent im Land, ist selbst während seines Mosel-Urlaubs mehrfach auf offiziellen Terminen in Trier aufgetaucht. Nun sind Sie durch Ihre Krankheit ja etwas eingeschränkter in Sachen Mobilität - wie wollen Sie es schaffen, ähnlich "nah bei de Leit" zu sein wie Ihr Vorgänger?
Dreyer: Sie kennen mich ja - ich denke, ich bin auch so ein Typ, der nah bei den Leuten ist. Die Einschränkung in der Mobilität spielt da eigentlich keine Rolle. Das ist ja wirklich nur die Frage, ob ich, wenn ich zu einem Termin komme, zu Fuß gehe oder mit dem Rollstuhl fahre. Da gibt es eigentlich gar keine Barriere. Natürlich bin ich ein Stück weit ein anderer Mensch als Kurt Beck und werde das Amt deshalb auch etwas anders führen. Aber dass ich nah bei den Menschen bin, das wissen die Menschen in Trier und in Rheinland-Pfalz ganz gut.
Wer in Trier mit Ihnen in Kontakt kommen wollte, hatte praktisch jede Woche Gelegenheit dazu, weil sie zahlreiche Termine wahrgenommen haben. Wird es die Möglichkeit künftig auch noch geben - etwa mit einer Bürgersprechstunde, wie sie auch Kurt Beck in seinem Heimatwahlkreis gemacht hat?
Dreyer: Ich bin ja Abgeordnete hier im Wahlkreis, deshalb werde ich auch meine Bürgersprechstunde hier in Trier aufrecht erhalten. Das wird vielleicht ein bisschen anders organisiert als bisher, aber nicht abgeschafft. Natürlich werde ich weiter Termine in Trier wahrnehmen, aber es ist klar, dass ich das etwas reduzieren werden muss. Trotzdem bin ich dabei auch weiter für alle Trierer ansprechbar.
Die Konstellation Ministerpräsidentin verheiratet mit Oberbürgermeister dürfte ziemlich einmalig sein. Haben Sie keine Angst, dass sich da ein gewisses Konfliktpotential verbirgt - denn politisch sind die Interessen von Land und Kommunen ja durchaus nicht immer deckungsgleich …
Dreyer: Ja, aber ich hab da gar keine Bange. Das war in der Vergangenheit auch manchmal der Fall, dass die Interessen des Landes andere waren als die der Stadt. Das ist eigentlich so eine Gratwanderung, die man auch als Landtagsabgeordnete ständig gehen muss: einerseits die Landespolitik verteidigen und um Verständnis werben, andererseits die Interessen des eigenen Wahlkreises zu vertreten. Das ist als Ministerpräsidentin und OB natürlich nochmal eine andere Situation, aber ich würde sagen, mein Mann und ich konnten das in den letzten Jahren schon sehr gut üben, wie wir unsere Rollen wahrnehmen und Beruf und Privatleben trennen. Das klappt sehr gut bei uns.

Umgekehrt könnte nun auch in anderen Landesteilen der Verdacht aufkommen, die Stadt Trier könnte sich in Zukunft besonderer Fürsorge der Ministerpäsidentin gewiss sein …
Dreyer: Die Bürger in Rheinland-Pfalz können sich darauf verlassen, dass ich mich mit dem ganzen Land verbunden fühle. Da gibt es keinen besonderen Trier-Bonus. Aber natürlich gibt es auch Themen, die wir im Land gerade bearbeiten, von denen die Stadt Trier als Großstadt besonders profitiert, etwa die Neuordnung der kommunalen Finanzen. Weil da ganz klar ist, dass Städte und Landkreise mit hohen Sozialausgaben anders berücksichtigt werden müssen als bisher.
Sie wohnen im Schammatdorf in Trier, das ein offenes und gemeinschaftsorientiertes Wohnprojekt ist. Sie haben mehrfach betont, dass Sie dort unbedingt wohnen bleiben wollen. Als Ministerpräsidentin stehen Sie demnächst natürlich unter besonderem Schutz des Staates - lassen sich diese Sicherheitsbedürfnisse im Schammatdorf verwirklichen?
Dreyer: Das ist überhaupt kein Problem. Ich glaube, da haben sich die Zeiten im Vergleich zu früher auch verändert, als beispielsweise Carl-Ludwig Wagner aus Trier noch Ministerpräsident war. Es ist völlig unproblematisch für mich, weiter im Schammatdorf leben zu können. Das ist auch gut so, alles andere will ich auch nicht.
Dennoch erwartet Sie ab dem 16. Januar ständiger Personenschutz rund um die Uhr und damit wohl noch weniger Privatsphäre als bisher. Wie gehen Sie damit um?
Dreyer: Naja, zumindest in unserem persönlichen Bereich ist ja keine Sicherheit vertreten. Wenn ich in der Öffentlichkeit bin, ist das eben nötig. Anfangs hatte ich noch etwas Schwierigkeiten bei dem Gedanken daran, aber mittlerweile habe ich mich schon daran gewöhnt.
Stichwort Gewöhnung: Hat sich Ihr Mann Klaus Jensen schon mit seiner Rolle als First Gentleman des Landes angefreundet?
Dreyer: (lacht) Da müssen Sie ihn mal selber fragen. Aber ich glaube, dass er damit keine Probleme hat; er macht schon viele Scherze darüber. Es gibt mit mir dann vier Ministerpräsidentinnen, und die Rolle der Männer ist nicht so klar definiert, wie das in der Vergangenheit umgekehrt war. Auch da haben sich die Zeiten geändert. Ich hoffe, dass er bei manchen Dingen auch mitgehen kann. Aber er hat natürlich auch selbst eine anspruchsvolle Aufgabe. Die Stadt geht für ihn vor, das ist ganz selbstverständlich. Wenn da noch Platz ist für größere Termine, dann freu\' ich mich darüber. Aber es ist schon klar, dass für uns unsere jeweiligen Berufe einfach im Vordergrund stehen.Extra

Der TV hat Malu Dreyer gebeten, auf folgende zehn Stichworte spontan zu reagieren: Deutscher Meister wird nur…(zögert) der, der am besten spielt. Jetzt BVB zu sagen, das ist dieses Jahr doch ein bisschen zu gewagt, oder? Schwarz-Gelb finde ich super, weil… (lacht) das gilt wirklich nur für den Fußball! Ich bin ja großer Dortmund-Fan. Mein erster Besuch bei der TBB als Ministerpräsidentin… der wird schön, weil wir dieses Jahr eine sehr gute Mannschaft haben. Und ich freu\\' mich drauf, auch als Ministerpräsidentin mal dabei zu sein. Mein Smartphone… benutz ich auch in Zukunft regelmäßig. Ohne Facebook… kaum vorstellbar für mich. Viez oder Wein? Wein. Pälzisch oder Trierisch? Trierisch. Heuschreck oder Rosa Karneval? Beides hat seine Vorteile. Wer mich richtig ärgern will, … der nennt mich Marie-Luise. Am meisten ärgert sich mein Mann immer über mein …muss ich das beantworten? micExtra

Malu Dreyer wurde am 6. Februar 1961 in Neustadt/Weinstraße geboren. Die studierte Juristin war von 1995 bis 1997 hauptamtliche Bürgermeisterin von Bad Kreuznach und anschließend fünf Jahre Mainzer Sozialdezernentin. Seit 2002 ist sie rheinland-pfälzische Sozialministerin. Am 16. Januar 2013 soll sie als Nachfolgerin von Kurt Beck zur ersten rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin gewählt werden. Malu Dreyer ist mit Triers OB Klaus Jensen verheiratet und wohnt seit 2004 im Schammatdorf. mic