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Welche Chance eine neue Brücke hätte

Welche Chance eine neue Brücke hätte

Nach dem je nach Sichtweise vorläufigen oder endgültigen Ende für den Moselaufstieg rückt die Idee einer neuen Moselbrücke zwischen Temmels und Mertert wieder stärker in den Blick. Solch eine Verbindung würde wohl vor allem luxemburgischen Moselgemeinden helfen.

Temmels/Igel. Es herrscht große Einigkeit. Alle wollen, dass weniger Fahrzeuge durchs enge Moseltal rollen. Nur das Wie ist weiter offen. Über Jahrzehnte hinweg war eine Mehrheit im Raum Trier sich darin einig, dass die Entlastung unter anderem durch den Bau einer neuen Straße geschehen soll, die von der B 49 zwischen Zewen und Igel zur A 64 verlaufen sollte. Dieses Projekt möchte das Land nun endgültig aufgeben. Stattdessen sollen Ortsumgehungen Zewen und Igel entlasten (der TV berichtete).
Nun wird eine weitere Variante diskutiert. Beim Spatenstich für die neue Moselbrücke bei Grevenmacher hat Luxemburgs Infrastrukturminister Claude Wiseler den Bau einer weiteren Brücke zwischen Temmels und Mertert wieder ins Spiel gebracht. Auch mehrere Leserbriefschreiber wünschen sich diesen Bau. Über diese Brücke würde der Autobahnzubringer zur luxemburgischen A 1 über die Mosel hinweg auf die deutsche Seite verlängert. Auch für Menschen aus dem Raum Trier könnte dies eine Alternativstrecke zur Route Trier-Igel-Wasserbillig werden. Eine Studie des Instituts Modus Consult geht davon aus, dass rund 800 Fahrzeuge täglich weniger durch Igel oder Zewen fahren würden, wenn eine weitere Moselbrücke gebaut wird. Laut Modus Consult würden rund 12 600 Fahrzeuge über die Temmelser Brücke fahren. Zum Vergleich: In Wasserbilligerbrück queren täglich rund 15 200 Fahrzeuge die Sauer, in Grevenmacher queren rund 16 300 Fahrzeuge die Mosel.
Doch was ist dran an der Idee des Ministers?

Das sagt das luxemburgische Infrastrukturministerium: "Die luxemburgische Regierung steht diesem Projekt sehr positiv gegenüber", sagt Ministeriumssprecherin Danielle Frank. Die Brücke führe zu einer direkten Verkehrsentlastung für eine Reihe von Dörfern an der luxemburgischen Mosel. Die Straßenbauverwaltung des Landes hat inzwischen eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Frank erinnert an eine gemeinsam mit Rheinland-Pfalz in Auftrag gegebene Untersuchung zum grenzübergreifenden Verkehr. "Diese habe ergeben, dass eine zusätzliche Moselbrücke und eine Westumfahrung Triers sich ergänzen würden."

Das sagt das rheinland-pfälzische Innenministerium: "Derzeit gibt es keine Planungen zu einem solchen Projekt", sagt Joachim Winkler, Sprecher des zuständigen Mainzer Innenministeriums. Eine Brücke bei Temmels würde zwar lokale Probleme in Grevenmacher lösen. Es käme jedoch gleichzeitig "zu einer Verkehrsverlagerung der wachsenden Pendlerströme auf die Gemeinden Oberbillig, Wasserliesch und Temmels." Rund 2000 Fahrzeuge zusätzlich würden auf der B 419 im Jahr 2025 unterwegs sein.

Das sagt das Bundesverkehrsministerium: Ehe eine weitere Moselbrücke gebaut werden kann, muss das Land Rheinland-Pfalz das Vorhaben für den Bundesverkehrswegeplan anmelden. Das sagt Sprecherin Petra Bethge. Da der neue Plan für die Jahre 2015 bis 2025 gilt, ist eine neue Meldung wohl erst für die Zeit nach 2025 möglich.
Zudem schränkt Bethge ein, dass berücksichtigt werden müsse, ob und mit welcher Dringlichkeit das nahe gelegene Projekt Moselaufstieg Trier in den neuen Bundesverkehrswegeplan aufgenommen werde. Ihr Ministerium wird sowohl West- als auch Nordumfahrung auch dann neu bewerten, wenn diese vom Land nicht mehr angemeldet werden. Schließlich gehe es um Bundesprojekte: "Folglich entscheidet letztlich nicht das Land, sondern der Bund über deren Zukunft."Extra

Das Mobilitätskonzept 2025 der Stadt Trier sieht langfristig den Neubau einer Nordbrücke über die Mosel vor (der TV berichtete). Variante eins setzt im Bereich Verteilerkreis Nord an, Variante zwei in Höhe Moselstadion. Die Nordbrücke soll die Kaiser-Wilhlem-Brücke entlasten und eine direkte Verbindung schaffen: auf der einen Seite die Stadtteile Biewer, Pfalzel und Ehrang mit den Gewerbegebieten, auf der anderen Seite Trier-Nord und die Zufahrt zur Innenstadt. Das Konzept knüpft den Bau an weitere Maßnahmen wie die Umgestaltung der Römerbrücke und den Wasserwegdurchbruch. Die Nordbrücke hat für die Stadt "keine Priorität". cus