Porträt der Ortsgemeinde Schauplatz der Gegensätze: Als Welschbillig eine Stadt war (Fotostrecke)

Viele neu entstehende Gebäude in Randlage und ein prominentes zerstörtes Bauwerk im Ortskern: TV-Gastautor Thomas Konder über den 1800 Seelen-Ort Welschbillig, der sich zurzeit als eindrucksvoller Schauplatz der Gegensätze zeigt.

Fotos: Welschbillig war einmal eine Stadt
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Welschbillig war einmal eine Stadt

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Foto: Thomas Konder

Welschbillig, Wiege meiner Kindheit, aufstrebender Tummelplatz im Trierer Land und ein Ort, in dem Jahrhunderte währende Geschichte greifbar ist. Während am westlichen Ortsrand unweit der Verkehrsader B 51 eine der größten Dorferweiterungen in der Region derzeit Wohnraum für mehr als 500 Neubürger schafft, führt der Blick gleichzeitig zu einem schicksalhaften Anlass, der vor genau 350 Jahren das alte Welschbillig versinken ließ.

Welschbillig war einmal eine Stadt

Was für viele vielleicht ungewöhnlich klingt: Welschbillig, das Dorf mit der Burg und der markanten Kirche, galt einmal als Stadt. Zusammen mit Bernkastel, Saarburg, Wittlich und weiteren Orten verlieh der römisch-deutsche König Rudolf von Habsburg im Jahr 1291 Welschbillig die Stadtrechte. Die vorhandene Wasserburg wurde zu diesem Anlass zu einer prächtigen Festung ausgebaut.

 Entstanden auf römischen Fundamenten: Blick auf die einstige Stadt Welschbillig mit der vor 350 Jahren zerstörten Wasserburg.

Entstanden auf römischen Fundamenten: Blick auf die einstige Stadt Welschbillig mit der vor 350 Jahren zerstörten Wasserburg.

Foto: Thomas Konder

Doch Anfang 1674 wurde das Städtchen im Holländischen Krieg von Truppen des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV heimgesucht. Wie eine brutale Walze drangen sie an die Mosel und nach Trier vor und hinterließen eine tödliche Schneise. 80 Soldaten besetzten die herrschaftliche Burg, zerstörten sie zu weiten Teilen und brannten den Ortskern nieder. Welschbillig lag am Boden, erholte sich nur langsam und wurde daraufhin nicht mehr als Stadt bezeichnet, sondern zum „Flecken“ abgewertet.

Zwar erinnern die aufragenden Reste der Burg bis heute an diesen Schreckensmoment, doch gemeinsam mit Kirche, Pfarrhaus, Pfarrscheune und dem teilrekonstruierten Hermenbrunnen verleihen sie dem Ort als romantisches Ensemble einen besonderen Charme. Die gute Erreichbarkeit aus Richtung Trier, Bitburg und Luxemburg macht das in meiner Kindheit von Handwerk, Landwirtschaft und Brauchtum geprägte Dorf längst zu einem quirligen Standort. Der beschauliche Blick von der Anhöhe „auf Geid“ bildet das historische Dorfzentrum mit seinen ortsbildprägenden Gebäuden ab. In ihnen stecken viele Geschichten und ein paar davon wollen wir hier erzählen.

Autor Thomas Konder ist in der Gemeinde Welschbillig aufgewachsen und leitet im Beruf die Pressestelle der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm. Für den Trierischen Volksfreund engagiert er sich als Gastautor für zeitgeschichtliche, regionale Themen
(info@konderkonzept.de).

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