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Weltkriegs-Bombe in Trier-Ehrang: 800 Menschen müssen am Sonntag ihre Wohnungen verlassen (Fotos/Videos/Karte)

Weltkriegs-Bombe in Trier-Ehrang: 800 Menschen müssen am Sonntag ihre Wohnungen verlassen (Fotos/Videos/Karte)

Bei Bauarbeiten ist neben der Heinestraße in Trier-Ehrang eine 125-Kilo-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden worden. Voraussichtlich am Sonntagvormittag soll der Blindgänger entschärft werden. Rund 800 Anwohner müssen dann ihre Wohnungen verlassen.

Während von den Polizisten, Feuerwehrleuten und Sprengstoffexperten, die um die Bombe herumstehen, noch keiner so richtig weiß, wie es nun weitergeht, packt Andreas Eckert an und hievt rot-weiße Absperrungen vor die Grube, in der die Bombe liegt. Eckert war es auch, der den 125-Kilo-Sprengkörper am Freitag gegen 12 Uhr gefunden hat. "Das merkt man sofort, wenn man so was unter der Schaufel hat", sagt der Saarländer. Seit einem Vierteljahrhundert ist er Baggerfahrer. Bomben hat er schon etliche freigeschaufelt. "Als wir den Bahnhof in Saarbrücken vor 20 Jahren neu gemacht haben, hatten wir jeden Tag Bombenstimmung", witzelt er.

Diesmal liegt das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg in einer etwa 80 Zentimeter tiefen Grube neben der Heinestraße in Trier-Ehrang. Die Straßen der Wohnsiedlung zwischen Ehranger Straße und Bahnlinie werden zurzeit erneuert. Auf der freien Wiese, unter der die Bombe schlummerte, sollen zwei neue Wohnhäuser samt Parkplätzen entstehen.

"Ganz einfach wird die Entschärfung nicht", sagt Kurt Mazzucco vom Kampfmittelräumdienst des Landes Rheinland-Pfalz. Denn die erste Zündstufe der Bombe sei bei deren Aufprall vor gut 70 Jahren (siehe Info) offenbar explodiert.

"Diese erste Detonation löst normalerweise die Zündnadel aus, die dann die sogenannte Übertragungsladung in einer zweiten Zündkammer explodieren lässt. Erst diese zweite Explosion löst dann die Sprengung der Bombe aus", erklärt Mazzucco. Durch die Explosion der ersten Zündkammer sei die Bombe "entsichert". Akute Gefahr herrsche trotzdem nicht. "Solange da jetzt keiner draufschlägt, passiert nichts", erklärt der Sprengstoffexperte.

"Ich zittere trotzdem am ganzen Leib", sagt Pebbels Philippi, die mit ihrem Mann Georg im Haus direkt gegenüber der Fundstelle wohnt. Aus ihrem Fenster im ersten Stock beobachten die beiden die Szenerie. "Quatsch, das Ding hat sich 70 Jahre nicht gemuckst, dann wird es jetzt ja wohl auch noch Ruhe halten können", beruhigt Georg Philippi seine Ehefrau. "Trotzdem ist's irgendwie komisch", sagt Pebbels.

Zwei Jugendliche stellen sich an die Absperrung, um die Bombe mit ihren Handys zu fotografieren. "Keine Angst, es kann nichts passieren", beruhigt sie ein Polizist, der die Bombe bewacht und in den nächsten Stunden von Kollegen abgelöst wird, die die Nachtschicht übernehmen.

"Sonst sieht man hier nie jemanden auf der Straße, und plötzlich kommen sie alle aus ihren Löchern", kommentiert Werner Lenniger die Szene. Er wohnt im Erdgeschoss des Hauses vis a vis der Bombe. "Meine Frau hatte gerade das Essen auf dem Herd, als es hier losging", erzählt der 68-Jährige. Er selbst sei am Vormittag in der Stadt gewesen. "Als ich zurückkam, hieß es dann, da sei eine Bombe gefunden worden. Erst wollte ich es nicht glauben, aber es ist tatsächlich so", sagt er. Angst habe er keine. "Wenn der da oben mich holen will, dann holt er mich sowieso", sagt er und zeigt gen Himmel.

Die ersten Häuser der Siedlung in Nähe des Ehranger Bahnhofs baute die Bahn für ihre Mitarbeiter in den 1920er Jahren. Heute wird das Quartier von der Wohngenossenschaft Saarland verwaltet. Mehr als Hundert Familien wohnen dort.

In den kleinen Gärten blühen meterhohe Sonnenblumen. Eine Frau schneidet direkt neben der Bombenabsperrung ungerührt das durch das nass-warme Wetter gewucherte Unkraut zurück. Das nahe Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg scheint sie nicht zu stören.

Einen Liveticker zur Bombenentschärfung gibt es am Sonntagmorgen hier auf www.volksfreund.deBOMBENHAGEL AUF TRIERS BAHNANLAGEN

Im Kampf gegen Hitlers Ardennenoffensive griffen die Amerikaner mit Unterstützung der Engländer im Dezember 1944 Trier an. Die Alliierten wollten sicherstellen, dass die deutsche Wehrmacht über Trier keinen Nachschub mehr per Eisenbahn erhalten konnte. Deshalb wurden nicht nur der Hauptbahnhof, sondern auch der Ehranger Bahnhof und die Pfalzeler Bahnbrücke bombardiert. Die am Ehranger Mittelplatz - unweit von den Ehranger Bahnanlagen entfernt - gefundene amerikanische Fliegerbombe stammt wohl von einem dieser Angriffe. 800 Menschen werden in Sicherheit gebracht

Foto: TMVG

(woc) Der Kampfmittelräumdienst wird die Bombe am Sonntagvormittag entschärfen. Da nicht ausgeschlossen werden kann, dass der Blindgänger explodiert, wenn die Zündkapsel gelöst wird, dürfen sich im Umkreis von 300 Metern keine weiteren Menschen aufhalten. "Würde die Bombe tatsächlich hochgehen, gäbe es definitiv schwere Schäden an den Häusern und weit fliegende Splitter", sagt Sprengstoffexperte Kurt Mazzucco. Das Ehranger Marienkrankenhaus liegt außerhalb der Evakuierungszone. Auch die B 53 ist nicht betroffen. Auf der Bahnlinie dürfen während der Entschärfung allerdings keine Züge fahren, auch die Straßen im Evakuierungsgebiet - darunter die Ehranger Straße - werden für den Verkehr gesperrt. In der Evakuierungszone wohnen rund 800 Menschen. Sie müssen am Sonntag bis spätestens 9 Uhr ihre Wohnungen verlassen haben.
Folgende Straßen sind betroffen:Breitenbachstraße: komplett, Lindenplatz: komplett, Heinestraße: komplett, Mittelplatz: komplettDrosselweg: komplett, Schulstraße: Hausnummern 1 bis 19 ungerade und 2 bis16 geradeEhrangerstraße: 137 bis 174 und 70 bis 28, Mosaikstraße: komplett, Tonstraße: komplettEduard-Beckingstraße: Hausnummern 4 und 6, Auf dem Adler: 19, 25, 31 und 33.Alle Anwohner werden am Samstag per Handzettel über die Evakuierung informiert. Wer nicht zu Freunden oder Verwandten will, ist am Sonntag ab 8 Uhr in der von der Stadt eingerichteten Notunterkunft im Friedrich-Spee-Gymnasium willkommen.
Wer Hilfe benötigt, zum Beispiel, weil er alleine nicht die Wohnung verlassen kann, meldet sich vorab beim Bürgertelefon unter 0651/718-1817 , die Leitungen sind ab Samstag, 8 Uhr, geschaltet.
Nach der Kontrolle, ob alle Wohnungen geräumt sind, soll die Entschärfung der Bombe gegen 10 Uhr beginnen. Den Zünder vom Sprengkörper zu lösen, dauert mindestens 30 Minuten. Sobald der Kampfmittelräumdienst Entwarnung gibt, können die Anwohner zurück in die Häuser.