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Wenig Veränderung, viel Aha-Effekt

Wenig Veränderung, viel Aha-Effekt

TRIER. "Möglichst viel vom Mittelalter zeigen" soll der Frankenturm nach seinem Innenausbau. Die Pläne dazu erstellt Architekt Gerd Kintzinger in enger Abstimmung mit dem städtischen Amt für Denkmalpflege.

Mit historischen Gemäuern kennt sich Architekt und Denkmal-Sanierer Gerd Kintzinger bestens aus. Zu seinen Referenz-Projekten zählen die Villa Reverchon, die Biewerer St.-Jost-Kapelle und die Synagoge Wawern sowie mehrfach ausgezeichnete Dorfplanungs-Projekte. Seinem Faible für Denkmäler kann er nun an einem ganz erlesenen Objekt frönen. Kintzinger plant im Auftrag der Trier-Gesellschaft die Restaurierung und den Innenausbau des Frankenturms. "Eine überaus reizvolle, aber nicht ganz einfache Aufgabe", wie er sagt.Gläserner Haupteingang an der Dietrichstraße

Reizvoll, weil der "Ur-Trierer" und Sproß des früheren TV-Lokalredaktions-Chefs Josef Kintzinger (1905-1978) den mittelalterlichen Wohnturm seit frühester Kindheit kennt und sich "immer gefragt hat, warum man nicht in das eindrucksvolle Gebäude hineingehen kann". Schwierig, weil der 58-Jährige vielerlei Vorgaben zu beachten hat. Die neben dem finanziellen Aspekt wichtigste: "Die Denkmalpflege gibt die Grundvorstellungen vor. Wir stehen in ständiger Abstimmung." Seit er im Mai 2004 den Auftrag für eine Vorentwurfsplanung erhalten hat, erarbeitete der Architekt mehr als ein halbes Dutzend Varianten. Obwohl die letztendliche Entscheidung noch aussteht, kristallisiert sich folgende Lösung heraus. Ab kommendem Sommer wird der Frankenturm von allen überflüssigen und desolaten Bauteilen im Inneren befreit. Seinen neuen Haupteingang erhält der Frankenturm an der Dietrichstraße. Kintzinger: "Wir wollen das 1806 geschaffene Tor öffnen." Glastüren sollen den Blick in die Galerie ermöglichen. Das Erdgeschoss wird auch Toiletten und einen kleinen Technik-Raum beherbergen. Eine neue Treppe führt ins Prunkstück der 900 Jahre alten Ex-Luxusbehausung eines Trierer Stadtadels-Clans. Die Beletage entsteht exakt auf der Höhe des ursprünglichen romanischen Hauptgeschosses und wird damit 80 Zentimeter niedriger liegen als die heutige provisorische Geschoss-Ebene in knapp sieben Metern Höhe, die laut Kintzinger "die Proportionen des Raumes verfälscht". Die Tieferlegung bringt auch den zugemauerten Mittelalter-Kamin zu voller Geltung. Abgesehen von der behutsamen Freilegung des Kamins, Ausbesserung schadhafter Stellen mit artgleichem Material und einer Oberflächenreinigung soll an dem Gemäuer nichts verändert werden, um authentisch zu zeigen "wie die Jahrhunderte ihre Spuren hinterlassen haben". Kintzinger stützt sich bei seinen Planungen auf Bauforschungs-Ergebnisse des ersten Stadtkonservators Friedrich Kutzbach (1873-1942), der lobenswerte Grundlagenarbeit geleitet habe. Ein dickes Lob zollt Kintzinger auch dem Vorstand der Trier-Gesellschaft, deren in den vergangenen Monaten vom TV unterstützte Initiative den Frankenturm aus seinem Schattendasein herausholen und wiederbeleben wird. Der Architekt war von Elan und Engagement der Vereinsspitze so begeistert, dass er dem Verein spontan beitrat. Gut 250 000 Euro dürfte die Projekt-Realisierung kosten. Die Zukunft verbaut sie nicht. Der Einbau eines Aufzuges oder die Nutzung des zweistöckigen Kellers bleiben als Optionen bestehen, sind aber aus finanziellen Gründen vorerst nicht möglich. Wenn alles klappt, kann die Trier-Gesellschaft am 14. April 2007, ihrem 25. Gründungstag, den für Besichtigungen und kleinere Veranstaltungen hergerichteten Frankenturm an die Stadt zurückgeben. Kintzinger: "Dann wird sich endlich niemand mehr fragen müssen, warum dieses so bedeutende Denkmal ein Mauerblümchen-Dasein führt."