Weniger Flüchtlinge: Kreis Trier-Saarburg trennt sich von Immobilie in Kenn

Weniger Flüchtlinge: Kreis Trier-Saarburg trennt sich von Immobilie in Kenn

Der frühere Dachdeckereinkauf wurde nicht als Unterkunft benötigt. Statt Flüchtlingen zieht eine Firma aus Trier ein.

Vor anderthalb Jahren hatte es der Kreis Trier-Saarburg sehr eilig mit dem Erwerb der ehemaligen Halle des Dachdeckereinkaufs in Kenn. Die Zuweisung von Asylbewerbern war 2015 um das Vierfache im Vergleich zum Jahr 2014 angestiegen - auf 1400 Personen. Panik machte sich im Kreishaus breit und es mussten auf die Schnelle Gemeinschaftsunterkünfte für die vielen Flüchtlinge her. So kam es auch zum Erwerb der Immobilie in Kenn, ein früheres Verwaltungsgebäude mit Lagerhalle, für 1,4 Millionen Euro (der TV berichtete).

Weitere 30.000 Euro investierte der Kreis in den Brandschutz am Objekt. Im zweigeschossigen Verwaltungsgebäude sollten 70 Asylbewerber wohnen, weitere 70 sollten in 18 angemieteten Wohncontainern auf dem Hof unterkommen. Die ersten Asylbewerber sollten im Dezember 2015 kommen. So hatte es der Kreis den Kenner bei einer Bürgerversammlung angekündigt (der TV berichtete). Auch wollte der Landkreis in einer Lagerhalle ein Logistikzentrum einrichten. Dort sollten unter anderem Möbel und Betten für die Flüchtlingsunterkünfte in der Region Mosel/Eifel/Hochwald zwischengelagert werden.

Damals konnte keiner ahnen, dass sich aufgrund des Flüchtlingsdeals mit der Türkei und anderer Entwicklungen die Lage schnell wieder entspannen würde. Heute sind die Gemeinschaftsunterkünfte im Kreis nur noch spärlich mit Flüchtlingen gefüllt (siehe Info).

Gestern Abend hat der Kreistag beschlossen, sich von der Liegenschaft in Kenn, die seit dem Ankauf leergestanden hat, zu trennen. Zum Verkauf weiterer Objekte könne momentan keine Aussage gemacht werden, so Kreissprecherin Martina Bosch. Es werde geprüft, ob es weitere Immobilien gebe, die sich für einen Verkauf anbieten.
Die ehemalige Dachdeckereinkauf-Immobilie in Kenn verkauft der Kreis für 1,45 Millionen Euro an das Trierer Ingenieurbüro sbt - Paul Simon & Partner. Die in der Trierer Alkuinstraße ansässige Firma, die ein Untersuchungslabor für Baustoffe betreibt, suchte schon seit geraumer Zeit nach einer größeren Fläche.
Die Immobilie in Kenn entspreche genau den Erwartungen von sbt, sagt Geschäftsführer und Mitinhaber Dieter Thelen. Der Betrieb in Trier sei zwar erst 2009 umgebaut worden, doch seit dieser Zeit habe sich die Mitarbeiterzahl verdoppelt - von 25 auf 50. Den neuen Standort habe man inbesondere wegen der besseren Verkehrsanbindung gewählt, so Thelen.

Die Wohnmodule auf dem Betriebshof in Kenn, das ist Grundlage des Verkaufsvertrags, bleiben bis zum Ablauf ihrer Mietzeit im Januar 2020 an Ort und Stelle. Der Kreis kann sie bei Bedarf unentgeltlich als Notunterkunft nutzen, falls die Zahl der Asylbewerber wieder ansteigen sollte.Info

Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge im Kreis

Schweich: 23 Personen, davon 13 in einem Holzbau und zehn in Containern
Kell am See: acht Personen in Containern.
Reinsfeld (ehemaliges Hotel): 25 Personen.
Saarburg (Räume in der ehemaligen Kaserne): 30 Personen.
Konz: Die Umzüge in Container stehen bevor. Danach ergeben sich laut Kreis folgende Belegungen: 29 Personen im ehemaligen Kuag-Wohnheim, 13 in einem Holzbau zehn in Containern.

Ferner hat der Kreis mehrere Hotels angemietet, in denen anerkannte Flüchtlinge untergebracht sind, beispielsweise in Leiwen, Bekond und Konz.Kommentar

Gewerbebrache vermieden

Der Kreis hat Glück, dass er die Immobilie schnell und ohne finanzielle Einbußen losgeworden ist. Sonst hätte ein Wertverlust gedroht - und Kenn eine Gewerbebrache. Wenn die Flüchtlingssituation so entspannt bleibt, kann der Kreis an weitere Verkäufe oder Umnutzungen denken.
a.follmann@volksfreund.de

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