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Wenn Buchstaben wie große Rätsel sind

Wenn Buchstaben wie große Rätsel sind

Rund 10 000 Trierer im erwerbstätigen Alter können Experten zufolge nicht richtig lesen oder schreiben. Das Trierer Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung hat verschiedene Methoden getestet, wie Bildung nachgeholt werden kann.

Trier. Lesen und Schreiben gehören zu den Grundvoraussetzungen, um gesellschaftlichen Anforderungen gerecht zu werden. Mehr als 14 Prozent aller erwerbstätigen Menschen in Deutschland sind dazu nicht in der Lage - sie gelten als sogenannte funktionale Analphabeten". Im Kampf gegen funktionalen Analphabetismus hat das Trierer Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung verschiedene Lernansätze in Workshops getestet. Ziel des "Stärken vor Ort"-Projekts war es, eine möglichst heterogene Zielgruppe anzusprechen.
"Es gibt nicht den funktionalen Analphabeten", sagt Koordinatorin Nina Krämer. Unabhängig von Geschlecht, Alter oder dem Bildungsabschluss seien alle Bevölkerungsgruppen betroffen. "Da muss man ganz breite Zugänge wählen, um möglichst viele wieder für das Lernen begeistern zu können", sagt Krämer. In den Workshops wurden daher unterschiedliche Methoden ausprobiert: Der Zusammenhang zwischen Bildung und gesunder Ernährung wurde ebenso thematisiert wie spielerische Motivation über Lernprogramme auf einer Spielkonsole.
Die Kurse und Informationsveranstaltungen richteten sich nicht allein an Betroffene, sondern an Menschen, die in ihrem beruflichen oder privaten Umfeld mit funktionalen Analphabeten zu tun haben. Arbeitgeber, Lehrkräfte oder Mitarbeiter aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sollen geschult werden. "Wir wollen die Multiplikatoren dazu qualifizieren, dass sie anders mit dem Problem umgehen und wissen, wo es Hilfestellung gibt", sagt der Leiter des Trierer Bündnisses Rudolf Hahn.
In den Bereich Grundbildung gehören auch Kenntnisse im EDV-Bereich. Daher werden über das "Stärken vor Ort"-Projekt drei Laptop-Wagen in den Trie rer Stadtteilen Nord, West und Ehrang eingesetzt. Es stehen Computer mit Internetanschluss und ein Ansprechpartner bereit. Der Bedarf ist groß, auch Gewerkschaften oder Jobcenter haben den Laptop-Wagen bereits angefragt.
Dort kann man unter anderem eine Einführung in das umfangreiche Lehrangebot der Internetplattform www.ich-will-lernen.de erhalten. Das vom Deutschen Volkshochschul-Verband entwickelte Portal enthält mehr als 31 000 interaktive Übungen zum Lesen, Schreiben und Rechnen. Man kann für sich alleine lernen oder die Unterstützung eines Online-Tutors in Anspruch nehmen, der die Lernerfolge begleitet und bei Fragen weiterhilft. Über das integrierte soziale Netzwerk Alpha VZ können sich Teilnehmer mit anderen Betroffenen austauschen. Für Fortgeschrittene gibt es Übungen in Fremdsprachen oder zur Vorbereitung auf den Schulabschluss. Das Angebot ist kostenlos und anonym.
Extra

Im Rahmen des Förderprojekts "Lernen vor Ort" hat sich im September 2011 das "Trierer Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung" gegründet (der TV berichtete). Mit 70 Mitgliedern aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Politik und Verwaltung ist es das größte Alphabündnis in Deutschland. Ziele sind die Weiterentwicklung von Beratungs- und Lernangeboten, der Erfahrungsaustausch sowie die Sensibilisierung von Öffentlichkeit und Arbeitgebern. maf