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Wenn Bücher spurlos verschwinden

Wenn Bücher spurlos verschwinden

TRIER. Jeder Student fürchtet die Situation: Man steht kurz vor einer Prüfung oder einer Abschlussklausur und sucht ein wichtiges Lehrwerk. Statt dessen findet man in der Universitätsbibliothek eine Lücke im Regal. Das Buch ist verstellt, vermisst, gestohlen.

"Mir ist es im letzten Semester zweimal passiert, dass ich für eine Prüfung in der Universitätsbibliothek ein Buch gesucht habe, aber nichts finden konnte. Laut Bibliothekskatalog hätte das Buch vorhanden sein müssen, und ich habe in dem verzeichneten Regal mehrmals nachgeschaut - keine Spur. Und das über Wochen." Über das Phänomen, von dem Melanie Müller (Name von der Redaktion geändert), Studentin der Germanistik an der Universität Trier, berichtet, klagen viele Studenten. Wenn Bücher vermisst würden, gehe es nicht immer um Diebstahl, unterstreicht die leitende Bibliotheksdirektorin Hildegard Müller: "In den seltensten Fällen handelt es sich um echte Verluste. Oftmals werden Bücher von Studenten einfach nicht ins Regal zurückgestellt oder bewusst versteckt. Als vermisst gemeldete Bücher tauchen dann nach Wochen oder Monaten wieder auf." Falls ein Buch im angegebenen Regal nicht auffindbar sei, bestehe die Möglichkeit, einen Suchauftrag einzureichen, erklärt Carola Schmigalla von der Reklamationsstelle. "Wenn das Buch nach zwei Tagen tatsächlich nicht von uns gefunden wird, kann es per Fernleihe von einer anderen Bibliothek angefordert werden. In der letzen Zeit haben wir keinen Anstieg der Verluste festgestellt, aber es werden natürlich immer wieder so genannte ,Nester' entdeckt." Das sind Verstecke mit einer Sammlung von Büchern aus bestimmten Fachgebieten. Auf diese Weise versuchen einzelne Studenten, Lehrmaterial für sich zu "reservieren". Enormer technischer Aufwand

Da die Universität Trier eine Freihandbibliothek unterhält, lassen sich solche Fälle der "Räuberei" nur schwer unterbinden, zumal ein effektives Sicherungssystem innerhalb der Bibliotheksräume nur mit einem enormen technischen Aufwand umzusetzen wäre. Den genervten Studenten bleibt vorerst also nur eins: zu hoffen, dass das Unrechtsbewusstsein bei ihren Kommilitonen wächst. Und die Übeltäter darüber nachdenken, was das Fehlen des Lehrbuches für andere bedeutet, bevor sie es irgendwo liegen oder unter einem Regal verschwinden lassen.