Unterkunftsvermittlung Airbnb immer beliebter: Wenn das Gästezimmer zur Geldquelle wird

Unterkunftsvermittlung Airbnb immer beliebter : Wenn das Gästezimmer zur Geldquelle wird

Die Unterkunftsvermittlung Airbnb wird auch im Raum Trier immer beliebter. Auch gewerbliche Anbieter mischen mit. Nicht alle sind darüber glücklich.

Als Boris an einem Abend im November an der Tür von Rouven Schneider in Trier-Kürenz klingelt, ist er erschöpft. Boris kommt aus London, wo er ein Praktikum gemacht hat. Er studiert in Amsterdam, stammt aber aus Bulgarien. Eine moderne Studentenbiografie. Nun ist der 21-Jährige in Trier, weil er bei einer Bank in Luxemburg ein Praktikum macht.

Rouven Schneider (45) öffnet die Tür, bittet ihn herein, fragt ihn, ob er ein Bier möchte. In dem Moment wird Boris klar, dass er eine gute Wahl mit seiner Airbnb-Unterkunft getroffen hat.

Einen Monat später stehen Boris und Rouven auf dem großen Balkon von Schneiders Wohnung und stoßen erneut mit einem Bier an. Boris hat mittlerweile eine Wohngemeinschaft gefunden, in die er demnächst einziehen wird. Die Zeit bei Rouven hat er genossen. Oft hat er mit ihm Fußballspiele auf der Leinwand im Wohnzimmer geschaut. Rouven hat ihn auch seinen Freunden vorgestellt. Im Sommer grillt er mit ihnen, Nachbarn und Freunden im Garten und serviert einen anständigen saarländischen Schwenker aus seiner Heimat.

Eigentlich vermieten bei Airbnb zumeist Privatpersonen nur Unterkünfte, Schneider hat aber Spaß daran, seinen Gästen mehr zu bieten. Mit Erfolg. „Ich bin sehr glücklich, hier gelandet zu sein“, sagt Boris. Er habe nicht nur eine Airbnb-Unterkunft gefunden, sondern auch eine gute Zeit gehabt. „Ich liebe genau das“, sagt Schneider. „Die meisten Leute, die Airbnb nutzen, sind sehr aufgeschlossen. Ich hatte noch nie mit so vielen Leuten so viel Kontakt. Früher habe ich die Welt bereist, nun kommt die Welt zu mir.“ Gerade hat er eine Nachricht auf dem Handy empfangen. Morgen kommt ein Pärchen aus der Ukraine.

Schneider arbeitet als Werbetechniker. Das Haus hat er 2013 mit Freunden gebaut. Zwei Wohnungen gehören ihm. Die Zwei-Zimmer-Wohnung unter ihm hatte er günstig an eine syrische Flüchtlingsfamilie vermietet, die nun nebenan wohnt. In seiner Wohnung gehen vom Flur noch zwei Zimmer ab, die er damals je mit einem eigenen Badezimmer versehen hatte. Zuerst wohnten dort zwei Cousins von ihm, dann nutzte er die Räume mit seiner damaligen Freundin. Im Sommer trennten sie sich, und plötzlich hatte Schneider zwei Zimmer über. Eine Wohngemeinschaft wollte er nicht gründen. „Am Ende passt es nicht, und du bekommst die Leute nicht mehr raus.“

Airbnb hingegen sei einfach zu handhaben. Der Anbieter behalte drei Prozent der Einnahmen, und bei Schäden von Gästen sei man über die Plattform versichert. Wenn Schneider mal keine Lust auf Gäste hat, nicht da ist oder Freunde oder Familie vorbeikommen, nimmt er keine Gäste an.

Und er verdient Geld mit den Vermietungen. Das eine Zimmer vermietet er für rund 25 Euro, das andere für 45 Euro die Nacht. Gerade renoviert er die andere Wohnung, die möchte er dann auch bei Airbnb anbieten. „Das Konzept ist sehr gelungen.“

Wie viele Airbnb-Angebote es in Trier gibt, ist nicht ganz eindeutig, da bei einer Suche nach Trier auch Angebote aus Luxemburg oder Bernkastel auftauchen. Knapp 300 Angebote sind es, darunter 160 Wohnungen und 30 Häuser. Die Stadt Trier spricht von rund 100 Betten. Es findet sich alles vom Zimmer bis zum kompletten Haus. Sogar ein Zelt wird angeboten.

So gibt es etwa ein „gemütliches Dachgeschosszimmer“, ein „Zimmer mit Moselblick und Frühstück“, eine „Single-Wohnung im Retrostil“ oder eine „Zwei-Zimmer Wohnung mit Küche und Bad am Waldrand“. Gewerbliche Anbieter finden sich ebenfalls. So bietet die Firma Holiday Trier „Luxus Ferienwohnungen & Apartments“.

Das Geschäftsmodell von Airbnb und anderen Anbietern ruft  auch Kritik hervor (siehe Info). Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sagt: „Für den Wohnungsmarkt ist das derzeit kein Problem. Zudem unterliegen die Anbieter ebenso der Trierer Bettensteuer.“

Hotelbetreiber sehen das allerdings etwas anders. Andrea Weber, Chefin des Deutschen Hofs in Trier, sagt: „Als Unternehmerin habe ich nichts gegen Airbnb. Es gibt einen Markt für diese Art von Unterkünften, und das ist zu respektieren.“ Deshalb werde der Deutsche Hof im Frühjahr auch selbst sechs Wohnungen in der Saarstraße an Touristen vermieten, auch über Airbnb. Weber sagt: „Als Hotel müssen wir immer mehr kostenintensive Auflagen zu Sicherheit, Abgaben, Hygiene, Barrierefreiheit oder Brandschutz erfüllen.“ Sie fordert: „Gleiches muss auch für Airbnb-Anbieter gelten.“

Das findet auch der Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Rheinland-Pfalz, Gereon Haumann: „Es kommt durch ungleiche Auflagen zu Wettbewerbsverzerrungen und dadurch zu wirtschaftlichen Nachteilen für Hotel-Anbieter, Pensionen und andere gewerbliche Anbieter.“ Die Auflagen an Airbnb müssten nicht zwangsweise mehr werden, die von Hotels könnten auch verringert werden. „Es muss gerecht zugehen.“

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