Wenn das Rad zum Zug kommt

Ingo Bade ist guter Dinge. Seit einigen Monaten geht der Langzeitarbeitslose wieder einer Beschäftigung nach. In der Radstation Paderborn ist er im Service tätig. Bade und seine Kollegen haben offenkundig gut zu tun.

Paderborn. Rund 250 überdachte Stellplätze zählt die Anlage am Hauptbahnhof der westfälischen Bundesliga-Stadt, außerdem 22 Fahrradboxen. Morgens um 6.30 öffnet die Velogarage, bis 19 Uhr ist sie geöffnet. Regelmäßige Nutzer erhalten auf Wunsch einen Schlüssel - für den Fall, dass sie außerhalb der Öffnungszeiten an ihr Fahrrad wollen.
"Wir sind zu gut 90 Prozent ausgelastet", beziffert Bade, die Boxen seien sogar komplett ausgebucht. Dabei ist das Abstellen nicht umsonst: 70 Cent kostet die Tageskarte, 100 Euro müssen für das "Jahresboxenticket" berappt werden. "Das ist es den Leuten aber wert", ist Bade überzeugt und ergänzt: "Wir haben vor allem Stammkunden."
Menschen, die täglich mit dem Rad zum Zug kommen und am Abend wieder von der Bahn auf den Sattel umsteigen und die ihre teilweise teuren Zweiräder, darunter auch Pedelecs, währenddessen sicher unterstellen möchten.
Eine Radstation, die diesen Namen verdient, ist mehr als nur eine überdachte Abstellanlage. Allein mit diesem Angebot ließe sich eine solche Einrichtung kaum rechtfertigen, auch nicht bei guter Auslastung. So umfasst die Radstation in Paderborn eine Werkstatt für kleinere und auch aufwendigere Reparaturen.
Die Pannenhilfe werde gut angenommen, berichtet Bade: "Seit Mai hatten wir 320 Reparaturaufträge." Gefragt ist laut Betreiber auch der Fahrradverleih, doch eine Dienstleistung wird eher selten nachgefragt - der Pflegeservice. Nein, viele Leute seien es noch nicht gewesen, die sich ihr Velo putzen ließen, räumt Bade ein und muss lachen.
Betrieben wird die Fahrradstation seit vergangenem Frühjahr von der tbz Bildung gGmbH in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Jobcenter Paderborn. Bade kommt im Rahmen einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahme zum Einsatz, gemeinsam mit acht weiteren Menschen.
Der 34-Jährige hofft, dass er noch länger in der Radstation arbeiten darf. Dass ihm die Arbeit dort Spaß macht und er von dem Angebot überzeugt ist, merkt man ihm an. mst