Wenn das Zuhause keine Heimat mehr ist

Wenn das Zuhause keine Heimat mehr ist

Das autonome Frauenhaus ist ein Ort der Zuflucht für Frauen und Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt geworden sind. Seit 1993 existiert diese Anlaufstelle in Trier. Jetzt zog das Frauenhaus eine Bilanz des vergangenen Jahres.

Trier. (red) 44 Frauen und 53 Kinder haben im vergangenen Jahr im Trierer autonomen Frauenhaus gelebt. Dies geht aus dem Jahresbericht des Trägervereins Frauenhaus Trier hervor. Damit konnte das Frauenhaus seit 1993 insgesamt 714 Frauen und 923 Kindern, die alle Opfer häuslicher Gewalt waren, Zuflucht und Unterstützung geben. Ein Drittel kommt wieder

Das Haus war auch im Jahr 2006 gut ausgelastet. Etwa 47 Tage blieben die Bewohnerinnen durchschnittlich im Frauenhaus. Einige nur kurz, zwischen ein bis zwei Tagen und einer Woche, andere dagegen bis zu einem halben Jahr und länger. Ungefähr jede dritte Frau war bereits zuvor schon einmal in einem Frauenhaus. Nach ihrem Frauenhaus-Aufenthalt ist etwa jede dritte Frau zum "Misshandler" zurückgegangen, ein Drittel ist mit ihren Kindern in eine eigene neue Wohnung gezogen, und die übrigen haben eine andere Lösung für sich gefunden. Etwa ein Drittel der Frauenhausbewohnerinnen waren Migrantinnen aus einem anderen Kulturkreis: Etwa die Hälfte von ihnen war mit einem deutschen Mann verheiratet. 80 Prozent der Bewohnerinnen haben im vergangenen Jahr ein oder mehrere Kinder mit ins Frauenhaus gebracht. Von den 53 Kindern, die mit ihren Müttern im Haus gewohnt haben, waren zwei Drittel nicht nur Zeugen der Partnerschaftsgewalt, sondern auch selbst Opfer von Misshandlungen. Getrennt vom Frauenhaus betreibt der Trägerverein eine externe Beratungsstelle für die nachgehende Beratung der ehemaligen Bewohnerinnen und ihrer Kinder. Im vergangenen Jahr hat etwa die Hälfte der Bewohnerinnen nach ihrem Auszug aus dem Frauenhaus die Nachbetreuung aufgesucht - und zwar zumeist Frauen, die mit ihren Kindern in eine eigene Wohnung gezogen sind. Migrantinnen nehmen diese Beratung häufiger in Anspruch als deutsche Frauen. Gerade für sie ist dies eine besonders wichtige Form der Hilfe, da sie neben der Gewaltproblematik auch noch die Anforderungen eines fremden Gesellschaftssystems bewältigen müssen.Auch Jungen erhalten Hilfe

Eine nachgehende Beratung wird auch für die ehemaligen Frauenhauskinder angeboten. Besonders gefährdete Jungen erhalten außerdem die Möglichkeit, ihre Probleme mit einem männlichen Berater zu bearbeiten. Diese spezielle Jungenarbeit wurde im vergangenen Jahr vom Landesministerium für Bildung, Frauen und Jugend im Rahmen der Aktion "kinderfreundliches Rheinland-Pfalz" als Modellprojekt finanziell gefördert. Damit sollte das in Rheinland-Pfalz bisher einmalige Trierer Projekt als Modell auch für andere Träger aufbereitet werden. Von besonderer Bedeutung im vergangenen Jahr waren außerdem die Spendeneinnahmen des Fördervereins Frauenhaus Trier für die Hilfen und Angebote für Frauen und Kinder, die vor Gewalt ins Frauenhaus flüchten mussten.