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Wenn der Bräutigam die Braut unter Druck setzt ...

Wenn der Bräutigam die Braut unter Druck setzt ...

Etwa 60 Bürger aus Büdlich, Breit und Heidenburg verfolgten eine Debatte im Verbandsgemeinderat Schweich über den möglichen Wechsel der drei Gemeinden an die Mosel. Eine feste Zusage gibt es noch nicht, aber die Erwartung an die VG Thalfang, ein Konzept für alle ihre Orte zu entwickeln.

Schweich/Thalfang. Bürgermeisterin Christiane Horsch spricht gerne in Bildern. Am Dienstagabend vergleicht sie die Hängepartie zwischen den Verbandsgemeinden Thalfang und Schweich bei der Kommunalreform mit einer bevorstehenden Hochzeit. Wenn die Braut noch nicht so richtig wolle, dann solle doch der Bräutigam um sie werben und sie von seinen eigenen Stärken überzeugen, anstatt sie mit den Worten "Heirate mich morgen, oder …" unter Druck zu setzen.
Horsch nimmt damit Bezug auf das Ultimatum der VG Thalfang. Diese hatte die VG Schweich aufgefordert, sich bis 31. Dezember zu einer möglichen Aufnahme der fusionswilligen Gemeinden Büdlich, Breit und Heidenburg zu positionieren. Andernfalls gehe man davon aus, dass ein Wechsel nicht gewünscht sei. Es fehle ein Gesamtkonzept für die Hunsrück-VG, sagt die Verwaltungschefin. Die seit langem erbetenen Zahlen zum Zustand des Wasser- und Abwassernetzes der drei Orte seien am Dienstagmorgen in den Briefkasten der VG Schweich eingeworfen worden.
Horsch macht deutlich: Man setze sich jetzt "ruhig und sachlich" unter Einbeziehung der eigenen Ortsgemeinden mit den Zahlen auseinander. Gespräche mit dem Ministerium in Mainz könne es erst geben, wenn die VG Thalfang wisse, was sie wolle. Und: In der November-Sitzung des VG-Rats Schweich könnten eventuell auf der Grundlage der gelieferten Daten Entscheidungen getroffen werden.
Die VG Thalfang erwartet, dass die VG Schweich im Falle eines Anschlusses von Büdlich, Breit und Heidenburg deren Schulden anteilmäßig übernimmt. Damit wäre man indirekt an der Sanierung der Realschule plus in Thalfang beteiligt, sagt Bürgermeisterin Horsch. Die drei Ratsfraktionen zeigen sich offen gegenüber einer Fusion, sagen aber auch, dass die strukturellen und finanziellen Voraussetzungen dafür gegeben sein müssen. "Die Sache könnte schon viel weiter fortgeschritten sein", sagt Wolfgang Sauer (CDU). Jürgen Reinehr (SPD) bemerkt, man werde nicht nur das Monetäre abwägen, sondern auch die gemeinsame Historie im alten Amt Klüsserath berücksichtigen.
Den meisten Applaus der rund 60 Zuhörer aus der VG Thalfang erhält FWG-Sprecher Kaspar Portz. Er sagt: "Das Ultimatum der VG Thalfang ist kontraproduktiv, dort ist keine Strategie des Bürgerwillens zu erkennen." Joachim Christmann (CDU) kritisiert das Land: "Die reiche Tante aus Mainz will uns nur eine kleine Mitgift von 320 000 Euro geben."Meinung

Die Hoffnung wächst
Man wird nicht schlau aus der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf. Einerseits setzt sie der VG Schweich ein Ultimatum für die Aufnahme von Büdlich, Breit und Heidenburg. Andererseits hat man den Eindruck, sie möchte die Orte überhaupt nicht ziehen lassen. Die von Schweich erbetenen Zahlen über den Zustand der Kläranlagen und Leitungen bringt man monatelang nicht bei. Dann nimmt sich ein Ehrenamtler die Bücher vor, und in wenigen Tagen sind die Daten vorhanden. Den Eindruck, dass ein klares Konzept und eine ordnende Hand fehlen, hat man auch bei den Fusionsgesprächen mit anderen Nachbarverbandsgemeinden. Kein Wunder, dass da Unmut in der Bevölkerung aufkommt. Die Sitzung in Schweich dürfte den Bürgern dennoch Hoffnung gemacht haben. Der Wille zur Fusion ist auf beiden Seiten spürbar. Das ist die wichtigste Voraussetzung. Alles andere ist verhandelbar. a.follmann@volksfreund.deExtra

Helmut Schander (62), Heidenburg: "Die Abwanderung wird von der VG Thalfang boykottiert." Joachim Kasel (68), Breit: "Heute war nicht mehr zu erwarten. Die Arroganz und Ignoranz, wie die VG Thalfang mit uns umgeht, ist ungeheuerlich." Alfons Hopf (60), Büdlich: "Schweich kann ohne verlässliche Zahlen nichts entscheiden. Bei den Fusionsgesprächen wurden wir über Jahre belogen." alfExtra

Die Gemeinden Deuselbach und Gräfendhron streben an, sich der Einheitsgemeinde Morbach anzuschließen. Auch in der Mark Thalfang geht die Tendenz dorthin. Zur Mark Thalfang zählen die Dörfer Thalfang mit dem Ortsteil Bäsch sowie Deuselbach, Immert, Etgert, Talling, Lückenburg, Burtscheid, Dhronecken, Hilscheid und Rorodt. Neunkirchen und Malborn tendieren zur Verbandsgemeinde Hermeskeil, Heidenburg, Büdlich und Breit zur VG Schweich. hpl