Wenn der Wecker klingelt

TRIER. "Der schlimmste Moment ist, wenn der Wecker klingelt", sagt Uschi Kreusch. Doch eine Stunde später, morgens um halb sechs, ist sie bestens gelaunt bei der Arbeit und bereitet das Frühstücksbuffet für die Gäste eines Trierer Hotels vor.

Sie läuft in die Küche, schiebt das Wägelchen mit Wurst- und Obstplatten ins Restaurant, füllt im Kühlraum den Obstkorb auf und muntert im Vorbeigehen noch eine über Müdigkeit klagende Kollegin auf, die sich in der Küche einen Kaffee holt. Uschi Kreusch ist schon am frühen Morgen mit viel Munterkeit und ausreichend Power gesegnet. "Ich bin nie schlecht gelaunt. Dafür bin ich nicht der Typ", sagt die 47-Jährige über sich selbst. Um Viertel nach vier ist sie aufgestanden. Gut eine Stunde später läuft sie durch das Restaurant des Trierer Vier-Sterne-Hotels "Park Plaza". Adrett sieht die Frühstücksleiterin in ihrer Dienstkleidung aus, einer dunkelblauen Hose mit Weste und weißer Bluse darunter. Von nun an hat sie sechzig Minuten Zeit, ein Buffet für die Hotelgäste aufzubauen, das allein schon beim Anblick das Mittagessen überflüssig erscheinen lässt. "Gleich gibt es Kaffee. Ich habe die Maschine schon an", sagt sie. Was sich nach einer gemütlichen Tasse anhört, trinkt Uschi Kreusch im Vorbeigehen, denn Eile ist geboten: "Morgens muss jeder Griff sitzen." Um sechs Uhr kommt Rebecca Faber durch das Restaurant und verschwindet in der Küche, wo die Auszubildende zur Hotelfachfrau gerade eingesetzt ist. Wenig später stehen zwei riesige Pfannen mit Eiern und Würstchen vor ihr auf dem Herd. "Es ist nicht immer cool, morgens um sechs Würstchen zu braten", sagt die 21-Jährige. Fünf von sieben Tagen arbeitet sie im Frühdienst. Und da Hotelgäste am Wochenende nicht auf Brötchen, Müsli und Rührei verzichten, streift sie oft auch dann früh morgens ihre weiße Kochkleidung über: "Wenn ich am Freitag- oder Samstagabend mit Freunden weggehe und nur wenige Stunden Schlaf habe, ist das hart", erzählt die junge Frau. Uschi Kreusch hingegen ist selbst zu früher Stunde schon fit. Sie sieht klare Vorteile in ihren Arbeitszeiten: "Ich habe eine Tochter und kann trotz Vollzeitjob nachmittags für sie da sein." Außerdem nutze sie den Rest des Tages, um Yoga oder einen Sprachkurs zu machen. Doch bis dahin wird sie noch einige Teller tragen. Ein Blick auf die Uhr: "Halb sieben. Wir liegen genau in der Zeit. Jetzt haben wir das Erste geschafft." Und lange muss Uschi Kreusch nicht warten, bis der erste Gast das Restaurant betritt. Eben legt sie noch die Zeitungen zurecht und bittet per Haustelefon den Portier, das Radio anzuschalten. In der Küche liegen schon mehrere Notizzettel mit den Bestellungen von vier Teenagern bereit, die im "Park Plaza" übernachten: Die Band "Tokio Hotel" hat am Vorabend ein Konzert in der Arena gegeben und wünscht sich das Frühstück aufs Zimmer. Wirklich beeindruckt zeigt sich Hotelfachfrau Kreusch nicht, dass sie ab und an Stars wie Sarah Connor oder Mario Adorf bedient: "Natürlich ist es schön, wenn wir solche Gäste haben, aber die wollen morgens in Ruhe frühstücken wie jeder andere auch." Ruhig wird es heute auch für Uschi Kreusch. 70 Gäste haben sich zum Frühstück angemeldet, während es zu anderen Zeiten 240 Personen sind. "Ich mag es lieber, wenn was los ist", erzählt sie. "Sonst zieht sich der Tag etwas schleppend." Ihre Füße wird sie so oder so spüren, wenn sie gegen 14 Uhr Feierabend hat. Doch bis dahin wird Uschi Kreusch keine Sekunde sitzen und noch unzählige Male zwischen Küche und Restaurant hin- und herlaufen.

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