Katastrophenschutz: Wenn die Bombe in Trier-Euren entschärft wird, steht alles still

Katastrophenschutz : Wenn die Bombe in Trier-Euren entschärft wird, steht alles still

Wie ist der Ablauf, wenn am Sonntagmittag die britische Fliegerbombe in Trier-Euren entschärft wird? Die wichtigsten Fragen im Überblick.

Um 12.30 Uhr wird es spannend auf dem Eurener Sportplatz. Denn dann ist die Mannschaft vom Kampfmittelräumdienst Rheinland-Pfalz im Einsatz, um die Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg zu entschärfen, die dort am Dienstag bei Sondierungsarbeiten für ein neues Kleinspielfeld gefunden wurde. Christian Fuchs, Leiter des Trierer Ordnungsamtes, sagt: „Wir stellen rund um die Uhr sicher, dass sich niemand der Bombe nähert. Damit sorgen wir für die Sicherheit der Menschen hier in Euren und Trier-West, bis die Bombe entschärft wird.“

Wieviele Menschen müssen aus ihren Häusern raus?

In dem 500-Meter-Sicherheitsradius um die Bombe wohnen insgesamt 2300 Menschen. Die müssen am Sonntag ab 10 Uhr ihre Wohnungen verlassen.

Um was für eine Bombe handelt es sich?

Die britische Fliegerbombe, Typ MC (Medium Capacity) 500 ist 250-Kilogramm schwer und hat einen Aufschlagzünder am Heck.

Wie wird die Bombe entschärft, und wie groß ist das Team des Kampfmittelräumdienstes?

Marco Ofenstein und sein Team wollen die Bombe per Fernentschärfungsgerät und aus sicherer Deckung heraus unschädlich machen.

Wie lange dauert das?

Laut Marco Ofenstein kann die Entschärfung der Bombe zwischen zehn Minuten und mehreren Stunden dauern. Da es aber keine Beschädigungen an dem Zylinder gebe, geht er davon aus, dass es recht zügig über die Bühne gehen wird.

Woher stammt die Bombe?

Sie stammt möglicherweise von einem Angriff auf das nur knapp 400 Meter vom Fundort entfernte Bahnausbesserungswerk. Einer der sechs „Mosquito“-Bomber der 105. Squadron der Royal Air Force (RAF) könnte sie am 1. April 1943 abgeworfen haben. Damals kamen 25 Menschen im getroffenen Ausbesserungswerk und in Euren und Trier-West um, wie der Eurener Heimatforscher Adolf Welter recherchiert hat. Jede der sechs Bomber soll vier Bomben exakt jenen Typs abgeworfen haben, der jetzt gefunden wurde. Trier-West und Euren waren während des Zweiten Weltkriegs vor allem 1944 wegen der ausgedehnten Bahn-, Industrie- und Militäranlagen wiederholt Ziel von Luftangriffen.

Wo ist die Notunterkunft, und wie kommt man dahin?

Die Notunterkunft ist in der Messeparkhalle und ab 10.30 Uhr geöffnet für alle, die nicht bei Verwandten oder Bekannten unterkommen können. Sie erhalten dort Kaffee und andere Getränke. Zwei Sonderbusse sind im Einsatz, die die Betroffenen zwischen 10.30 und 11 Uhr dorthin fahren.

Dürfen auch Haustiere mit?

Auch Minka, Bello und Hansi dürfen am Sonntag mit in die Notunterkunft. Tiere, sofern sie keine Gefahr für andere darstellen, sind herzlich willkommen.

Wieviele Menschen sind im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren?

Insgesamt sind 350 Menschen im Einsatz. 250 Einsatzkräfte rekrutieren sich aus Berufsfeuerwehr Trier und Einsatzstab, Freiwillige Feuerwehren und Schneller Einsatz Gruppe (SEG) – Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Arbeiter-Samariterbund (ASB), Malteser Hilfsdienst (MHD) und Technisches Hilfswerk (THW). Außerdem sind 75 Polizeibeamte zusätzlich im Einsatz sowie Mitarbeiter der städtischen Ämter und der Stadtwerke Trier.

Gibt es vielleicht doch eine Möglichkeit für Anwohner, sich in ihrem Haus aufzuhalten, ihren Kleingarten zu besuchen oder sich vielleicht durch die Absperrungen zu mogeln?

Das ist auf keinen Fall erlaubt! Ordnungsdezernent Thomas Schmitt macht klar: „Der Verkehr ist ausgesperrt. An den 500-Meter-Sicherheitsradius muss sich jeder  halten. Man kann auch seinen Kleingarten nicht besuchen.“ Darüber hinaus kontrollieren Polizei und Feuerwehr zwischen 11 und 12.30 Uhr, ob tatsächlich alle Bewohner ihre Häuser verlassen haben.

Wie werden die Menschen darüber informiert, wann sie wieder in ihre Häuser zurückkehren dürfen?

Fahrzeuge mit Lautsprecher fahren durch das betroffene Gebiet. Weiter erfolgt eine Entwarnung über die Nina-App (Programm zum Katastrophenschutz). Außerdem wird die Stadt Trier über die normalen Kanäle (Pressemitteilung, Internet, Twitter) informieren.

Wieviele Blindgänger werden in Rheinland-Pfalz jedes Jahr vom Kampfmittelräumdienst entschärft?

Laut Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) sind im Jahr 2018 in Rheinland-Pfalz insgesamt 36 Bombenblindgänger und 319 Stabbrandbomben entschärft und abgefahren worden.

Mehr von Volksfreund